Fast hätte sie ihre Passion das Leben gekostet

Juan Manuel Correa und Billy Monger treffen sich im Spital. Der eine ist mit schwerer Beinverletzung auf dem Weg zurück, der andere fährt ohne Beine wieder Autorennen.

Strahlen trotz schwerer Vergangenheit: Die verunfallten Rennfahrer Billy Monger (l.) und Juan Manuel Correa. (Bild: Screenshot/Twitter/JMCorrea__)

Strahlen trotz schwerer Vergangenheit: Die verunfallten Rennfahrer Billy Monger (l.) und Juan Manuel Correa. (Bild: Screenshot/Twitter/JMCorrea__)

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Sie teilen die Leidenschaft für den Motorsport – und dessen Schattenseiten. Diese Woche teilten sie sich ein Spitalbett. Billy Monger und Juan Manuel Correa haben ein Bild veröffentlicht, das sie bei bester Laune zeigt, ihre Gesichter strahlen, während sie in leichter Rücklage auf der Matratze mit dem weissen Bezug hocken. Ein fröhliches Beisammensein unter gleich gesinnten 20-Jährigen. Es ist noch nicht lange her, da hätte ihnen ihre grosse Passion beinahe das Leben geraubt. Aus Mongers kurzen Hosenbeinen ragen zwei Prothesen, das rechte Bein Correas steckt in einem Metallkonstrukt, das bis zum Knie reicht. Monger hat seine Unterschenkel bei einem scheusslichen Unfall in der britischen Formel 4 im April 2017 gelassen. Er war im Donington Park gerade dabei, Gegner um Gegner hinter sich zu lassen, als ein stehender Wagen vor ihm auftauchte und es krachte. Er überlebte schwer verletzt. Die Beine waren nicht mehr zu retten.

Correas Extremität konnte in einer 17-stündigen Operation zusammegeflickt werden. «Letzter Tag im Spital für mich», steht über dem Bild der beiden geschrieben. Der Junior des Sauber-Teams flog zurück in die Heimat, am Freitag landete er in Miami, die Reha wird noch lange dauern. Zehn Monate, vielleicht ein Jahr wird der in Ecuador geborene US-Amerikaner dafür kämpfen, wieder normal laufen zu können. Zurzeit quält er sich noch mit einer Gehhilfe ab.

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Kick some ass @alfaromeoracing #usgp ????????

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Correa knallt in Hubert – der Franzose stirbt

Correa hat bewegte Wochen und Monate hinter sich. Es war das Rennwochenende von Spa-Francorchamps. Gerade haben Charles Leclerc, Sebastian Vettel und Lewis Hamilton nach dem Qualifying der Formel 1 über ihre Aussichten im Rennen geredet, als die Piloten der Formel 2 an diesem 31. August zu ihrem ersten Rennen starten. In Runde 2, kurz nach der Hochgeschwindigkeitskurve Eau Rouge, knallt es fürchterlich, Autoteile fliegen durch die Luft, die Ampel stellt auf Rot, Rennabbruch, kein Neustart. Krankenwagen rasen die Piste hoch, Anthoine Hubert, 22-jähriger Franzose, schwebt in Lebensgefahr. Correas Auto hat dessen Boliden in Einzelteile zerlegt. Die Überlebenszelle bietet nicht genügend Schutz, um 18:35 Uhr wird Hubert für tot erklärt.

«Ich sehe Dinge jetzt mit anderen Augen und denke anders über das Leben.»Juan Manuel Correa

Es ist, was Correa neben den eigenen Gebrechen besonders belastet. Fünf Wochen später meldet er sich erstmals: «Ich habe es nie öffentlich gesagt, aber ich möchte der Familie Hubert mein tiefstes Beileid aussprechen. Es war für alle ein Schock, dass ein solcher Unfall passiert ist. Du denkst nicht, dass so etwas wirklich passieren kann, schon gar nicht dir selbst. Bis es dann doch passiert.»

Correa war chancenlos in seinem Wagen, der bei über 200 km/h zum Geschoss wurde. Giuliano Alesi, Sohn des einstigen Formel-1-Fahrers Jean Alesi, war mit einem Reifenschaden von der Strecke geraten und dann zurückgeschlittert. Der Schweizer Ralph Boschung bremste ab, Hubert touchierte dessen Heck, der Frontflügel riss ab, er knallte rechts in die Pistenbegrenzung, schleuderte von dort zurück – Correa kam herangerast, die Teile flogen. Es waren Sekundenbruchteile. Sie werden ihn ein Leben lang begleiten.

Lungenversagen, Atemstillstand

«Die letzten paar Wochen waren extrem hart, körperlich und geistig», sagte Correa bei seiner ersten Wortmeldung aus London, wohin er gebracht worden war zur weiteren Untersuchung und Behandlung. Nach seiner Ankunft im Spital war ein akutes Lungenversagen diagnostiziert worden, er erlitt einen Atemstillstand, musste beatmet werden und wurde ins künstliche Koma versetzt. Erst Ende September konnte die 17-stündige Operation durchgeführt werden, für die sich Correa entschieden hatte, um eine Amputation des rechten Beines zu umgehen.

In den sozialen Medien schrieb er: «Das alles hat mein Leben verändert. Ich sehe Dinge jetzt mit anderen Augen und denke anders über das Leben. Es war eine Erfahrung, die mein Leben verändert hat.» Ob er je derart gesunden wird, dass er wieder in ein Cockpit steigen kann, ist ungewiss.

Dass eine Weiterführung der Karriere selbst ohne Beine möglich sein kann, hat Correas Besucher Billy Monger längst bewiesen. Noch im Spitalbett trainierte er seinen linken Arm, um genügend Kraft für eine Handkupplung zu haben. Ein Jahr nach dem Unfall startete er in einem für ihn modifizierten Auto in der britischen Formel 3, bediente Schaltung und Kupplung mit der linken Hand, bremste mit einer seiner Prothesen. Im vergangenen Mai gewann er das Formel-3-Rennen auf der legendären Strecke von Pau.

Monger träumt und spricht von einer Zukunft in der Formel 1. So weit ist Correa noch nicht. Monger aber dürfte ihm mit seiner Geschichte reichlich Kraft gegeben haben für den langen Weg zurück.

Erstellt: 02.11.2019, 15:00 Uhr

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