«Hamilton war ein Geschenk für mich»

Nico Rosberg, Formel-1-Weltmeister 2016, spricht über seinen einstigen Rivalen, die Intensität des WM-Kampfs und sagt, wie es ist, Kinder in Monte Carlo grosszuziehen.

Investor der Formel-E: Nico Rosberg.

Investor der Formel-E: Nico Rosberg. Bild: Gregor Fischer/Keystone

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Sie wollten nach Ihrer Karriere mehr Zeit für Ihre Familie haben. Nun sind Sie aber doch dauernd unterwegs.
Ich bin mit der Richtung, in die mein Leben geht, sehr zufrieden. Ich bereue nichts und bin total glücklich. Ich habe alles richtig gemacht. Auch wie es zu Ende ging mit der Formel 1, gibt mir noch heute unglaublich viel positive Energie. Und für die Familie habe ich mehr Zeit, wir reisten jüngst fünf Wochen am Stück auf Ibiza herum, so lange Urlaub hatte ich das letzte Mal vor 22 Jahren. Wobei: Urlaub war das nicht unbedingt, mit den Kleinen gehts schon ziemlich ab.

Sie haben eine drei- und eine einjährige Tochter. Sind Sie ein geduldiger Vater?
Bin ich, und ich packe auch an, ich mache alles mit, ich gehe mit den Kindern auch einmal ganz alleine an den Strand.

Sie sind in Monte Carlo aufgewachsen. Nun tun das Ihre Töchter. Wie gehen sie mit dieser Glamourwelt um?
Ach, das ist das Bild, das von Monte Carlo am Fernsehen gezeigt wird. Mein Monaco ist nicht die Glamourwelt: Strand, Schwimmbad, alles ganz normal.

Alles ganz normal?
Soweit es halt geht in dieser sehr, sehr wohlhabenden Umgebung. Ich versuche, einen normalen Weg zu gehen.

Sie sind noch immer rastlos, sind Investor und allgegenwärtig als TV-Experte, in Talkshows oder als Werbeträger. Wieso treten Sie nicht kürzer?
Ich möchte nach wie vor Gas geben in meinem Leben. Ich suche einen Weg, um mir ein Lebenswerk aufzubauen, deshalb bin ich viel beschäftigt. Aber ich habe viel grössere Freiheiten.

Haben Sie den Rücktritt je bereut?
Nein, überhaupt nicht, null.

Jetzt wollen Sie aus Ihrem WM-Titel möglichst viel Kapital schlagen?
Es ist wichtig für die Zukunft, dass ich im Gespräch bleibe.

Sie traten 2016 nach dem Triumph zurück. In welcher psychischen und physischen Verfassung waren Sie nach diesem intensiven Jahr?
Es war alles in Ordnung, aber natürlich war es eine unglaubliche Intensität während des Kampfs um den WM-Titel.

Wie gingen Sie mit dieser ständigen Drucksituation um?
Wegweisend war, dass ich einen Mentaltrainer hatte. Ich studierte philosophische Bücher, meditierte und teilte mir das ganze Leben so ein, dass ich die Balance fand, um mich körperlich und geistig auf hohem Level bewegen zu können.

Wie war der Moment des WM-Titels, der Erlösung für Sie?
Der war unbeschreiblich. Erst einmal war es tatsächlich die pure Erlösung, die Freude kam erst etwas später, als meine Frau am Funk redete. Da wurde mir bewusst, was da gerade passiert war.

Wie viel Druck fiel von Ihnen ab?
Der Druck blieb, schliesslich mussten wir noch einmal eine Riesenleistung abliefern: am Sonntagabend in der Disco.

Ist Ihnen auch das gelungen?
Ja, wir sind auch da Weltmeister geworden.

«Auch ich war Kind einer wohlhabenden Familie, trotzdem habe ich viel Ehrgeiz»Nico Rosberg

Wie war es für Sie, plötzlich aus der Blase Formel 1 herauszutreten?
Ich bin da ja noch drin mit all meiner Sponsorenarbeit oder als Experte bei RTL. Das ist auch schön, weil das meine Welt war über so viele Jahre.

Wie weit weg von der Realität bewegten Sie sich als Fahrer?
Man verliert den Bezug zur Realität, natürlich. Es ist schon eine ganz extreme Welt, ich schottete mich komplett ab, weil das der einzige Weg war, fokussiert zu bleiben bei all dem Trubel.

