Kann eine Frau in der Formel 1 bestehen?

Die gute Leistung der Williams-Testpilotin Susie Wolff in Hockenheim bringt wieder einmal eine der ältesten Motorsport-Fragen aufs Tapet.

«Es haben sich so viele gefragt, ob ich das kann»: Für Susie Wolff ist der Auftritt in Deutschland eine grosse Genugtuung.

«Es haben sich so viele gefragt, ob ich das kann»: Für Susie Wolff ist der Auftritt in Deutschland eine grosse Genugtuung. Bild: Keystone

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Es ist kein Geheimnis, dass sich Formel-1-Vermarkter Bernie Ecclestone für die Königsklasse des Motorsports endlich eine erfolgreiche Rennfahrerin wünscht. Da die in den USA gefeierte Danica Patrick kein Interesse zeigt, ist die 32-jährige Susie Wolff wohl die geeignetste Kandidatin. Die Ehefrau von Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff hat es immerhin schon zur Testfahrerin beim Williams-Rennstall gebracht und machte am Freitag im freien Training zum Grand Prix von Deutschland eine gute Figur. Sie liess in der ersten Session unter anderem den Sauber-Testfahrer Giedo van der Garde sowie die beiden Lotus-Piloten Romain Grosjean und Pastor Maldonado hinter sich. Insgesamt waren sieben Fahrer langsamer als die Schottin.

Hätte sie also schon jetzt ein Cockpit verdient? Und wäre es nicht langsam an der Zeit, die männliche Phalanx in der Formel 1 zu brechen – mit Susie Wolff als Galionsfigur? «Ich sehe mich nicht als Wegbereiterin für weibliche Pilotinnen», sagte Wolff in Hockenheim. «Es geht mir darum, dass ich liebend gern solch ein Auto fahre. Das ist mein Interesse. Natürlich gibt es immer wieder ein grosses Medieninteresse und viele Fragen. Aber das ist okay. Denn die Frage, ob es eine Frau in der Formel 1 wirklich schaffen kann, ist bis heute noch nicht beantwortet.»

«Keine Förderung, wenn die Leistung nicht stimmt»

Von spezifischen Förderprogrammen für Frauen hält die Tochter eines Motorradgeschäft-Besitzers nichts. Die Integration von Rennfahrerinnen dürfe auf keinen Fall künstlich entstehen. «Man kann nicht einfach Frauen vorantreiben und fördern, wenn die Leistung dem nicht entspricht. Das wäre ohnehin nicht nachhaltig. Ich finde aber, dass es generell sowieso schon in die richtige Richtung geht.»

Tatsächlich hat der weibliche Anteil in der Formel 1 zugenommen. Bei Sauber sind mit Teamchefin Monisha Kaltenborn und Testpilotin Simona De Silvestro zwei Frauen in wichtigen Positionen tätig, bei Williams ist Claire, die Tochter von Rennstallgründer Frank Williams, die Nummer 2 im Organigramm. «Es passiert auf normalem, organischem Weg - weil diese Frauen eben die beste Besetzung für diese Posten sind. Es liegt bestimmt nicht daran, dass irgendjemand mehr Frauen in der Formel 1 haben möchte. Es wird sich weiter in diese Richtung entwickeln», erklärte Wolff.

«Sollte ich gebraucht werden, bin ich zur Stelle»

Dass sie schon 2015 bei einem Rennen für Williams fahren kann, glaubt sie trotzdem nicht: «Angesichts der Leistungen von Felipe Massa und Valtteri Bottas ist das nicht realistisch.» Die beiden Stammpiloten des Teams haben die Erwartungen in dieser Saison mehr als erfüllt. Massa ist Zehnter in der Fahrerwertung, Bottas gar Fünfter. Mit 0,227 Sekunden war Susie Wolffs Rückstand auf Massa aber alles andere als gravierend. Und das mit der gleichen Tankfüllung. Eine Genugtuung für die schnelle Dame, die in Silverstone bei ihrem Freitagseinsatz noch nach wenigen Metern auf der Strecke geblieben war.

«Es haben sich so viele gefragt, ob ich das kann. Ich wusste, dass ich es kann. Und ausserdem: Wenn ich den Helm aufhabe, dann bin ich nicht anders als alle anderen», gab sie zu Protokoll. «Ich fahre bei Williams. Frank ist mein Chef, er würde niemals jemanden als PR- oder Marketinggag ins Auto setzen. Sollte ich gebraucht werden, bin ich zur Stelle.» Bislang starteten fünf Frauen zu einem Formel-1-Rennen, zuletzt vor 22 Jahren die Italienerin Giovanna Amati. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.07.2014, 13:04 Uhr

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