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500 km/h zwischen Sieg, Niederlage und Tod

Dragracing gehört zu den schnellsten Motorsportarten der Welt – und auch zu den gefährlichsten. Beliebt ist sie vor allem in den USA. Mittendrin: ein junger Schweizer.

Er wirkt wie eine Mischung aus Auto und Rakete: Der sogenannte «Dragster».
Er wirkt wie eine Mischung aus Auto und Rakete: Der sogenannte «Dragster».
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In der Königsklasse des Dragracing treten die Dragster gegeneinander an. Die Strecke: gerade und eine Viertelmeile lang. Geschwindigkeiten bis zu 500 km/h werden erreicht.
In der Königsklasse des Dragracing treten die Dragster gegeneinander an. Die Strecke: gerade und eine Viertelmeile lang. Geschwindigkeiten bis zu 500 km/h werden erreicht.
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Mittendrin in dieser verrückten Szene: Der Schweizer Noah Stutz (rechts).
Mittendrin in dieser verrückten Szene: Der Schweizer Noah Stutz (rechts).
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400 Meter lang ist die Strecke, purer Asphalt, ohne Kurven. Zwei schmale, mit Raketen und hohem Heck ausgestattete Autos stehen nebeneinander. Bei den Profis sind das sogenannte Dragster. Deren Piloten fahren gegeneinander um die Wette. Seite an Seite auf der pfeilgeraden Kurzstrecke. Ohne jegliches Überholmanöver, wie wir es beispielsweise aus der Formel 1 kennen.

Nach einem Burn-out, bei dem die Fahrzeuge die Räder überdrehen und sich aufwärmen, erfolgt der Start. Ein ohrenbetäubender Lärm dröhnt aus den Motoren. Die Dragster beschleunigen innert Sekunden auf 500 km/h. Fliehkräfte von bis zu 11 g wirken auf die Körper der Piloten. Im Vergleich: Formel-1-Fahrer müssen in der Regel 5 g aushalten. Nach einer Viertelmeile oder besser gesagt nach 4 Sekunden sind beide Fahrer im Ziel – meistens.

Als es noch gewöhnliche Strassenrennen waren

Das Dragracing ist vor allem in den Vereinigten Staaten überaus populär. Tausende Zuschauer säumen bei den Veranstaltungen die Strecke. Zudem ist die Sportart breit gefächert und reicht von zahlreichen Amateurklassen bis in die Profiklasse.

Die USA sind auch das Mutterland des Dragracing, auf Deutsch auch Beschleunigungsrennen genannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es unter den amerikanischen Jugendlichen vermehrt zu Strassenrennen. Dabei rasten sie zu zweit mit frisierten Autos über einen kurzen Strassenabschnitt zu einem vereinbarten Ziel. Die Startzeichen gaben jeweils normale Verkehrsampeln.

Im Grunde sind die Regeln, die stark an die «Fast and Furious»-Filme erinnern, im heutigen Dragracing gleichgeblieben. Nur hat sich der Sport weiterentwickelt – in seiner Varietät und Professionalität. Als die Rennen legalisiert wurden und immer mehr Anklang fanden, stieg die Zahl der Veranstaltungen. Durchgeführt wurden sie auf Flugplätzen und ausgetrockneten Salzseen in den USA. Heute finden Rennen vermehrt auch in Grossbritannien, Schweden und Deutschland statt – auf berühmten Strecken wie beispielsweise dem Hockenheimring.

Die Autos haben sich ebenfalls verändert: Waren es früher noch Oldtimer, sind es heute raketenähnliche, aerodynamische Dragster. In den Amateurklassen bleibt derweil der Geist der ursprünglichen Beschleunigungsrennen erhalten – hier rasen beispielsweise noch ein VW Käfer und ein Toyota Supra um die Wette.

Eine Schweizer Legende und ein Talent

Die Fahrer wiederum scheinen in Anbetracht der geraden Strecke zweitrangig zu sein. Was aber nicht stimmt. «Die Aufgabe der Fahrer besteht darin, den Dragster geradezuhalten», sagte Noah Stutz gegenüber dem Schweizer Fernsehen.

Noah Stutz? In der Schweiz wohl kein geläufiger Name, in der Dragracing-Szene aber in aller Munde. Er ist die Schweizer Entdeckung. Seit 2007 ist der 22-Jährige im Dragracing aktiv. 2013 schaffte er den Sprung in die höchste Profiklasse (Top Fuel Dragster). Ein Jahr später wurde er EM-Zweiter.

Trainiert wird er von Urs Erbacher, dem erfolgreichsten Schweizer Dragster-Rennfahrer. Erbacher stiess in den 80er- Jahren zum Dragracing. Nachdem er jahrelang in der Funny-Car-Klasse um Titel gefahren war, wechselte er zu den Top-Fuel-Dragstern. In der Königsklasse wurde er 2007 Europameister und durfte 2008 an Rennen in den USA teilnehmen.

«Der Adrenalinschub ist riesig»

Eine enorme Leistung. Denn obwohl die Rennen nur wenige Sekunden dauern – in dieser Zeitspanne, in der die Fahrer horrenden Geschwindigkeiten und enormen Fliehkräften ausgesetzt sind, kann alles passieren. Stutz assoziiert das Gefühl bei 500 km/h mit einem Vorschlaghammer im Bauch. «Nach dem Rennen zittere ich. Der Adrenalinschub ist riesig.»

Wenn aber etwas schiefgeht, wird es schnell sehr gefährlich. Beispielsweise 2008, als beim amerikanischen Profi Scott Kalitta der Motor explodierte, der Fallschirm nicht aufging und er dadurch mit seinem Dragster in eine Mauer crashte. Kalitta war auf der Stelle tot.

Bedrohliche Situationen hat auch Stutz ausgestanden. «Ich habe schon Motorenexplosionen erlebt», sagt er. Sein feuerfester Anzug sei dabei sogar «angeschmörzelt». Dennoch: Stutz lässt sich nicht von der Gefahr einschüchtern und nimmt auch in den USA an Rennen teil. In einer verrückten Sportart, in der man wohl selber ein bisschen verrückt sein muss.

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