Das tödlichste Motorradrennen der Welt

Auf der britischen Isle of Man fand in den letzten zwei Wochen das älteste und gefährlichste Motorradrennen der Welt statt. Wieder starben mehrere Teilnehmer.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Einmal im Jahr herrscht Ausnahmezustand auf der kleinen Insel. Im Frühsommer, wenn die Isle of Man Tourist Trophy ansteht. Das älteste Motorradrennen der Welt. Die Insel Man liegt in der irischen See zwischen Nordirland und England. Für grosse sportliche Exporte ist sie – abgesehen von Radrennfahrer Mark Cavendish – nicht bekannt.

Für die Qualifikation und das Rennen wird der Strassenverkehr abgeriegelt. Denn das Rennen findet nicht auf einer geschlossenen Rundstrecke statt, sondern auf normalen Strassen. Auf normalen Strassen, innerorts, wo sonst Tempo 30 oder 50 empfohlen wird. Oder wie es auf der Internetseite des Events heisst: «Durchschnittsgeschwindigkeiten von über 200 km/h. Auf einem Motorrad. Zwischen Backsteinhäusern und Postkarten-Küsten. Just Go.»

Gefahren wird in fünf Kategorien, ein Rennen dauert vier bis sechs Runden. Diese haben es in sich: Eine Runde ist rund über 60 Kilometer lang. Die Fahrer starten individuell. Gewertet wird nach Rundenzeit.

Über 250 Tote

Das Rennen ist nicht nur das älteste, sondern eines der gefährlichsten der Welt. Auffangnetze, Kiesbeete oder Reifenstapel sind kaum vorhanden. Ein Fehler kann genügen, um in eine Hauswand zu prallen oder eine steile Böschung runterzufallen. Seit der ersten Ausführung 1907 sind auf der Insel über 250 Fahrer ums Leben gekommen. Und dieses Jahr sind vor dem letzten Renntag bereits drei Teilnehmer gestorben: der 48-jährige Brite Davey Lambert, der 28-jährige Holländer Jochem van den Hoek und der 33-jährige Ire Alan Bonner.

Historische Bilder des Rennens im Fotoblog.

Trotz der besorgniserregenden Zahlen – statistisch gesehen sterben jedes Jahr mindestens zwei Fahrer – lässt die Faszination an diesem Rennen nicht los. Der österreichische Teilnehmer Horst Saiger versuchte es 2013 in einem Interview mit dem Magazin «Spiegel» zu erklären: «Die Isle of Man, das ist nicht irgendein Strassenrennen. Das ist, als wenn du aus deiner Dorfkirche kommst und plötzlich im Kölner Dom singst.»

Der grosse Sieger der diesjährigen Ausgabe heisst übrigens Michael Dunlop. Er hat an der Tourist Trophy bereits 14 Siege gesammelt und liegt damit auf Platz 5 in der ewigen Bestenliste. Angeführt wird diese von seinem Onkel, William «Joey» Dunlop. Der Nordire weist 26 Siege vor und gilt als einer der besten Strassenrennfahrer je. Auch ihm und seinem ebenfalls sehr erfolgreichen Bruder Robert (Michael Dunlops Vater) wurden die Strassenrennen zum Verhängnis. Im Juli 2000 liess Joey an einem Strassenrennen in Estland sein Leben. Robert starb acht Jahre später bei einem Trainingsunfall in Nordirland.

Erstellt: 12.06.2017, 07:32 Uhr

Artikel zum Thema

Hamilton siegt – Vettel mit blauem Auge

Lewis Hamilton gewinnt den GP von Kanada bereits zum sechsten Mal und verringert den WM-Rückstand auf Sebastian Vettel um 13 Zähler. Sauber bleibt ohne Punkte. Mehr...

«Warum seid ihr alle so ernst?»

SonntagsZeitung Strassenweltmeister Peter Sagan zeichnet neben seinem Talent vor allem seine Lockerheit aus. Die würde auch den anderen gut anstehen, findet er. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen: Menschen in «Txatxus»-Kostümen nehmen am traditionellen ländlichen Karneval in Lantz, Nordspanien, teil. (24. Februar 2020)
(Bild: Villar Lopez) Mehr...