Die Hoffnung liegt im Wilden Westen

Nach fünf Jahren Absenz kehrt die Formel 1 in die USA zurück. Mit der neuen Strecke in Austin (Texas) will die Königsklasse endlich den amerikanischen Markt erobern.

Attraktive Formel-1-Strecke: Der Kurs Circuit of the Americas hat viel zu bieten. (Video: Youtube)


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Europa ist nicht Amerika. Das gilt vor allem für die Formel 1. Während die Königsklasse im alten Kontinent, aber auch in anderen Erdteilen, die Massen fasziniert und in den Bann zieht, hat sich das Spektakel mit den heissen Boliden in den USA noch nicht richtig durchgesetzt – erstaunlicherweise, muss man anfügen.

Dabei hat man dieses Vorhaben schon an mehreren Schauplätzen versucht. «Die Gastspiele in Watkins Glen, Phoenix, Detroit, Las Vegas, Dallas, Sebring oder im Motorsport-Mekka Indianapolis verschwanden früher oder später alle wieder aus dem Rennkalender», hält die «Rheinische Post» fest. Die Formel 1 und das Land der unbegrenzten Möglichkeiten haben sich noch nicht zu einer Liebeserklärung durchringen können. Die Gründe sind vielfältig: organisatorische Mängel wie beim jüngst verschobenen GP von New Jersey, die jahrelange Absenz eines starken US-Fahrers in der Formel 1 sowie die Konkurrenz der US-Rennserien haben eine Etablierung der Königsklasse in der amerikanischen Öffentlichkeit verhindert.

«Zur richtigen Zeit am richtigen Ort»

Das soll ab heute anders werden. Schon die Streckenbezeichnung Circuit of the Americas lässt nationale Hochgefühle aufkommen. Und die rund 400 Millionen US-Dollar teure Strecke scheint die Neugier in der Region zu wecken: Die 120'000 Tickets für das sonntägliche Renndebüt sind fast alle weg, wobei wegen Noch-Sauber-Pilot Sergio Pérez zahlreiche mexikanische Fans den Trip über die Grenze unternehmen werden. «Die Rückkehr in die USA ist ein wichtiger Schritt für unseren Sport und unsere Aussenwirkung», glaubt Norbert Haug, der Motorsportchef von Mercedes vor der Premiere. McLarens Teamboss Martin Whitmarsh ergänzt: «In wirtschaftlicher Hinsicht sind wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort.»

Whitmarsh fügt einen Gedanken an, den sich alle Teams der Königsklasse wünschen: «Das ist die goldene Gelegenheit für die Formel 1, endlich hier Wurzeln zu schlagen und ein langfristiges Zuhause zu finden.» Das sind Worte, die für Formel-1-Vermarkter Bernie Ecclestone wie Musik in den Ohren klingt. Aber auch für die Auto-Hersteller ist der neue Rundkurs in der texanischen Hauptstadt eine grosse Chance für die Zukunft. «Nordamerika ist mittlerweile unser grösster Markt», weiss Mercedes-Manager Marcel Haug. Die Rennställe hoffen zusätzlich auf neue Sponsoren. Lotus-Teamchef Eric Boullier meint jedenfalls: «Das ist ein Land mit riesigen Möglichkeiten für die Formel 1.»

Experte bittet um Geduld

Im Formel-1-Zirkus herrscht im Wilden Westen also vor allem Optimismus vor. Es gibt aber auch warnende Stimmen. Marcel Cordes, Mitglied der Geschäftlsleitung des Kölner Beratungsunternehmens Sport + Markt, erklärt gegenüber der Agentur DPA: «Ein Erfolg der Königsklasse in den USA wird sich nicht über Nacht einstellen, sondern kann nur ein langfristiges Ziel sein.» Man müsse Geduld haben. Dennoch sei das Interesse an der Formel 1 in den letzten drei Jahren in den USA gestiegen, findet Cordes. Überdies sei der Standort Austin eine gute Wahl. «Die Einwohner sind jung, technologiebegeistert und auch ein wenig crazy. Das sind alles Attribute, die es der Formel 1 erleichtern werden, Fuss zu fassen.»

Der Branchenexperte stuft überdies die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Hersteller für den US-Markt positiv ein. «Das Interesse der Amerikaner an europäischen Sport- und Luxuswagen ist trotz der Wirtschaftskrise sehr gross. Deshalb ist dieses Rennen für Autobauer wie Ferrari, Mercedes oder McLaren eine Chance, ihre Kompetenz und ihr Image vor einem wichtigen Publikum zu unterstreichen.»

Die Piste kommt gut an

Aber was halten die Protagonisten, sprich die Fahrer, von der neuen Strecke, die vom deutschen Architekten Hermann Tilke konstruiert wurde? Lewis Hamilton findet gegenüber Motorsport-total.com: «Schwierig zu lernen, aber bestimmt fantastisch zu fahren. Schon im Simulator hatte ich viel Spass.» WM-Leader Sebastian Vettel äussert sich etwas zurückhaltender: «Es sieht äusserst interessant aus.» Voll des Lobes ist Jenson Button: «Die Strecke mit ihren Steigungen und Gefällen ist wirklich gut. Ich weiss aber nicht, wie viel wir von den Höhenunterschieden im Auto tatsächlich spüren werden. Für die Zuschauer ist die Anlage super, denn sie haben eine grosse Übersicht über die Piste.»

Der neue Anlauf der Formel 1 in den USA: Nicht nur Fahrer und Teams sind gespannt, wie die Premiere im Bundesstaat Texas ausfallen wird.

Erstellt: 16.11.2012, 15:13 Uhr

Das Profil: Der Kurs in Texas ist abwechslungsreich und diffizil.

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