Auf der Strecke geblieben

Alfa Romeo verspielte die gute Ausgangslage in der zweiten Saisonhälfte, weil zu viele Fehler passierten und die Entwicklung stockte.

Das Schweizer Team mit dem italienischen Namen tritt an Ort. (Bild: Keystone)

Das Schweizer Team mit dem italienischen Namen tritt an Ort. (Bild: Keystone)

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Einen positiven Abschluss hatte sich Frédéric Vasseur erhofft. Der Teamchef von Alfa Romeo wollte «den Schwung in die Winterpause mitnehmen». Doch dann machte sich wieder Ernüchterung breit. Nach den Rängen 13 und 16 im letzten Saisonrennen in Abu Dhabi kehren Vasseurs Mitarbeiter nicht mit Punkten und Schwung nach Hinwil zurück, sondern mit offenen Fragen und vielen Hausaufgaben. Und Vasseur – immer bemüht, Ruhe auszustrahlen – dürfte innerlich kochen.

Das Schweizer Team, das seit Anfang Jahr einen italienischen Namen trägt, tritt an Ort. Zwar holten Kimi Räikkönen (vor allem er) und Antonio Giovinazzi mehr Punkte als ihre Vorgänger Charles Leclerc und Marcus Ericsson. Und doch gab es am Ende wieder nur den 8. WM-Rang – 16 Zähler fehlten zu Platz 7 und zusätzlichen 3 Millionen Dollar Preisgeld. Die Saison 2018 hatte noch das Prädikat «Sauber ist wieder wer» verdient. Nun ist Alfa Romeo aber nicht viel mehr, sondern deutlich gescheitert beim Versuch, sich im umkämpften Mittelfeld möglichst weit vorne zu etablieren.

Frédéric Vasseur, der Teamchef von Alfa Romeo, blickt auf eine schwierige Saison zurück. (Bild: Getty Images)

Verbessern wollten sie sich in Hinwil – insgeheim träumten sie gar davon, die stärkste Kraft hinter den Topteams zu werden. So abwegig wäre das nicht, denn gerade in der ersten Saisonhälfte deutete das Team an, dass es eigentlich das Zeug dazu hätte, mit Räikkönens 7. Rängen in Bahrain, Frankreich und Ungarn etwa. Zwischenzeitlich lag die Equipe auf dem 5., kurz gar auf dem 4. WM-Rang.

Doch in der zweiten Saisonhälfte war der GP von Brasilien das einsame Highlight. Die 22 Punkte in São Paulo waren ein schöner Lohn. Jenes Glanzresultat ist aber trügerisch: Ohne vier Aus- und Unfälle bei den Topteams in der Schlussphase jenes Rennens wären es die Ränge 9 und 10 statt 4 und 5 geworden – und das Team hätte in der Endabrechnung sogar weniger Punkte geholt als 2018.

 Wer sich solche Dinge leistet, muss sich nicht wundern, wenn er in der WM nach hinten durchgereicht wird.

Je länger die Saison dauerte, umso trister wurden die Aussichten. Kurz schien gar noch der 8. WM-Rang in Gefahr. Noch schlechter hätte es für Alfa Romeo kaum kommen können. Das hat auch damit zu tun, dass die Weiterentwicklung des Autos diesmal nicht so gut funktionierte wie 2018. Damals schafften die Hinwiler den Anschluss ans Mittelfeld, weil ihre Updates funktionierten. Heuer hingegen passte nach der Sommerpause nicht mehr viel zusammen. Plötzlich blieben sie auf der Strecke, brachten sie die Reifen nicht mehr richtig auf Temperatur – der Grip fehlte, die Resultate damit auch.

Dazu kommt: Alfa Romeo machte zu viele Fehler. In Deutschland jubelte man erst über die Ränge 7 und 8, wurde dann aber wegen einer technischen Irregularität bestraft, die auf den Ausgang des Rennens womöglich gar keinen grossen Einfluss hatte. Zehn Punkte waren dadurch weg. In Belgien schmiss Giovinazzi sein Auto in der zweitletzten Runde völlig unbedrängt ins Kies – und wieder waren vier WM-Punkte weg. Und in Mexiko liess man Giovinazzi beim Boxenstopp mit nur drei Reifen losfahren. Wer sich solche Dinge leistet, muss sich nicht wundern, wenn er in der WM nach hinten durchgereicht wird. Perfektion ist in der Formel 1 gefragt – und Konstanz. Dass diese schlechter wurde, zeigt ein Blick in die Statistik: 2018 fuhren die beiden Sauber-Piloten in 14 Rennen in die Punkte, heuer nur noch in 11.

Kimi Räikkönen und Antonio Giovinazzi holten mehr Punkte Charles Leclerc und Marcus Ericsson. Sie fahre auch 2020 für Alfa Romeo. (Bild: Getty Images)

Die Voraussetzungen für eine Trendwende wären eigentlich da: Die Fahrer bleiben beide an Bord – Räikkönens Vertrag läuft weiter, Giovinazzi erhielt das zweite Cockpit mit dem Segen von Ferrari, obschon er nicht über die ganze Saison hinweg überzeugte. Am Regelwerk ändert sich wenig. Und im technischen Bereich übernahm mit Jan Monchaux ein interner Mann die Nachfolge des zu Ferrari zurückgekehrten Technikchefs Simone Resta.

Schlechter macht das die Ausgangslage sicher nicht. Und ohnehin werden die Perspektiven in Hinwil in absehbarer Zeit noch besser – auch dank der Budget-Obergrenze in der Höhe von 175 Millionen Dollar, die ab 2021 gilt. Sie soll dafür sorgen, dass die Lücke zwischen den Topteams und dem Rest kleiner wird. Für Teams wie Alfa Romeo ist das die grösste Chance der vergangenen Jahre.

Erstellt: 02.12.2019, 14:17 Uhr

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