Die Minusbilanz der grauen Sauber-Mäuse

Nur ein Team steht in der Formel 1 vor dem Europa-Auftakt im Vergleich zum Vorjahr noch schlechter da als Sauber. Eine Bilanz in Zahlen – und ein Ausblick, was die Baisse finanziell bedeuten könnte.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die mausgrauen Sauber-Boliden mit den auffällig schmalen Seitenkästen konnten die Erwartungen in den ersten vier Rennen der Saison überhaupt nicht erfüllen. Darüber können auch Nico Hülkenbergs Führungsrunden in China nicht hinwegtäuschen. «Es ist zwar etwas Besonderes, wenn man an der Spitze fährt, aber diese Statistik ist nichts wert», sagt Hülkenberg selbst. Unter dem Strich stehen für das komplett neu formierte Sauber-Team mit Hülkenberg und dem mexikanischen Rookie Esteban Gutiérrez nur gerade fünf Pünktchen zu Buche, das sind 26 Zähler weniger als zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr. Oder anders ausgedrückt: nicht einmal ein Fünftel der damaligen Ausbeute. Am kommenden Wochenende steht für die Hinwiler in Montmélo vor den Toren Barcelonas mit dem Grand Prix von Spanien die nächste Herausforderung auf dem Programm.

Lotus ist der grosse Gewinner 2013

Noch tiefer als Sauber ist nur McLaren gefallen. Die Briten, die den zu Mercedes abgewanderten Lewis Hamilton durch Sergio Pérez ersetzt haben, müssen ein sattes Minus von 69 Punkten konstatieren. Der dritte Verlierer ist Williams mit 18 Zählern weniger als 2012. Alle anderen – die auf null Punkte abonnierten Hinterbänkler Marussia und Caterham ausgenommen – stehen besser da als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahrs. Am meisten vorwärtsgemacht haben Lotus (+36), Ferrari (+32) und Mercedes (+27). Mercedes lag in der Schlussphase der Saison 2012 noch in Reichweite von Sauber. Auf den weiteren Plätzen folgen Force India (+9), gewöhnlich eine gute Referenz für die Hinwiler, Red Bull (+8) und Toro Rosso (+1).

Saubers grösstes Problem war im bisherigen Saisonverlauf ausgerechnet die Aerodynamik. Schuld daran sollen die für die Tests im Windkanal verwendeten 60-Prozent-Modelle der Reifen sein. Zudem ist die erhoffte Konkurrenzsituation im Team, die einen positiven Einfluss auf beide Fahrer habe sollte, überhaupt nicht vorhanden. Der zum Stammpiloten beförderte Esteban Gutiérrez ist noch nicht richtig in der Formel 1 angekommen, Punkte sind für ihn derzeit kaum realistisch.

Kaltenborn wiegelt ab, der Rennstallgründer ist ernüchtert

«Die Performance des Autos hat viel mit jener der Fahrer zu tun. Mann muss deshalb aufpassen, dass man keine voreiligen Schlüsse zieht. Vor allem nach nur vier Rennen. Wir werden die Entwicklung verfolgen und prüfen, ob unsere Erwartungen erfüllt werden oder nicht», sagt Teamchefin Monisha Kaltenborn. Kaltenborn betont, man dürfe von einem Rookie keine Wunderdinge erwarten. Sie weiss aber auch, dass Sauber in der kommenden Saison nur dann Ambitionen haben kann, wenn es in dieser einigermassen läuft. Der sechste Rang, den die Schweizer Equipe 2012 erreichte, ist schon 18 Punkte entfernt, der Rückfall auf den momentan besetzten achten Platz dürfte Mindereinnahmen von etwa 16 Millionen Dollar bedeuten, die geringere Attraktivität für Sponsoren noch nicht eingerechnet. Viel Geld für ein Privatteam.

Rennstallgründer Peter Sauber meldete sich am Wochenende in seiner «SonntagsBlick»-Kolumne zu Wort. Die Ausbeute von fünf Punkten aus vier Rennen liege weit hinter den Erwartungen zurück. Was ihm jedoch noch weniger gefalle, sei die Tatsache, dass Sauber von den Rundenzeiten her nicht dort sei, wo er es erwartet habe. «Seit dem ersten Rennen haben wir laufend Veränderungen vorgenommen und dabei auch Fortschritte erzielt. Aber noch hat uns das bisher nicht entscheidend nach vorne gebracht. Fakt ist, dass die Konkurrenz auch nicht stillsteht.»

Tom McCullough, Saubers leitender Ingenieur an der Rennstrecke, gibt sich vorsichtig optimistisch: «Wir werden in Barcelona einige Änderungen im Bereich der Aerodynamik haben, die wir am Freitag testen, dazu gehört auch ein modifizierter Heckflügel. Weil Überholen hier schwierig ist, kommt dem Qualifying eine besondere Bedeutung zu. Unser Ziel ist es, mit beiden Autos in die Punkte zu fahren.» (ak)

Erstellt: 06.05.2013, 11:34 Uhr

Artikel zum Thema

Die Frau an Vettels Seite

Sauber-Chefin Monisha Kaltenborn ist nicht die einzige Frau, die sich im Macho-Sport Formel 1 behaupten muss. Auch Gill Jones und Claire Williams erfüllen wichtige Jobs. Mehr...

Sauber verspricht Medizin gegen die Krise

Der Schweizer Sauber-Rennstall zieht nach dem Grand Prix von Bahrain eine vernichtende Bilanz. Teamchefin Monisha Kaltenborn verspricht den Fahrern Besserung und deutet an, wo die Probleme liegen könnten. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Formel 1: GP England

NameTeamZeit
1.Lewis HamiltonMercedes 1:21:27.430
2.Valtteri BottasMercedes +14.063
3.Kimi RaeikkoenenFerrari +36.570
4.Max VerstappenRed Bull +52.125
5.Daniel RicciardoRed Bull +1:05.955
6.Nico HuelkenbergLotus Renault +1:08.109
7.Sebastian VettelFerrari +1:33.989
8.Esteban OconForce India+ 1 Runde
9.Sergio PerezForce India+ 1 Runde
10.Felipe MassaWilliams+ 1 Runde
Mehr...
Stand: 17.07.2017 07:35

Formel 1: WM-Stand Fahrer

NameTeamP
1.Lewis HamiltonMercedes72861
1.Lewis HamiltonMercedes381
3.Sebastian VettelFerrari72871
3.Sebastian VettelFerrari278
4.Kimi RaeikkoenenFerrari72871
4.Kimi RaeikkoenenFerrari150
5.Valtteri BottasMercedes72867
5.Valtteri BottasMercedes136
6.Felipe MassaWilliams72867
6.Felipe MassaWilliams121
Mehr...
Stand: 11.04.2016 10:40

Blogs

Politblog Bomben im Bundeshaus

Von Kopf bis Fuss Darum sind probiotische Produkte oft unwirksam

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Was guckst du? Ein Kind spielt am Strand von Sydney, wo die aufblasbare Skulptur «Damien Hirst Looking For Sharks» des Künstlerduos Danger Dave und Christian Rager installiert ist. Sie ist Teil der Ausstellung Sculpture by the Sea. (19. Oktober 2018)
(Bild: Peter Parks) Mehr...