Die Nacht der langen Messer und das Skandalrennen

Vor 100 Jahren wollte Fürst Albert I. mit einer Rallye den Tourismus in Monte Carlo ankurbeln. Daraus entstand ein Klassiker im Motorsport.

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Standesgemäss gewann ein Franzose die 79. Rallye von Monte Carlo. Bryan Bouffier und Xavier Panseri siegten in einem Peugeot 207. Schon die Premiere 100 Jahre zuvor hatte mit Henri Rougier ein Franzose in einem französischen Auto gewonnen, einem Turcat-Méry. Damals wurde der Sieger aber noch nicht ausschliesslich mit der Stoppuhr gekürt. Kriterien wie Komfort, Zustand und Eleganz des Fahrzeugs wurden von einer Jury bewertet und in die Punktewertung des Gesamtklassements inkludiert.

Die Jury unter dem Vorsitz von Fürst Albert I. hatte einen ganzen Tag gebraucht, um den Sieger zu küren. Dies wiederum veranlasste Karl Friedrich von Esmarch dagegen zu protestieren. Der Deutsche war als erster im Ziel angekommen, kam aber nur auf den 6. Gesamtrang. Der Protest wurde abgeschmettert, von Esmarch aus der Wertung gestrichen. Es dürfte der «Mutter aller Rallyes» («Die Zeit») die nötige Publizität gebracht haben und die Taktik des Fürsten ging damit auf.

Erste Rallye war eine Sternfahrt

Die erste Rallye 1911 war primär als Touristenattraktion und Werbegag gedacht. Rund 50 Jahre zuvor hatte Fürst Charles I. ein Casino auf einem leeren Gebiet gebaut und darum herum einen Stadtbezirk entwickelt. Das Viertel hatte er unbescheiden nach sich selbst benannt – Monte Carlo. So sollten zahlungskräftige Gäste angelockt werden, doch im Winter zog es die Leute eher nach Nizza.

Der Präsident des monegassischen Fahrrad- und Automobilsportclubs, Alexandre Noghès, dürfte Fürst Albert I. wohl den richtigen Tipp gegeben haben, nachdem schon 1894 in Monte Carlo ein erster Wettkampf «für pferdelose Wagen» stattgefunden hatte. Er organisierte eine Sternfahrt aus sechs verschiedenen Städten nach Monaco. Start war der 21. Januar, weit ausserhalb der touristischen Hauptsaison.

Berüchtigte Passage des Col de Turini

Im Verlauf der Jahre wurde die Monte, wie die Rallye von den Fans liebevoll genannt wird, zum prestigeträchtigen Klassiker. Die Rallye galt für die Automobilhersteller als Härtetest und Siege bedeuteten steigende Verkaufszahlen. Berüchtigt war vor allem der kurvenreiche Abschnitt über den Col de Turini – zumal diese nachts gefahren wird. «Nacht der langen Messer» wird die spektakuläre Etappe genannt, was aber nichts mit Sabotageaktionen zu tun hat. Es bezieht sich auf die Scheinwerferstrahlen, die dunkle Nacht durchschneiden.

Der Pass ist vor allem wegen schneebedeckter und eisiger Strassen gefürchtet. Die Tausenden von Zuschauer, die sich das Spektakel auf der Passstrasse mit zahlreichen Haarnadeln nicht entgehen lassen wollen, werfen zuweilen zusätzlich noch Schnee auf die Fahrbahn. So sind 2005 Marcus Grönholm und Petter Solberg wohl auf solchen Stellen von der Strecke abgekommen und – im Fall von Solberg – ausgeschieden.

Zum Skandalrennen verkam die Austragung 1966: Gleich die ersten vier Autos, davon drei Mini Cooper, wurden wegen angeblich unvorschriftsmässiger Beleuchtung disqualifiziert. Citroën-Fahrer Pauli Toivonen erbte den Sieg. Die Rallye Monte Carlo war auch schon mehrfach Schauplatz von Filmen. 1969 spielten Tony Curtis und Gerd Fröbe in der Komödie «Monte Carlo Rallye» und 18 Jahre später war der VW-Käfer im dritten Teil der Herbie-Serie «Der tolle Käfer in der Rallye Monte Carlo»

Erstellt: 25.01.2011, 17:03 Uhr

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