Kopflos ins Ferrari-Debakel

Die Ferraristi tragen nach dem verlorenen Formel-1-Finale in Abu Dhabi Trauer. Ein erzürnter Minister der Regierung Berlusconi fordert gar den Rücktritt von Firmenchef Luca Di Montezemolo.

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Als Mark Webber am Sonntag auf dem Yas Marina Circuit von Abu Dhabi schon früh an die Red-Bull-Box fuhr, um seinen obligatorischen Reifenwechsel zu absolvieren, schrillten bei Ferrari die Alarmglocken. Die Scuderia versteifte sich darauf, eine ähnliche Taktik wie der Australier anzuwenden und beorderte Fernando Alonso nach nur 15 Runden zum Boxenhalt. Die Folgen sind bekannt: Alonso, zuvor auf Platz 4 und damit virtuell Weltmeister, geriet hinter Nico Rosbergs Mercedes und Witali Petrows Renault. Am Ende belegte der Spanier Rang 7. Er lag damit zwar wie erhofft vor Webber, verlor die Weltmeisterschaft aber an den siegreichen Sebastian Vettel.

Alonso zeigt Petrow den Vogel

Nach der Zieldurchfahrt zeigte Alonso dem hartnäckigen Petrow den Vogel. Er hätte das Handzeichen aber besser Richtung Ferrari-Kommandostand gemacht. Denn dort hatte man sich im WM-Kampf nur auf Webber, nicht aber auf dessen Red-Bull-Kollegen Vettel konzentriert. «Es war ein Fehler, aber es bringt nichts, jetzt noch einmal nachzubohren», gab Ferraris Teamchef Stefano Domenicali zerknirscht zu Protokoll. «Wir waren übermässig über die Abnutzungsrate der weichen Reifen besorgt, und wir haben nicht in Betracht gezogen, wie schwierig es ist, andere Autos auf dieser Strecke zu überholen.»

Italiens Bürokratieabbau-Minister Roberto Calderoli, der wiederholt mit rassistischen und homophoben Äusserungen unangenehm auffiel, forderte nach dem Showdown in Abu Dhabi den Rücktritt von Ferrari-Präsident Luca Di Montezemolo. «Er ist schuld daran, dass wir uns als Ferrari-Fans schämen müssen. Er muss sofort weg aus Maranello, damit er Ferrari nicht noch weiter schadet», so der Politiker der rechtspopulistischen Lega Nord.

Erinnerungen an die Tankrüssel-Panne

Es ist nicht das erste Mal, dass eine Panne des Ferrari-Staffs die Chancen eines Piloten erheblich beeinträchtigt. 2008 gab ein Mechaniker Felipe Massa in Singapur das Signal zur Weiterfahrt, als der Tankrüssel noch im Boliden des Brasilianers steckte. Massa riss die halbe Anlage mit und musste am Ende der Boxengasse stoppen, damit die herbeigeeilten Mechaniker den störrischen Tankrüssel mit vereinten Kräften wieder entfernen konnten. Massa kassierte eine Durchfahrtsstrafe und verpasste die Punkteränge. Zum Ende der Saison lag er einen Zähler hinter Weltmeister Lewis Hamilton...

Fernando Alonso nahm die Duplizität der Ereignisse nicht zu tragisch. «Nach dem Rennen ist es immer sehr einfach zu sehen, was die beste Strategie war», erklärte der zweifache Champion. «Webber hat ständig Zeit gewonnen. Deshalb wäre es sehr riskant gewesen, noch draussen zu bleiben.» 2011 werde Ferrari viel stärker sein, so Alonso, der am Sonntag wohl gerne seinen alten Weggefährten und Taktikfuchs Flavio Briatore an seiner Seite gehabt hätte.

Erstellt: 15.11.2010, 11:45 Uhr

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