Zum Hauptinhalt springen

Die Formel E gehört in die Schweiz

Bern war begeisternd. Weil die Serie mehr ist als Rennsport, muss sie bleiben.

MeinungRené Hauri, Bern
In der Mitte der Schweiz: Die Formel E in Bern. Foto: Keystone
In der Mitte der Schweiz: Die Formel E in Bern. Foto: Keystone

Plötzlich war es so, als hätte alles genau so kommen müssen. Als gehörte diese Formel E fest nach Bern. Als hätte es keine Proteste und gar Sach­beschädigungen an der Infrastruktur gegeben. Samstag war Festtag.

Über 100'000 Zuschauer ­strömten zum Grossanlass, der hervorragend organisiert war. Es gab keine nennenswerten Zwischenfälle, kaum Warte­zeiten. Und das an diesem engen Hang. Die ­Strecke rund um den Bären­graben mit Blick vom Aargauerstalden über die Dächer der Stadt und auf die Aare in kitschigem Türkis war eindrücklich. Die Bilder gehen um die Welt, ein Traum für jeden Touristiker. Die Formel E stand Bern gut. Sie steht der Schweiz überhaupt gut. Weil es um mehr geht als um Sport.

Der Schweizer Formel-E-Pilot Sébastian Buemi (Nissan e.dams) beschert dem Schweizer Publikum am E-Prix Bern einen Podestplatz.
Der Schweizer Formel-E-Pilot Sébastian Buemi (Nissan e.dams) beschert dem Schweizer Publikum am E-Prix Bern einen Podestplatz.
Keystone
WM-Leader Jean-Éric Vergne verteidigt sich das ganze Rennen über erfolgreich gegen den schnellen Mitch Evans und gewinnt letztlich das Rennen verdient.
WM-Leader Jean-Éric Vergne verteidigt sich das ganze Rennen über erfolgreich gegen den schnellen Mitch Evans und gewinnt letztlich das Rennen verdient.
Claudio de Capitani/freshfocus
Die rund 100'000 Zuschauer an der Rennstrecke verfolgen das Rennen trotz Unterbruch mit Begeisterung.
Die rund 100'000 Zuschauer an der Rennstrecke verfolgen das Rennen trotz Unterbruch mit Begeisterung.
Keystone
Selbstverständlich ist auch Berns Stapi Alec von Graffenried am Mega-Event in seiner Stadt dabei.
Selbstverständlich ist auch Berns Stapi Alec von Graffenried am Mega-Event in seiner Stadt dabei.
Claudio de Capitani/freshfocus
Zwischen der Quali und dem Rennen nehmen sich die Fahrer Zeit, Autogramme zu schreiben. Buemi ist nach der guten Qualifikation bestens aufgelegt.
Zwischen der Quali und dem Rennen nehmen sich die Fahrer Zeit, Autogramme zu schreiben. Buemi ist nach der guten Qualifikation bestens aufgelegt.
Keystone
Nach der Qualifikation geht es für die Piloten in die Berner Innenstadt zur Autogrammstunde. Dafür nehmen Buemi und Co. das Tram.
Nach der Qualifikation geht es für die Piloten in die Berner Innenstadt zur Autogrammstunde. Dafür nehmen Buemi und Co. das Tram.
Twitter MySportsCH
Nach den bescheidenen Trainingsleistungen legt Sébastien Buemi in der Quali einen Zacken zu! Er steuert seinen Nissan e.dams auf den dritten Startplatz.
Nach den bescheidenen Trainingsleistungen legt Sébastien Buemi in der Quali einen Zacken zu! Er steuert seinen Nissan e.dams auf den dritten Startplatz.
Keystone
Der Rundkurs führt mitten durch die Stadt Bern. Das Panorama ist schön, doch viel dürfte Sébastien Buemi (hier im Bild) bei diesen Höchstgeschwindigkeiten nicht zu sehen bekommen.
Der Rundkurs führt mitten durch die Stadt Bern. Das Panorama ist schön, doch viel dürfte Sébastien Buemi (hier im Bild) bei diesen Höchstgeschwindigkeiten nicht zu sehen bekommen.
Christian Pfander
Plötzlich fahren Formel-E-Autos mit 240 Stundenkilometer durch das Wohnquartier. Das lockt die Bewohner aus den Häusern.
Plötzlich fahren Formel-E-Autos mit 240 Stundenkilometer durch das Wohnquartier. Das lockt die Bewohner aus den Häusern.
Christian Pfander
Viel Platz zum Aussteigen hat er nicht: Sébastien Buemi zwängt sich aus seinem Nissan.
Viel Platz zum Aussteigen hat er nicht: Sébastien Buemi zwängt sich aus seinem Nissan.
