Eine Sternstunde wie zu Sennas Zeiten

Kimi Räikkönen hat mit seinem Sieg in Abu Dhabi einen Fluch besiegt, der ein Vierteljahrhundert auf dem Lotus-Rennstall lastete. Und er lässt Formel-1-Romantiker träumen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Am 21. Juni 1987 errang Ayrton Senna in Detroit den für lange Zeit letzten Grand-Prix-Sieg für Lotus. Über 25 Jahre danach gehört der Traditionsrennstall dank Kimi Räikkönens Triumph in Abu Dhabi endgültig wieder zur Crème de la Crème in der Formel 1. Der 4. November 2012 war ein Höhepunkt für Lotus, der Gipfelpunkt soll es aber noch lange nicht gewesen sein. «Ich hoffe, dieser Sieg schenkt allen Glauben, nicht nur der Crew, sondern auch jenen, die das Team führen», sagte Räikkönen in der historischen Stunde. Das Ziel des Finnen, der nach einem Abstecher in den Rallye-Zirkus zu Saisonbeginn in die Königsklasse zurückkehrte, ist klar: weitere Siege. «Wenn nicht in diesem, dann im nächsten Jahr.»

Da für 2013 keine technische Revolution, sondern nur die Evolution des Bestehenden zu erwarten ist, kann man davon ausgehen, dass die dominanten Teams dieser Saison auch im kommenden Jahr wieder stark sein werden – allen voran natürlich Red Bull mit dem alten und wahrscheinlich auch neuen Weltmeister Sebastian Vettel am Steuer. Lotus, zurzeit Vierter in der Konstrukteurswertung, könnte durchaus einen Schritt nach vorne machen. Der Rennstall mit dem legendären schwarz-goldenen Auto scheint die Schatten der finanziellen Ungewissheit gebannt zu haben und verfügt über eine interessante Fahrerpaarung. Auf der einen Seite der erfahrene Räikkönen, neben Fernando Alonso und Vettel vielleicht der beständigste Fahrer im Feld, auf der anderen der talentierte Hitzkopf Romain Grosjean, der die Grossen nicht nur mit Karambolagen ärgern kann.

Lotus-Teamchef Eric Boullier jubiliert schon jetzt: «Kimi zwei Rennen vor dem Saisonende auf Platz 3 zu sehen, ist gut. Für uns, für Kimi und für die Formel 1.» Und Boullier hat Recht. Bei allem Respekt für Emporkömmlinge wie Red Bull oder Force India: Der GP-Zirkus braucht grosse Namen mit Tradition. Lotus ist so einer. Räikkönen zählt überdies zu den wenigen Charakterköpfen in der Königsklasse. Das bewies er auch mit seiner Antwort auf die Frage, wie er den Sieg zu feiern gedenke: «Ich habe fast zwei Wochen Zeit. Solange ich es schaffe, zum nächsten Rennen zu kommen, wird das Team zufrieden sein.»

«Heute wäre ich gerne Wodka-Importeur»

Dass Räikkönen, der im Ruf steht, bisweilen mehr zu trinken als eine ganze Eishockey-Veteranenmannschaft an der Club-Weihnachtsfeier, auf dem Podest in Abu Dhabi statt Champagner nur alkoholfreies Rosenwasser verspritzen durfte, ist eine hübsche Randnotiz. «Heute wäre ich gerne Wodka-Importeur, denn der Verbrauch in Abu Dhabi steigt sicher», scherzte der ehemalige Formel-1-Pilot Alexander Wurz am ORF-Mikrofon. Für Amüsement sorgte auch die Geschichte vom Funkdialog zwischen Räikkönen und seinem Renningenieur. Als dieser den Weltmeister von 2007 gegen Ende des Rennens darauf hinwies, dass Alonso immer näher komme, fauchte der nur: «Lass mich in Ruhe, ich weiss, was ich tue.»

Den Triumph in der Vereinigten Arabischen Emiraten verdankt Räikkönen nicht zuletzt seiner aufsteigenden Form im Qualifying. War er in der ersten Saisonhälfte von Grosjean noch regelmässig abgetrocknet worden, startete er in Abu Dhabi von Position 4. Der wortkarge Nordländer fühlt sich bei seinem Arbeitgeber rundum wohl und arbeitet ehrgeizig an sich – kein Vergleich zu seiner letzten Saison bei Ferrari, als er lustlos wirkte und lediglich WM-Sechster wurde. «Wir halsen ihm nicht zu viel auf, damit sein Terminplan überschaubar bleibt», erklärt Teamchef Boullier sein Geheimnis.

Erstellt: 05.11.2012, 15:02 Uhr

Artikel zum Thema

Räikkönen bleibt bei Lotus

Formel 1 Kimi Räikkönen fährt auch 2013 für das Formel-1-Team Lotus. Mehr...

Noch 13 Punkte für ein Sauber-Halleluja

Der 6. Platz von Kamui Kobayashi am GP der Vereinigten Arabischen Emirate zeigt: Der Kampf gegen Mercedes um den 5. WM-Rang ist für Sauber noch lange nicht verloren. Mehr...

Räikkönen siegt in Abu Dhabi - Vettel bleibt WM-Leader

Formel 1 Kimi Räikkönen gewinnt in Abu Dhabi zum ersten Mal seit über drei Jahren wieder einen Grand Prix. Kamui Kobayashi wird im einen Sauber-Auto Sechster. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Blogs

Mamablog Ab auf die Bäume, Kinder!

Sweet Home Ferien im Chalet

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Buntes Treiben: Mit dem Schmutzigen Donnerstag hat auch die Luzerner Fasnacht begonnen. Am Fritschi-Umzug defilieren die prächtig kostümierten Gruppen und Guggen durch die Altstadt. (20. Februar 2020)
(Bild: Ronald Patrick/Getty Images) Mehr...