Vieles drehte sich über Jahre um Ihren Teamrivalen Lewis Hamilton. Wie wichtig ist es Ihnen, dass Sie ihn schlagen konnten?
Es war ein Geschenk für mich, einen solchen Teamkollegen zu haben. Ihn zu schlagen, einen der Besten, die es je gab, im gleichen Auto – besser geht es ja gar nicht.

Was antworten Sie Leuten, die sagen, Sie hätten den Titel nicht verdient?
Wer sagt denn so was? Ich kenne jedenfalls niemanden. Ich bekomme nur positive Reaktionen.

Hamilton ist noch immer Ihr Nachbar. Welche Beziehung haben Sie zu ihm?
Die ist neutral. Es ist okay.

Ihm drücken Sie aber nicht die Daumen im WM-Kampf?
Ich drücke der Formel 1 die Daumen und darum derzeit Sebastian Vettel. Ich will, dass es spannend bleibt bis zum Ende, dass Sebastian wieder näher heranrückt.

Sie lebten ein Leben für den Motorsport, jüngst haben Sie einen Umweltpreis erhalten. Geht es noch absurder?
Ich kriegte den ja nicht für meine Rennfahrerkarriere, sondern dafür, dass ich mich jetzt so einsetze für die E-Mobilität. Ich investiere viel Geld in grüne Technologien, die unsere Welt verbessern und verändern werden. Kommt die Energielösung und können irgendwann alle Autos mit sauberer Energie fahren, wird das für die Welt ein Monstersprung sein.

Hat Sie das schlechte Gewissen gepackt?
Das gar nicht. Aber jetzt kommt der Moment, in dem diese Technologien ihre Chance bekommen. Die Kosten fallen, die Menschen werden offener und engagieren sich dafür. Es ist eine Phase, die uns unglaubliche Möglichkeiten eröffnet, das fasziniert mich.

Sie setzten Ihr Geld auch auf die Elektroserie Formel E. Weshalb?
Weil ich davon überzeugt war, dass sie gross wird. Ich behielt recht.

Reizt es Sie, selber in ein Formel-E-Cockpit zu sitzen?
Nein, das ist vorbei.

Sie haben mit Ihrem Rücktritt eine Vollbremsung gerissen, von 350 auf 0. Wie ging das?
Ich weiss es nicht, irgendwie habe ich das einfach abgehakt. Aber ein Wettkämpfer bin ich noch immer.

In welchem Bereich?
In der Businesswelt. Ich investiere in viele unterschiedliche Firmen.

Wie wichtig ist es für Sie, Ihr Geschäft zu haben, auch einmal weg zu sein von der Familie?
Die Familie ist toll, aber teilweise auch echt anstrengend. Es ist schön, wenn ich mich auch in die Geschäftswelt stürzen kann. Es geht nur um die richtige Balance.

Was gibt Ihnen das Vatersein?
Einen Sinn fürs Leben. Mit meinen zwei Prinzessinnen zusammen zu sein, ist einfach phänomenal, an Schönheit nicht zu übertreffen. Entschuldigung: Es sind drei Prinzessinnen, ich habe meine Frau vergessen.

Haben Ihre Töchter finanziell ausgesorgt?
Noch nicht, aber das ist mein Wunsch. Deshalb arbeite ich da intensiv mit der UBS zusammen, dort haben sie absolute Experten für vermögende Menschen. Mir ist wichtig, dass ich ein Kapital aufbauen kann, wovon die Kinder später profitieren und das Leben, das sie jetzt haben, ohne Qualitätsverlust weiterleben können.

Und ohne zu arbeiten.
Nein, man muss da vorsichtig sein, man darf ihnen nicht einfach alles hinlegen, wenn sie 14 Jahre alt sind, das muss alles sehr durchdacht geschehen. Auch ich war Kind einer sehr wohlhabenden Familie, und trotzdem bin ich mit ganz grossem Ehrgeiz durch mein Leben gegangen. Es ist also machbar: dass man den Kindern zwar viel ermöglicht, ihnen aber trotzdem nicht den Ehrgeiz nimmt, selber Grosses zu erreichen.

Erstellt: 16.09.2018, 13:12 Uhr

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