Er lässt den Gegner die Fehler machen 

Lewis Hamilton ist zum fünften Mal Formel-1-Weltmeister. Weil sein Fahrstil überragend ist. Und weil er mit Vettel und Ferrari Herausforderer hat, die einbrechen, wenn es zählt. 

Rauchende Räder bei Lewis Hamilton – und rauchende Köpfe bei der Konkurrenz. Foto: D. Istetene (Getty Images)

Rauchende Räder bei Lewis Hamilton – und rauchende Köpfe bei der Konkurrenz. Foto: D. Istetene (Getty Images)

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Es hätte eine spannende Saison werden sollen. Ein erbitterter Kampf um den Titel bis zum Ende. Gestern war der Grand Prix von Mexiko, das 19. von 21 Rennen. Der Kampf, bei dem der eine längst taumelte und nur noch auf den K.-o.-Schlag wartete, ist vorbei. Lewis Hamilton reichte Rang 4, um sich endgültig zum Überfahrer der letzten Jahre zu krönen.

Zum fünften Mal wird der 33-Jährige zum Abschluss in Abu Dhabi den Pokal in die Höhe stemmen, nach 2008, 2014, 2015 und 2017. Juan Manuel Fangio, diese Lichtgestalt aus vergangenen Formel-1-Jahren, hat er eingeholt, nur Michael Schumacher liegt mit sieben Titeln noch vor ihm.

Spiegelbild des Vorjahres

Nun ist Hamilton der wohl begabteste Fahrer im Feld, der filigranste Lenker, der Mann mit dem besonderen Gespür, der weiss, wie er sein Auto behandeln muss, wann er sich zurücknehmen sollte, wann er angreifen kann. Er ist nicht einer, der krampfhaft versuchen muss, andere zu kopieren, um schnell zu sein. Er hat seinen Stil. Und der ist überragend. Deshalb ist es nur ganz recht, dass der Brite, der mit seinem ausschweifenden, extravaganten Lebensstil auf der einen und seiner ruhigen, zugänglichen Art auf der anderen Seite polarisiert, nun im Reigen der Allergrössten seines Sports angekommen ist. Wieder war er der beste Pilot im besten Auto. So einfach ist das.

Vettels Dreher in den USA steht sinnbildlich für Ferraris Ungeduld.

Der fünfte Triumph ist sein vielleicht grösster, weil er auf dem Weg dorthin einen anderen vierfachen Weltmeister schlug, der zunächst stark aussah, diesen mit zunehmender Dauer der Saison aber regelrecht zermürbte und ihn auch einmal vorführte. Dieser Titel hat viel mit dem Können Hamiltons zu tun. Er hat aber eben auch viel mit seinem Gegner zu tun, mit Sebastian Vettel, mit Ferrari.

2018 war das Spiegelbild des Vorjahres. Wieder kamen die Italiener stark aus dem Winter, sie machten den Eindruck, als könnten sie die Mercedes-Dominanz durchbrechen, die seit 2014 und der Umstellung auf V6-Turbo-Hybrid-Motoren anhält. Vettel gewann die ersten beiden Rennen, und als der Sommer kam, hiess es, er sitze im schnellsten Auto. Ferrari war im Hoch.

Dann kamen die Fehler, es kam der Absturz, es kam, wie oft im notorisch hektischen Umfeld der Scuderia, die Nervosität ob des wiedererstarkten Gegners. Oft waren es Kleinigkeiten wie vorletztes Wochenende in den USA, als Vettel um drei Startplätze zurückversetzt wurde, weil er bei einer Rotphase im Training zu schnell gewesen war. Wie der überflüssige Dreher im Rennen, der so sinnbildlich steht für die Ungeduld im roten Rennstall, der nun schon seit elf Jahren und dem Titel von Kimi Räikkönen auf den Pokal wartet. Der Deutsche sah sich schon in der ersten Runde dazu gezwungen, den Red Bull von Daniel Ricciardo zu attackieren – dabei hätte er dafür sehr lange Zeit gehabt. Dann vollführte er zum dritten Mal im sechsten Rennen nach der Sommerpause eine Pirouette.

Ein laues Lüftchen

Ein Dreher wäre eine Kleinigkeit in der langen Saison. Drei sind es nicht. In der Summe ergaben alle Fehler und fragwürdigen Entscheidungen, zu denen auch die falsche Wahl bei Reifen, der Verzicht auf Stallorder oder die taktischen Fehlgriffe gehören, eine zu grosse Hypothek für das traditionsreichste Team der Formel 1. Schon fast wird es zum unrühmlichen Merkmal der stolzen Ferraristi, dass sie dann eingehen, wenn sie am meisten gefordert sind. Dass sie es nicht hinkriegen, auch in Ruhe weiterzuarbeiten, wenn einmal etwas schiefgelaufen ist. Vielmehr ist das die herausragende Eigenschaft von Mercedes.

Zwar sind die panischen Reaktionen von Ferrari, wie sie auch nach dem Umbruch 2014 mit über 100 Entlassungen noch vorkamen, rarer geworden. Sind die gegenseitigen internen Anschuldigungen verklungen, was auch mit dem Tod des oft heftig polternden Präsidenten Sergio Marchionne Ende Juli zu tun hat. Doch die Verzweiflung, die sich in Schnellschüssen am Kommandostand und mit einem fahrigen Vettel auf der Strecke besonders prominent zeigte, war dem Team immer mehr anzumerken, je länger die Saison dauerte.

Was zu Beginn aussah wie ein mächtiger Gegenwind aus Maranello war am Ende doch nicht viel mehr als ein laues Lüftchen.

Erstellt: 29.10.2018, 00:28 Uhr

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