Christian Pfander
An der E-Parade wurden alle möglichen Arten von Elektrofahrzeugen vorgestellt. Diese waren allerdings etwas weniger schnell unterwegs als die Formel-E-Boliden.
An der E-Parade wurden alle möglichen Arten von Elektrofahrzeugen vorgestellt. Diese waren allerdings etwas weniger schnell unterwegs als die Formel-E-Boliden.
Christian Pfander
Der ehemalige Formel-1-Pilot Felipe Massa macht sich im Training mit der Strecke in Bern vertraut.
Der ehemalige Formel-1-Pilot Felipe Massa macht sich im Training mit der Strecke in Bern vertraut.
Raphael Moser
Alles in Reih und Glied: Die Rennpiloten kurven über die 2,7-Kilometer-lange Strecke.
Alles in Reih und Glied: Die Rennpiloten kurven über die 2,7-Kilometer-lange Strecke.
Raphael Moser
Sébastien Buemi: Mit viel Rauch steuert er seinen Nissan um alle Kurven.
Sébastien Buemi: Mit viel Rauch steuert er seinen Nissan um alle Kurven.
Valentin Flauraud, Keystone
Auch für die Besucher gibt es einen kleinen Adrenalin-Kick. In der Gaming Zone kann virtuell um den Sieg des Swiss E-Prix gefahren werden.
Auch für die Besucher gibt es einen kleinen Adrenalin-Kick. In der Gaming Zone kann virtuell um den Sieg des Swiss E-Prix gefahren werden.
Beat Mathys
Premiere in der Bundesstadt: In Bern findet am 22. Juni 2019 ein Rennen der Formula-E-Meisterschaft statt.
Premiere in der Bundesstadt: In Bern findet am 22. Juni 2019 ein Rennen der Formula-E-Meisterschaft statt.
Anthony Anex, Keystone
Vor dem ersten Training stehen die E-Boliden bereit, sie sind allerdings noch eingepackt.
Vor dem ersten Training stehen die E-Boliden bereit, sie sind allerdings noch eingepackt.
Cyril Zingaro, Keystone
22 Fahrer stehen für die elf Teams am Start. Der grösste Name in dieser Saison ist Felipe Massa, 11-facher GP-Sieger in der Formel 1.
22 Fahrer stehen für die elf Teams am Start. Der grösste Name in dieser Saison ist Felipe Massa, 11-facher GP-Sieger in der Formel 1.
Keystone
Neben dem Brasilianer fuhren neun weitere der 25 gemeldeten Piloten schon in der Königsklasse des Motorsports, darunter auch der Romand Sébastien Buemi, der Formel-E-Meister 2016.
Neben dem Brasilianer fuhren neun weitere der 25 gemeldeten Piloten schon in der Königsklasse des Motorsports, darunter auch der Romand Sébastien Buemi, der Formel-E-Meister 2016.
Cyril Zingaro, Keystone
Der Schweizer Rennfahrer (M.) inspizierte am Freitagnachmittag die Berner Rennstrecke.
Der Schweizer Rennfahrer (M.) inspizierte am Freitagnachmittag die Berner Rennstrecke.
Cyril Zingaro, Keystone
Bevor der Startschuss am Samstag um 18.03 Uhr fällt, können die Fahrer auf der Piste noch trainieren. Bis anhin mussten sie zum Üben mit einer Visualisierung vorlieb nehmen.
Bevor der Startschuss am Samstag um 18.03 Uhr fällt, können die Fahrer auf der Piste noch trainieren. Bis anhin mussten sie zum Üben mit einer Visualisierung vorlieb nehmen.
Swiss E-Prix
Die gesamte Strecke war schon vor dem Renntag abgesichert und abgeriegelt.
Die gesamte Strecke war schon vor dem Renntag abgesichert und abgeriegelt.
Peter Schneider, Keystone
Nicht alle freuen sich so über den riesigen Event in der Stadt Bern. In den letzten Monaten formierten Gegner und Skeptiker so das Komitee «Formel-E-ade».
Nicht alle freuen sich so über den riesigen Event in der Stadt Bern. In den letzten Monaten formierten Gegner und Skeptiker so das Komitee «Formel-E-ade».
Anthony Anex, Keystone
Bei einer Demonstration verrissen Gegner die Werbebanner entlang der Strecke. Laut« Blick »sollen auch Stromkabel durchschnitten worden sein.
Bei einer Demonstration verrissen Gegner die Werbebanner entlang der Strecke. Laut« Blick »sollen auch Stromkabel durchschnitten worden sein.
1 / 26

