In der MotoE fahren sie mit dem Hintern

Die MotoE hat einen holprigen Start. Erst verbrannten sämtliche Motorräder, dann war die Premiere nach fünf Runden vorbei. Mittendrin: der Zürcher Jesko Raffin, der für ein WM-Comeback kämpft.

Bei den MotoE-Tests in Jerez kam es zu einem grossen Brand im Fahrerlager. (Video: RaiSport)

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Vorfreude ist die schönste Freude. Die Fahrer der MotoE dürften sich das nach ihrer Premiere auf dem Sachsenring am Sonntag immer wieder gesagt haben. Schliesslich war der Spass selber, dieses erste Rennen der Elektroserie, vorbei, bevor es richtig begonnen hatte. Runde 5, Sturz des Italieners Lorenzo Savadori, Rennabbruch. Fünf Runden wurden gewertet. «Ich war noch nicht einmal warmgefahren», sagt Jesko Raffin. 13. wurde er: ein Kaltstart.

Der 23-jährige Zürcher ist einer von 18 Piloten, die es in die E-Serie für Motorräder verschlagen hat. Diese dreht ihre Runden im Rahmen der WM, der MotoGP, Moto2, Moto3, sie hat es entsprechend schwer. «Ich hörte viel Kritik», sagt Raffin. Das seien doch keine richtigen Töffs, nur Spielzeuge, wurde gepoltert. Dass die Batterien nur acht Runden durchhalten, ist auch nicht beste Werbung. Dass nach fünf Runden Schluss war, erst recht nicht. Und dennoch, sagt Raffin, habe er danach einigen Zuspruch erhalten. «Viele waren erstaunt über die Leistung der Maschinen.»

«Maschinen müssen leichter und stärker werden»

Vier Sekunden nur waren sie pro Runde langsamer als die Motorräder der Moto2 – trotz 110 kg Mehrgewicht wegen der Batterie. Die Beschleunigung geschieht im Gegensatz zu den Verbrennern aus einem Guss, «Kurvenlage, Bremspunkt und Fahrverhalten sind vergleichbar», sagt Raffin. Allerdings ist die Handhabung wegen des Gewichts diffiziler – und wegen des fehlenden Motorengeräuschs. «Ich fuhr oft nach Gehör, nun muss mein Hintern spüren, was zu tun ist.» Und er sagt: «Die Maschinen müssen klar leichter und stärker werden.»

Die Verantwortlichen wünschen sich eine rasche Entwicklung. Doch mit Wünschen ist es so eine Sache, das wissen sie spätestens seit dem 14. März. Eigentlich hätten die Töffs am 5. Mai in Jerez ihre ersten Rennrunden drehen sollen. Dann kam es bei den Tests auf der Strecke in Südspanien zum Inferno. Im Fahrerlager gab es mitten in der Nacht einen Kurzschluss an der Ladestation der E-Bikes, dieser sprang über auf eine Batterie – und Feuer vernichtete sämtliche Motorräder, Werkzeuge, Laptops und Ausrüstungen (siehe Video oben). Einen Tag hatten die Piloten auf ihren neuen Arbeitsgeräten trainieren können, ehe das Feuer alles zerstörte.

Motorradhersteller Energica stand vor einer Mammutaufgabe, «die haben nicht 20 Motorräder an Lager», sagt Raffin. Hingekriegt haben es die Italiener dennoch. Allerdings streiten sich Rechteinhaber Dorna und der italienische Hauptsponsor Enel vor Gericht um die Übernahme der Schadenskosten von über eineinhalb Millionen Franken – versichert war offenbar nichts.

Bis der Tiefschlag kam

Den Fahrern sind derlei Nebenschauplätze einerlei. Sie wollen die Bühne für sich nutzen, gerade Raffin, der einen schwierigen Weg hinter sich hat. 2012 hatte er als 16-Jähriger seine ersten Einsätze in der Moto2-WM, dann zog sich das GP Team Switzerland zurück. 2015 erhielt er bei Sports-Millions-EMWE-SAG eine Chance, wechselte nach zwei Jahren zu Garage Plus Interwetten, wurde 2017 WM-20. und erhielt einen Vertrag für das Folgejahr. Dann kam der Tiefschlag: Die IRTA, der Weltverband der vereinigten Teambesitzer, verweigerte ihm «wegen mangelnder fahrerischer Kompetenz» die Lizenz. Raffin versteht bis heute nicht warum. Deutlich schlechter klassierte Piloten durften weiterfahren – er nicht. Als Testfahrer durfte er 2018 noch ran, gegen Ende der Saison fuhr er sechs Grands Prix für SAG – und dabei dreimal in die Punkte. Doch die Türen in der Moto2 waren zu, die MotoE blieb als einziger Ausweg.

Als Steven Odendaal bei NTS vor der jetzigen Saison verletzt ausfiel, konnte Raffin noch für drei Rennen auf einen Moto2-Sattel, 14., 15. und 16. wurde er – dann war das Engagement beendet.

Nun also fährt er die sechs Läufe in der MotoE. Raffin will das besonders gut machen, es geht um seine Karriere. Er sei mit einigen WM-Teams in Kontakt, Konkretes gibt es nicht. «Die Zukunft», sagt Raffin, «liegt sicher nicht bei den Verbrennern.» Er bezieht das auf den Motorsport. Nicht aber auf sich.

Erstellt: 09.07.2019, 20:59 Uhr

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