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«Dottore» Rossis achter Streich

Der Italiener gewann beim Motorrad-GP von Japan sein achtes Saisonrennen in der Königsklasse und holte den achten WM-Titel.

Die Feier in Tavullia begann schon am frühen Morgen. 8 Uhr, 43 Minuten und 9 Sekunden zeigte die Uhr, als im Städtchen in den Hügeln der italienischen Provinz Marche der kollektive Jubel ausbrach. Eben hatte Valentino Rossi auf der Rennstrecke im fernen Motegi seine Yamaha auf dem Hinterrad über die Ziellinie gesteuert und den Grand Prix von Japan gewonnen. Und in seiner Heimat begannen Tausende zu jubeln, schreien und tanzen.

Der 29-jährige Italiener feierte in Asien nicht nur den achten Triumph in diesem Jahr, der Superstar der Motorradszene entschied die Strassen-WM schon drei Rennen vor Saisonschluss. Mit 92 Punkten Vorsprung auf Titelverteidiger Casey Stoner, dem wenigstens erspart bleibt, am kommenden Sonntag in seiner Heimat Australien von Rossi entthront zu werden.

Drei Jahre Wartezeit

Valentino Rossi, dessen WM-Karriere 1996 in der 125er-Klasse begann, holte bei seinem 207. Start und mit dem 96. Sieg den achten Weltmeistertitel in elf Jahren. Den sechsten allein in der Königsklasse. Nur vier Fahrer waren bisher erfolgreicher: Giacomo Agostini (It/15 Titel), Angel Nieto (Sp/13), Mike Hailwood (Gb/9) und Carlo Ubbiali (It/9).

«Scusate il ritardo» - entschuldigt die Verspätung - stand auf dem T-Shirt mit der aufgedruckten Nummer 8 geschrieben, das sich Rossi gestern nach seiner triumphalen Ehrenrunde in Motegi überstreifen liess. Denn beinahe drei Jahre hatten seine Anhänger warten müssen, bis sie einen weiteren Titel ihres Idols feiern konnten.

2005 war Rossi zum zuvor letzten Mal Weltmeister gewesen - zum fünften Mal in Serie. Auch am 29. Oktober 2006 rüsteten sich die rund 5000 Einwohner in Rossis Wohnort Tavullia, wenige Kilometer von der Adriaküste entfernt, folglich für die alljährliche Feier. Und die Veranstalter des letzten GP der Saison in Valencia bereiteten für den Ehrendoktor der Universität seines Geburtsorts Urbino ein Feuerwerk vor. Dieses zündeten sie dann aber für Nicky Hayden (USA), der Rossi mit fünf Punkten Vorsprung bezwang.

Die Drohung vom Staat

2007 kam Rossi, der sich mit den jungen Casey Stoner und Dani Pedrosa erstmals seit Jahren mit konkurrenzfähigen Gegnern konfrontiert sah, kaum auf Touren. Es waren technische Probleme, die ihn am Siegen hinderten. Aber auch Sorgen, die den sonst so lebensfrohen und unbeschwerten Piloten blockierten. Weil er dem Staat Einnahmen von 60 Millionen Euro unterschlagen hatte, beschattete ihn die Guardia di Finanza in einem in Italien zuvor ungekannten Ausmass monatelang. Und forderte Nachzahlungen und eine Busse in der Höhe von rund 125 Millionen Euro. Viel Geld, auch für den mit geschätzten gut 20 Millionen Euro jährlich bestbezahlten Sportler Italiens. 35 Millionen musste er schliesslich im vergangenen Februar bezahlen. Seither scheint Valentino Rossi wie befreit.

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