Allerdings hielt auch dieser einiges an Spektakel bereit. Mit einer Massenkarambolage schon in der ersten Schikane, engen Duellen bis zum Schluss und mit einem Schweizer auf dem Podest, Sébastien Buemi. Doch leidet die Elektrorenn­serie wie ihr grosser, hybrid­betriebener Bruder Formel 1 unter dem Mangel an Überholmanövern – trotz Fanboost und Attack Mode, zweier Hilfsmittel zur Leistungssteigerung der Autos. Sportlich hat die Serie noch Aufgaben zu lösen. Sonst aber ist sie auf bestem Weg, ganz gross zu werden.

In Zürich regt sich Widerstand

Bald werden die bedeutendsten deutschen Automarken dabei sein. Audi, BMW, Mercedes, Porsche, daneben Nissan, Jaguar, Mahindra: Eine solche Breite an Herstellern kannte noch keine Rennserie. Weil es um mehr geht als um Sport.

Die Formel E bietet Anlass und Bühne, über die Zukunft der Mobilität zu diskutieren. Autohersteller präsentieren ihre neusten Elektrowagen, ­Technologieunternehmen ihre Lösungsansätze, die ETH Zürich ist mit Studenten vor Ort, in Bern war das auch die ansässige Fachhochschule. Dabei geht es nicht nur um den Individualverkehr, sondern um ganzheitliche Konzepte inklusive Öffentlichem Verkehr.

Städte müssen grösstes Interesse haben, sich intensiv damit auseinanderzusetzen. Und vor allem: Ihre Bevölkerung dafür zu sensibilisieren. Diese Plattform bietet die Formel E, und nur sie schafft das in dieser Dimension. Sie kann Leute für neue Wege begeistern. Deshalb wäre es ein Verlust, würde sie nach zwei Austragungen aus der Schweiz verschwinden.

Im provisorischen Kalender für die kommende Saison ist kein Swiss E-Prix vorgesehen. Eigentlich würden die Veranstalter gern zurückkehren nach Zürich, verhandelt wird über ein Rennen rund um die ETH Hönggerberg. Allerdings regt sich bereits Widerstand. 2021 steht Genf als Austragungsort in den Start­löchern.

Engstirnigkeit ablegen

Klar ist: Will die Swiss E-Prix Operations AG, die die Lizenz an Schweizer Rennen bis 2027 hält, weitere durchführen, muss auch sie lernen. Zwar verlief der Aufbau und verläuft der Abbau in Bern weit erträglicher für die Anwohner als noch in Zürich, allerdings fühlten sich auch in der Hauptstadt viele übergangen, nicht ernst genommen, vor den Kopf gestossen. In der Altstadt wurden zahlreiche Laden- und Restaurantbesitzer vor vollendete Tatsachen gestellt, als die Fanzone mit grossen Bauten errichtet wurde. Offenbar waren sie nicht ausreichend informiert worden. Ein solcher Mega-Anlass muss von der Bevölkerung mit­getragen werden – zumindest vom Grossteil. Die ständigen Nörgler wird es immer geben. Die Anliegen der anderen aber müssen gehört und, wo möglich, umgesetzt werden.

Es braucht ein Entgegenkommen auf beiden Seiten. Manche Städter müssen auch ihre Engstirnigkeit für ein paar Tage ablegen und den Blick aufs grosse Ganze richten können. Nur so hat die Formel E in der Schweiz eine Zukunft. Es wäre äusserst bedauernswert, wenn nicht.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch