Zum Hauptinhalt springen

Fortuna ist zu Gast in der Famiglia

Sebastian Vettel tritt als Doppelsieger in China an. Ferrari träumt – und weiss doch, wie viel Glück es hatte.

René Hauri
Mechaniker werkeln an Sebastian Vettels Ferrari.
Mechaniker werkeln an Sebastian Vettels Ferrari.
Keystone

Es muss ziemlich viel passieren, damit sich Sergio Marchionne zu Worten wie diesen durchringt. Eigentlich zieht der Chef von Fiat Chrysler und der Edelmarke Ferrari ja gerne über alles und jeden her: über die Besitzer der Formel 1 oder die eigenen Mitarbeiter gar. Nach dem Grand Prix von Bahrain am letzten Sonntag aber sagte dieser Marchionne: «Sebastian Vettel ist im Stil eines grossen Champions gefahren. Die Scuderia hat ein grossartiges Auto, eine starke Mannschaft und zwei Fahrer in Topform.»

Nun, es ist tatsächlich ziemlich viel passiert in den letzten Wochen, in den ersten Rennen der Formel 1. Ziemlich viel Aufregendes, ziemlich viel Gutes für die in den vergangenen Jahren immer wieder vorgeführten Italiener. Zwei Grand Prix, zwei Siege, das ist ihre Bilanz. Doppelsieger Vettel führt die WM mit 17 Punkten Vorsprung auf Weltmeister Lewis Hamilton an, die Scuderia liegt 10 Punkte vor Mercedes, dem schier unschlagbaren Überteam der letzten Jahre.

Der negative Höhepunkt: Kimi Räikkönen fährt einem Mechaniker ins Bein. Video: Tamedia

Zwei Triumphe zum Start der Saison, das hatte es für Ferrari letztmals vor 14 Jahren gegeben, als noch Michael Schumacher der Heilsbringer war. Dieser holte in jener Saison 2004 auch – zum siebten und letzten Mal – den Titel.

So wie seit 1983 alle, die die ersten beiden Rennen für sich entschieden hatten. Die Emotionen, die sich in Maranello derzeit auf Höhenflug befinden, werden also auch von der Statistik getragen. Vettel soll der Mann sein, der den stolzen Rennstall nach fast unaushaltbar langen elf Jahren erlöst und endlich wieder den WM-Pokal in die Emilia-Romagna bringt. Der Hesse, den sie bei Ferrari nicht erst mögen, seit er ihnen wieder erlaubt, von ganz Grossem zu träumen.

Die Tifosi mögen ihn

Vettel wurde schnell akzeptiert, schneller als seinerzeit der kühle Schumacher, der dazu erst manchen grossen Triumph hatte feiern müssen – doch so ganz passte es auch danach nie. Vettel gibt sich nahbarer, bescheiden auch – so gut das eben geht bei einem vierfachen Weltmeister. Er ist impulsiv, nicht nur auf, sondern auch neben der Strecke, sie mögen das. Von Anfang an bemühte sich der 30-Jährige um die italienische Sprache, seit er 2015 von Red Bull zu Ferrari stiess. Die Tifosi rechnen es ihm hoch an. Nun also nimmt sie Vettel erst noch mit auf eine traumhafte Reise. Zumindest hat sie so begonnen. Hamilton, der Dauersieger der jüngsten Formel-1-Geschichte, sagt: «Beim Motor erkenne ich keinen Unterschied mehr. Ferrari liegt auf Augenhöhe mit Mercedes.» Es dürfte sich für die Ferraristi anfühlen, als würde ihnen Eros Ramazzotti viel Schnulziges in die Ohren hauchen.

Mercedes hatte alles richtig gemacht, als 2014 die neuen Turbo-Hybrid-Motoren kamen. Es hatte einen Wunder-Antrieb gebaut, der die Gegner in Ohnmacht fallen liess. Jahr für Jahr mühten sie sich vergeblich ab, der Rückstand war zu gross. Und nun also diese Worte von Hamilton. Der Brite schiebt auch noch nach: «Ich liege schon 17 Punkte zurück. Ich kann mir einen noch grösseren Abstand nicht leisten.» Tönt nach Verunsicherung.

Nun steht an: Mercedes-Land

Aber: Hamilton weiss es, Ferrari weiss es. So weit waren sie schon einmal. Sogar noch etwas weiter. Im Mai 2017, nach Monaco, lag Hamilton 25 Punkte hinter Vettel. Gereicht hat es dem Deutschen dennoch nicht zum Coup.

Und bei all dem Überschwang an Emotionen in Maranello wissen die Italiener auch das: dass sich Fortuna in diesen ersten zwei Rennen ganz vorzüglich um die Famiglia Ferrari gekümmert hat. Zum Auftakt in Australien liess sie den Computer von Mercedes die Zeiten fehlerhaft berechnen, weshalb sich Leader Hamilton in falscher Sicherheit wog und von Vettel übertölpelt wurde. In Bahrain trug sie Sorge zu den weichen, abgenutzten Reifen des Deutschen, die ihn gerade noch vor Mercedes-Pilot Valtteri Bottas ins Ziel retteten.

Morgen steht China an, Mercedes-Land, vier Siege in den letzten vier Jahren. 19 Grand Prix sind noch zu fahren. Ob Fortuna das durchhält?

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch