Dandy mit abgesägten Hosen

Luca di Montezemolo verkörpert das Beste, was Italien zu bieten hat. Mister Ferrari, wie er genannt wurde, ist von seinem Posten überraschend zurückgetreten.

Alle mögen den Mister Ferrari: Luca di Montezemolo ist von seinem Posten überraschend zurückgetreten. Foto: Clive Mason (Getty Images)

Alle mögen den Mister Ferrari: Luca di Montezemolo ist von seinem Posten überraschend zurückgetreten. Foto: Clive Mason (Getty Images)

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Alle mögen ihn. Es ist aber auch schwer, ihn nicht zu mögen. Denn Luca di Montezemolo verkörpert das Beste, was Italien zu bieten hat. Er ist ein Dandy, der handgenähte Schuhe, Massanzüge und einen piemontesischen Adelstitel trägt. Ein Patron, der sich um das Wohlergehen seiner Arbeiter und um die Politik seines Heimatlandes sorgt. Ein Schöngeist, der seine Fabriken von Stararchitekten wie Jean Nouvel oder Renzo Piano bauen lässt. Einer, der sich in Interviews klug, besonnen und weitsichtig zeigt. Nur was seinen Abgang betrifft, steht der Dandy mit abgesägten Hosen da.

Noch am Samstag wehrte sich der 67-Jährige beim Grossen Preis von Italien gegen Gerüchte über einen bevorstehenden Abgang als Präsident von Ferrari mit den Worten: «Ich plane meinen neuen Vertrag über drei Jahre zu erfüllen.» Gestern nun gab er in einem Schreiben überraschend bekannt, dass er seinen Posten im Oktober räumen werde.

Es ist nicht nur das Ende seines Machtkampfs mit Sergio Marchionne, dem Fiat-Chrysler-Chef. Es ist auch das «Ende einer Ära», wie Montezemolo in seinem Rücktrittsschreiben festhielt. Denn er war Ferrari, seit er von Gianni Agnelli 1991 an die Spitze der Firma berufen worden war. Sie wird nach seinem Abgang nicht mehr dieselbe sein.

Es begann 1972 mit einer Radiosendung

Alles begann mit einer Radiosendung. Es war im Dezember 1972, als der Jurastudent und Rallyefahrer in einem römischen Radiostudio erst interviewt und dann von einem Hörer beschimpft wurde. Motorsport sei elitär, und ohne seinen familiären Background hätte Montezemolo nie etwas erreicht. Der Angefeindete wehrte sich so überzeugend, dass wenig später Enzo Ferrari anrief und fragte: Wer ist dieser Junge, der die Eier hatte, diesem Idioten Paroli zu bieten? Wenig später machte Ferrari den 26-Jährigen zu seinem Assistenten.

Die Marke Ferrari war zu dem Zeitpunkt spektakulär erfolglos. Das änderte sich bald. 1973 holte Monte­zemolo den unbekannten österreichischen Fahrer Niki Lauda an Bord, der 1975 und 1977 die Formel-1-Weltmeisterschaft gewann. In den Achtzigerjahren übernahm Montezemolo verschiedene Managementposten im Firmenimperium der Familie Agnelli, zu dem auch Ferrari gehört, und organisierte 1990 die Fussball-WM in Italien. Danach rückte er an die Spitze von Ferrari. Und machte alles richtig. «Ein Sportwagen muss nach Mädchen, Farbe und Tempo riechen», geht ein Song von Paolo Conte. Und nicht jeder kann sich das leisten, würde Montezemolo ergänzen, der Ferrari als exklusiven Luxus-Sportwagen positionierte.

Das ging gut, bis Marchionne 2004 CEO des beinahe konkursreifen Fiat-Konzerns wurde, Montezemolo amtierte damals als Präsident. Die beiden wurden nie warm miteinander. 2009 gelang Marchionne ein Coup, als er Fiat mit Chrysler fusionierte, doch die beiden Manager konnten sich nicht über die strategische Ausrichtung des Fiat-Chrysler-Konzerns einigen – und noch weniger darüber, was nach dem im Oktober geplanten Börsengang in New York mit Ferrari geschehen soll. Mit Montezemolos Rücktritt stehen die Chancen gut, dass Marchionne nun übernehmen wird.

Und was sind die Pläne des Dandys? Er hält sich bedeckt. Vielleicht geht er in die Politik, vielleicht als Berater zur Alitalia. Vielleicht will er sich aber künftig auch mehr den schönen Seiten des Lebens widmen. Davon gibt es in Italien reichlich. Und Zeit hat er nun auch genug.

Erstellt: 11.09.2014, 07:44 Uhr

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