Schlimmer als rote Zahlen – verletzter Ferrari-Stolz

Der Rücktritt von Ferrari-Boss Luca di Montezemolo hat nichts mit Geld zu tun, aber sehr viel mit Emotionen.

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Die Tifosi stürmten zu Zehntausenden die Strecke. Als der Grand Prix von Monza zu Ende war, baute sich eine rote Wand vor dem Siegerpodest auf. Doch dort, weit oben, standen nicht Fernando Alonso und Kimi Räikkönen, sondern Lewis Hamilton und Nico Rosberg, die mit ihrem Mercedes die Formel-1-Saison nach Belieben dominieren. Und als wäre das noch nicht genug, stieg auch noch der langjährige Ferrari-Fahrer Felipe Massa als Dritter aufs Podest – im Anzug von Williams. Ein Stich ins Herz der Italiener.

Trotzig hielten sie ihre Ferrari-Fahnen in die Luft, eine überdimensionale Flagge mit dem Emblem wurde von mehreren Dutzend getragen. Doch das stolze, springende Pferd, dessen Schweif im Wind weht – es geht seit Jahren nur noch im Kriechgang.

Sieben Jahre seit dem letzten Titel

2008 holte die Scuderia letztmals den Konstrukteurstitel. Sieben Jahre ist es gar her, dass mit Räikkönen ein Ferrari-Pilot Weltmeister wurde. In dieser Saison liegt man bereits satte 292 Punkte hinter den Silberpfeilen. Der konstruierte Antriebsstrang, unter dessen Leistungsschwäche auch der Sauber-Rennstall leidet, kann nicht mit der Konkurrenz mithalten. Das Debakel vom letzten Wochenende, an dem Räikkönen auf Rang 9 fuhr und Alonso gar nicht erst ins Ziel kam, war so etwas wie die Demütigung vor den eigenen Fans.

Auch Sergio Marchionne, dem Boss von Fiat, war das zu viel. Dem Konzern gehören 90 Prozent von Ferrari. «Wir können so eine Situation nicht akzeptieren. Ich will keine Siebt- oder Zwölfplatzierten sehen und genauso wenig will das Fiat», sagte er. Es war mehr als nur ein Seitenhieb an Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo, auch wenn der Italo-Kanadier nicht direkt dessen Rücktritt forderte: «Ich sage nur, dass das Problem gelöst werden muss.»

Der plötzliche Sinneswandel

Di Montezemolo, der die Scuderia seit 23 Jahren anführt und sechs Titel seiner Fahrer sowie acht seines Teams bejubeln konnte, dementierte in Monza derweil sämtliche Rücktrittsgerüchte, die aufgekommen waren. «Ich bin hier, um zu arbeiten, nicht, um Urlaub zu machen», sagte der 67-Jährige trotzig. Am 13. Oktober, wenn Ferrari in Nordamerika sein 60-Jahr-Jubiläum begeht, wird Di Montezemolo das zum letzten Mal sagen können. Denn das wird sein letzter Tag als Präsident sein – Fiat-Chef Marchionne übernimmt. So wurde das gestern entschieden. Allen anderslautenden Beteuerungen zuvor zum Trotz.

«Ferrari wird beim bevorstehenden Börsengang der FCA-Gruppe (Fiat Chrysler Automobiles) an der Wallstreet eine wichtige Rolle spielen. Dadurch beginnt eine neue und andere Phase, bei der ich das Gefühl habe, dass sie vom Geschäftsführer der Gruppe geleitet werden sollte», begründete Di Montezemolo seinen plötzlichen Sinneswandel. Vor allem aber dürfte der interne Druck ob der dürftigen Resultate in der Formel 1 ausschlaggebend für dessen Entscheid gewesen sein.

Auch wenn Ferrari im Gegensatz zu kleineren Teams nicht ums Überleben fürchten muss. Unabhängig seiner Platzierung in der WM erhält es von Chef-Vermarkter Bernie Ecclestone 99 Millionen Dollar. Das entspricht fast dem gesamten Budget von Sauber. Und auch die Absatzzahlen im Automobilmarkt litten nicht unter der sportlichen Baisse. Wiederholt verkündete Ferrari Rekordergebnisse.

Finanziell könnte sich Ferrari diese Durststrecke also durchaus leisten. Doch man will das in Maranello nicht. Wie sagte Marchionne, der Nachfolger, in Monza doch so schön: «Es ist eine Sache, Autos zu verkaufen und für gute Bilanzen zu sorgen. Eine ganz andere ist der essenzielle Teil unserer Arbeit: Ferrari in der Formel 1 siegreich zu präsentieren.» Die Scuderia und all ihre Fans sind tief im Stolz getroffen. Das ist schlimmer als jede rote Zahl.

Erstellt: 10.09.2014, 12:56 Uhr

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