Tod des Freundes trübt Leclercs Premiere

Charles Leclerc gewinnt erstmals in der Formel 1 und beschert Ferrari in Spa den ersten Saisonsieg.

Vor dem Rennen gedenkt die Formel 1 dem verstorbenen F2-Piloten Anthoine Hubert mit einer Schweigeminute.

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Diese Mischung aus Gegensätzlichem, aus Drama und Wunderbarem, sie passt so gut zu Charles Leclerc. Der Monegasse trägt eine Melancholie in den Augen, wirkt verträumt, nachdenklich, mitunter trübsinnig. Es war, als hätte jemand das Drehbuch dieses Wochenendes auf seine Rolle geschrieben, mit einem harten Schicksalsschlag und mit dem grössten Triumph seiner Karriere.

Am Sonntag war er der grosse Mann, der erste monegassische Sieger der Formel 1. Am Samstag hatte er einen engen Freund verloren, Anthoine Hubert, tödlich verunglückt auf der Strecke in Spa-Francorchamps, Leclercs Ort der Trauer und der Glückseligkeit zugleich.

Er parkierte seinen Ferrari in der Boxengasse und brauchte einen Moment der Ruhe. Langsam entstieg er seinem Gefährt, ballte die Faust, Sieg! Reckte den Zeigefinger gen Himmel, schaute hoch, die Gedanken waren auch woanders. Leclerc winkte einen Kameramann herbei und zeigte auf den Aufkleber auf seinem Auto: «Racing for Anthoine.»

Keine Champagnerdusche

Mit einer Schweigeminute hatten die einstigen Kontrahenten in der Formel 2 am Morgen Huberts gedacht, in vorderster Reihe seine Mutter und sein Bruder, die Augen hinter den Gläsern ihrer Sonnenbrillen versteckt. Am Nachmittag hielt dann auch die Formel 1 vor ihrem Start für 60 Sekunden inne. Und hinterher stand also Leclerc zuoberst auf dem Podest, zwinkerte von dort oben seinen Mechanikern zu, lächelte verhalten, streckte den Pokal hoch, zeigte noch einmal in die Luft und stellte die überreichte Champagnerflasche wieder hin, ohne dass er einen Schluck davon verspritzt oder getrunken hätte.

«Auf der einen Seite ist ein Kindheitstraum wahr geworden», sagte der 21-Jährige, «auf der anderen ist es schwierig, sich unter diesen Umständen zu freuen.» Natürlich widmete er Hubert seinen Premierensieg.

Oft hat Leclerc gezeigt, dass er reif ist dafür, in Bahrain führte er, bis der Motor zehn Runden vor Schluss stotterte. In Österreich schnappte ihm Max Verstappen den Triumph mit einem ungestümen Manöver weg. Und nun also hat es ausgerechnet an diesem so emotionalen Wochenende geklappt.

Mit Jules Bianchi, 2014 in Japan verunglückt, hatte er schon einmal einen guten Freund auf der Piste verloren. Vor zwei Jahren, er fuhr noch in der Formel 2, starb sein Vater vor dem Rennen in Aserbeidschan völlig unerwartet. Leclerc reiste dennoch hin, er holte die Poleposition, er gewann. Welch gewaltige mentale Stärke unter den schwarzen Locken steckt, bewies er da, bewies er gestern, als er sich vom heranrasenden Lewis Hamilton in den letzten Runden nicht aus dem Konzept bringen liess und 981 Tausendstel ins Ziel rettete.

Giovinazzi stark – dann out

Leclercs Nachfolger bei Alfa Romeo hätte eine Portion Souveränität auch gut gebrauchen können. Mit schönen Manövern arbeitete sich Antonio Giovinazzi nach vorne, lag auf Position 9 und hätte zum zweiten Mal Punkte geholt. Wäre er nicht in der letzten Runde in die Reifenstapel gekracht.

Für Verstappen ist nach dem Crash mit Räikkönen in Kurve 1 das Rennen bereits vorbei. (Quelle: SRF)

Noch bessere Aussichten hatte Kimi Räikkönen, aber nur kurz. Beim Start zog der Finne an Verstappen im Red Bull vorbei auf Rang 5. In der ersten Kurve versuchte der Niederländer, sich diesen zurückzuholen – und rempelte Räikkönen derart heftig an, dass dieser die Box aufsuchen musste und nicht über Platz 16 hinauskam. Während Verstappen sein Auto mit gebrochener Aufhängung in den Reifen vergrub. Seinen 25 000 Landsleuten an der Strecke blieb nur noch, fortan Charles Leclerc bei dessen Fahrt zum grössten Triumph zuzuschauen. Der dramatisch und wunderbar zugleich war.

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