Ein Leben für Geld und Geschwindigkeit

Bernie Ecclestones hört als Formel-1-Geschäftsführer auf. Sein Weg vom Brötchenverkäufer zum Motorpsort-Zampano.

Nach knapp 40 Jahren an der Spitze der Formel 1 ist Schluss: Bernie Ecclestone.

Nach knapp 40 Jahren an der Spitze der Formel 1 ist Schluss: Bernie Ecclestone. Bild: Keystone

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Wenn einer vier Jahrzehnte lang ein Geschäft beherrscht, kursieren natürlich viele Geschichten über ihn. Eine, die Bernard Charles Ecclestone besonders gut beschreibt, geht so: Eines Tages sass der Formel-1-Vermarkter mit den Vertretern eines Fernsehsenders am Verhandlungstisch. Es ging darum, wie viel diese für die Übertragungsrechte zahlen wollten und sollten. Als ein Wortführer der Interessenten die Stimme im versöhnlichen Ton erhob, fiel Ecclestone ihm ins Wort: «Oh, tun Sie das nicht! Bitten Sie mich jetzt bloss nicht, fair zu sein.»

Fairness war kein Punkt in Ecclestones Koordinatensystem. Für den Sohn eines Fischers, der Ende Oktober 1930 im englischen Suffolk zur Welt kam, ging es früh nur um eines: Kaufen und Verkaufen. Bereits auf dem Schulhof handelte Ecclestone mit Brötchen. Das ­Kapital, das er dafür jeden Morgen beim Bäcker einsetzte, hatte er zuvor ­verdient: mit zwei Runden als Zeitungsausträger. Wenn der Preis stimmte, verkaufte Ecclestone seinen Mitschülern auch seine Geburtstagsgeschenke.

Weg aus der ärmlichen Herkunft

Ecclestone ist nicht besonders gross. Dass er statt Bernard Charles nur «Bernie» gerufen wird, ist kein Wunder. Dass er sich zu Fahrzeugen hingezogen fühlte, auch nicht: Sie verbanden seinen Wunsch, seiner ärmlichen Herkunft zu entkommen, mit seiner Leidenschaft für Geschwindigkeit und Geschäfte.

Hobby-Rennfahrer, Gebrauchtmotorrad-Händler, Gebrauchtwagen-Händler, Formel-1-Team-Besitzer, Formel-1-Manager: So lässt sich sein Aufstieg bündeln. Seit Ende der 70er-Jahre steuerte Ecclestone die Formel 1. Er steuerte sie auf viele erträgliche Märkte, er steuerte sie aber auch stets so, dass sie für ihn selbst möglichst viel abwarf.

Welche Summen in dem Geschäft bewegt werden, wurde der breiten Öffentlichkeit bewusst, als Münchner Gerichte verhandelten, was beim Verkauf der Formel-1-Anteile der Bayerischen Landesbank vorgefallen war. Das ehemalige Vorstandsmitglied Gerhard Gribkowsky wurde wegen der Annahme von 44 Millionen Dollar Schmiergeld zu einer Haftstrafe von achteinhalb Jahren verurteilt, der folgende Prozess gegen Ecclestone wegen Bestechung im August 2014 gegen eine Zahlung von 100 Millionen Dollar eingestellt.

Der Überfall des Zorro

In jenem Jahr verschickte Ecclestone als Weihnachtsgruss eine Zeichnung, die zeigte, wie er in München von Zorro überfallen wird. Sein Kommentar dazu: «Vielleicht können wir jetzt ein Rennen in der wunderschönen Stadt München austragen.»

Das Geschäft, das er aufgebaut hat, hätte Ecclestone mit dem ihm eigenen Humor gerne noch eine Weile weitergepflegt. Nun aber entschieden die neuen Formel-1-Eigner von Liberty Media: Der inzwischen 86-Jährige hat als Geschäftsführer keine Zukunft mehr. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.01.2017, 20:12 Uhr

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