Die Formel 1 lebt – noch lange

In der Königsklasse gehört Jammern zum guten Ton. Dabei geht es ihr auch nach 999 Rennen noch gut. Werden für 2021 die richtigen Weichen gestellt, bleibt das so.

Das emotionale Duell Mercedes - Ferrari geht in neue Runden - befeuert nun durch Valtteri Bottas und Charles Leclerc. Foto: Valdin Xhemaj

Das emotionale Duell Mercedes - Ferrari geht in neue Runden - befeuert nun durch Valtteri Bottas und Charles Leclerc. Foto: Valdin Xhemaj

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1000 Grands Prix! 1000 Gründe für die Formel 1, am Sonntag in China zu feiern. Doch es ist so eine Sache mit der Freude in der Königsklasse. Dort gehören Klönen und Stöhnen zum guten, wenn nicht besten Ton.

Niemand interessiere sich mehr für sie, sagen Exponenten. Sponsoren seien kaum zu finden. Das sei ja auch kein Wunder, gebe es doch kaum Überholmanöver, stünden immer die beiden Mercedes zuvorderst, herrsche gähnende Langeweile. Und die Motoren dröhnten auch längst nicht mehr wie einst, als jedes Haar vom Körper abstand, wenn die Boliden vorbeidonnerten. Immer wieder kommen Drohungen. Steigt Red Bull aus? Oder Ferrari? Zu emotionsarm, zu vorhersehbar, zu chancenlos. Und die Zukunft? Noch düsterer. Die Verbrenner hätten bald ausgedient - mögen sie mit noch so vielen Hybridsystemen ausgestattet sein. Bernie Ecclestone, jahrzehntelang der Lenker der Formel 1, sagte diese Woche, wenn er investieren müsste, dann täte er das in die Elektrorennserie Formel E. Die Formel 1? Ein Auslaufmodell.

Etwas Nüchternheit könnte helfen in der oft hysterischen Welt des Motorsports. Tatsächlich boomt die Formel E - und sie wird das auch weiter tun. Bis 2039 hat Gründer Alejandro Agag die exklusive Lizenz des Internationalen Automobilverbands (FIA) für Elektrorennen. Will die Formel 1 vollelektrisch fahren, müsste wohl viel Geld fliessen - oder sie löst sich von der FIA. Es wäre ein sehr gewagter Schritt.

490,2 Millionen Leute sahen 2018 mindestens ein Rennen am TV - das ist jeder 15. Mensch der Welt.

Nur dürften sich Elektrofahrzeuge und Verbrenner auf der Strasse noch lange die Spuren teilen. Und selbst wenn nicht, heisst das nicht, dass auch der ganze Motorsport vollelektrisch sein muss. Agag sagt: «Vielleicht gibt es die Formel 1 noch lange. Schliesslich gibt es auch noch Pferderennen, obwohl keiner mehr zur Arbeit reitet.»

Die Nummern 2 müpfen auf

Die Formel 1 ist nicht dem Tod geweiht. Im Gegenteil: Die Formel 1 lebt! Die ersten beiden Rennen dieser 70. Saison waren äusserst unterhaltsam, Mercedes und Ferrari duellieren sich auf Augenhöhe. Bei diesen müpfen erst noch die vermeintlichen Nummern 2 Bottas und Leclerc gegen die Mehrfach-Weltmeister Hamilton und Vettel auf. Die Zuschauerzahlen sind wieder gut - zuletzt so hoch wie lange nicht. 490,2 Millionen sahen 2018 mindestens ein Rennen am Fernsehen - das ist jeder 15. Mensch der Welt. Der GP von Monaco lockte 110 Millionen vor die Bildschirme. Die Formel E ist mit ebenfalls beachtlichen 27,1 Millionen klar im Rückstand. Der Umsatz der Formel 1 ist 2018 um 44 Millionen US-Dollar auf 1,827 Milliarden gewachsen, rund eine Milliarde wird an die Teams ausgeschüttet.

Mediengigant Liberty Media, der im Herbst 2016 von Ecclestone übernommen hat, macht vieles richtig. Chef Chase Carey war klug genug, sich Know-how von erfahrenen Formel-1-Köpfen wie Ross Brawn zu holen, der Sportchef ist.

Die Besitzer gehen nicht mit dem Holzhammer vor, sondern bedacht. Stetig wurde das Rahmenprogramm ausgebaut, werden an Rennwochenenden auch Konzerte gespielt, gibt es andere Showelemente. Und sie haben das Internet als Plattform entdeckt - die Fan-Zahlen auf den sozialen Kanälen wachsen enorm. Es wird erneuert und angepasst - und doch auch Wert auf Tradition gelegt. Europa bleibt das Herzstück der Serie. Gleichzeitig wird modernisiert und werden neue Märkte gesucht.

Einnahmen sollen gerechter verteilt werden

Es läuft nicht alles gut in der Formel 1, mitnichten. Trotz des gigantischen Umsatzes resultierte ein Verlust von 68 Millionen Dollar; die Fahrzeuge sind viel zu komplex; die Ausgaben zu hoch; der Unterschied zwischen Gross und Klein ist gewaltig; und die Geldverteilung, die die Reichen noch reicher macht, ungerecht. Doch es bietet sich bald die Chance, das alles zu ändern. 2021 läuft das Concorde Agreement aus, das Ecclestone mit den Rennställen abgeschlossen hatte. Die Verhandlungen über die künftige Ausrichtung laufen auf Hochtouren. Liberty Media dürfte geschickt genug sein, nicht alles über Bord zu werfen und die Teams zu vergraulen.

Es dürfte eine Budgetobergrenze kommen, die Rede ist von 150 Millionen US-Dollar - exklusiv Löhne der Fahrer und des Managements sowie Kosten für das Marketing. Derzeit geben die finanzstärksten Teams rund eine halbe Milliarde Franken aus. Die Autos werden wohl deutlich vereinfacht, Überholen soll leichter sein. Zudem werden die Einnahmen gerechter verteilt, Ferrari wird kaum mehr 205 Millionen US-Dollar erhalten (wovon 114 Millionen Bonuszahlungen unabhängig der Resultate sind), während sich ein Team wie Alfa Romeo mit 56 Millionen begnügen muss.

Teams und Besitzer sind jetzt gefordert, die Formel 1 in die Zukunft zu führen. Tun sie das intelligent, werden sie noch viele Jubiläen zu feiern haben.

Erstellt: 13.04.2019, 08:35 Uhr

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