Hintergrund

Willkommen in der Formel Sauna

Schwitzen bei 60 Grad im Cockpit und atemberaubende Manöver auf dem regennassen Asphalt: Der GP von Malaysia am kommenden Sonntag ist die härteste Prüfung des Formel-1-Jahres.

Lotus-Renault-Pilot Nick Heidfeld sucht die Nähe eines Ventilators.

Lotus-Renault-Pilot Nick Heidfeld sucht die Nähe eines Ventilators. Bild: Keystone

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«Malaysia ist wie eine finnische Sauna, aber 24 Stunden am Tag», sagte der frühere Weltmeister Kimi Räikkönen einmal treffend. Bei 35 Grad Aussentemperatur und rund 90 Prozent Luftfeuchtigkeit heizt sich das Cockpit auf der Rennstrecke von Sepang bis auf 60 Grad auf, und selbst wenn der Himmel seine Schleusen öffnet, bleibt es noch immer heiss. Die Rennfahrer trinken deshalb in Malaysia dreimal so viel wie vor einem Durchschnitts-Grand-Prix, bis zu sieben Liter Wasser und isotonische Getränke. Rekord-Weltmeister Michael Schumacher versuchte der Hitze jeweils durch einen geheimen Mix aus ätherischen Ölen beizukommen, den ihm sein langjähriger Physiotherapeut Balbir Singh zusammenstellte.

Schwere Speisen haben schon Tage vor dem Rennen nichts mehr auf dem Speiseplan der Formel-1-Piloten verloren. Um die Verdauung nicht zu sehr zu belasten, treten Obst und Gemüse an die Stelle von Fleisch und Kohlehydraten. Auch bei Weltmeister Sebastian Vettel, der ein erklärter Liebhaber von Wiener Schnitzel mit Pommes frites ist.

Die kühlende Wirkung des Schwitzens fehlt

Die Ärzte der Teams fürchten vor allem, dass sich der Organismus eines ihrer Piloten überhitzen könnte. Weil die Temperaturen derart hoch sind, verdunstet der Schweiss nicht. Er bleibt auf der Haut, weshalb dann die kühlende Wirkung des Schwitzens fehlt. Und je höher das innere Thermometer klettert, desto schneller lässt die Konzentration nach. Die Kurven, bei denen teilweise das Dreifache des eigenen Körpergewichts an der Nackenmuskulatur der Fahrer zerrt, werden so zu einer noch grösseren Herausforderung.

Um den Körper zumindest in der Anfangsphase des Rennens auf einer angenehmen Temperatur zu halten, greifen die Formel-1-Teams zu ungewöhnlichen Methoden. Sie füllen die Schuhe, Helme und Handschuhe der Fahrer vorgängig mit Trockeneis. Natürlich kommen auch die Eispackungen für den Hals, die am Australian Open der Tennisprofis jeweils Hochkonjunktur haben, zum Einsatz.

Räikkönen und die Cola-Dose

Kommt es in diesem Jahr auf dem Sepang International Circuit zu einem Regenrennen, dürfte es besonders spannend werden. Die Strategen der Teams wissen nämlich noch nicht, wie sich die neuen Einheitsreifen aus dem Hause Pirelli bei diesen Bedingungen verhalten werden. Pirelli rechnet damit, dass die Fahrer bis zu fünf Reifensätze verschleissen werden. In Australien schaffte der neue Sauber-Pilot Sergio Perez noch das Kunststück, das Rennen mit nur einem Boxenhalt zu absolvieren.

Der Sieger des Rennens in Malaysia wurde in den letzten beiden Saisons jeweils auch Weltmeister. 2010 setzte sich Sebastian Vettel durch, 2009 gewann Jenson Button in einem kuriosen Grand Prix. Die Fahrer mussten damals nach dem Abbruch in der 32. Runde bei strömendem Regen in ihren Cockpits ausharren, ehe die Jury bekannt gab, dass das Rennen nicht wieder aufgenommen werde. Kimi Räikkönen hatte von den Strapazen die Nase derart voll, dass er vorzeitig aus seinem Ferrari kletterte und sich eine kühle Cola-Dose und ein Eis zur Erfrischung gönnte.

Erstellt: 07.04.2011, 16:02 Uhr

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