Mister international will in Bern durchstarten

Edoardo Mortara startet in der Formel E unter Schweizer Flagge, zuvor war er als Italiener unterwegs. Der 32-Jährige staunt über den Widerstand in der Schweiz.

«Das Niveau ist enorm hoch», sagt Edoardo Mortara. Auch darum ist er von der Formel E begeistert. Foto: Raphael Moser

«Das Niveau ist enorm hoch», sagt Edoardo Mortara. Auch darum ist er von der Formel E begeistert. Foto: Raphael Moser

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Plötzlich war da ein weiteres Schweizer Kreuz in der Rangliste. Der Name daneben: Edoardo Mortara. Ein Rennfahrer, der zu dieser Zeit auch in der Tourenwagenmeisterschaft DTM fuhr – unter italienischer Flagge, wie immer in seiner Karriere. In der Formel E aber ist Mortara seit 2017/18 Schweizer.

Ein emotionaler Entscheid? Vielleicht für andere. Mortara sagt: «Für manche Leute macht es einen Unterschied, unter welcher Flagge ich fahre. Für mich absolut nicht.»

Er sitzt am Telefon in Monaco, wo sein Team Venturi beheimatet ist, die Pressebetreuerin ist aus England zugeschaltet. Es passt ganz gut zum Mann, der in Genf aufgewachsen ist und lebt. Mortara ist der Mister international, «ich bin ein Gemisch», sagt er. Sein Vater ist Italiener, seine Mutter Französin, seine Frau gebürtige Chilenin mit spanischem Pass, seine zweieinhalbjährige Tochter spanisch-schweizerische Doppelbürgerin. «Für mich ist das ein spezielles Thema», sagt Mortara, «es ist nicht so, dass ich mich eher als Schweizer, Italiener oder Franzose fühlen würde. Wo ich Rennen fahre, wo ich wohne, wo die Familie hingeht, das alles schafft Bezug zu den Ländern. Und ich mag von allen gewisse Dinge.»

Der Spass im Auto ist zurück

Es stellte sich für ihn schlicht nie die Frage, welche Lizenz er lösen sollte. Als er als Siebenjähriger im Kart seine ersten Runden drehte, tat er das mit seinem Vater und seinem Onkel, beide ehemalige Rallye-Piloten, auf Strecken in Italien. Seine ersten Teams waren italienisch, sie ­besorgten die Fahrerlaubnis. Erst seit fünf Jahren hat Mortara auch eine Schweizer Lizenz, seit drei Jahren den rot-weissen Pass. Weg aus Italien, war es schwieriger, an den dortigen Ausweis zu kommen. Der Wechsel hat daher vor allem praktische Gründe.

Mittlerweile ist das italienische Wappen neben seinem Namen nirgends mehr zu finden. Mortara hat die DTM nach acht Jahren verlassen. Sein letzter Arbeit­geber Mercedes hat sich aus der Serie zurückgezogen, um in die Formel E einzusteigen. Mortara hat den Schritt früher gemacht. «Wenn ich vier Jahre zurückschaue, stelle ich fest: In der ­Formel E ging sehr viel, die DTM dagegen ist nicht gewachsen. Als Fahrer will ich Teil einer Meisterschaft sein, die grösser wird», sagt er. «Zudem sass ich in der DTM nicht mehr gerne im Auto. In der Formel E geniesse ich es wieder.»

Er habe sich zwar an die leisere Geräuschkulisse gewöhnen müssen, «aber es hat etwas sehr Positives. Meine Familie kann bedenkenlos zuschauen und zuhören. Und ich steige aus dem Auto, ohne dass mir die Ohren brennen.» Zuletzt tat er das in Berlin als Elfter und ohne Punkte.

Zürich war «etwas traurig»

Es gab in seiner zweiten Saison auch Höhepunkte, den 3. Rang in Mexiko-Stadt, den Sieg in Hongkong, wo er für den hinterher disqualifizierten Sam Bird nachrückte. «Das war ganz schön, aber klar über unseren Erwartungen. Wir müssen mit den Füssen auf dem Boden bleiben und hart weiterarbeiten.» Die Konkurrenz ist gewaltig, die grössten Konzerne strömen in die Serie, Venturi ist ein Privatteam.

Zudem hat es Mortara mit namhaften Fahrern zu tun. Auch im eigenen Team. Der elffache Formel-1-Grand-Prix-Sieger ­Felipe Massa sitzt seit dieser Saison im zweiten Venturi-Cockpit. «Das Niveau ist enorm hoch», sagt Mortara. Es ist ein Grund für seine Begeisterung für die Formel E. «Und das Konzept ist grossartig: Wir fahren in den ­Innenstädten.» Im letzten Jahr durfte er das in Zürich tun. «Mega» sei das gewesen, sagt er. Auch wenn er nicht verstehen konnte, dass sich Leute gegen den Grossevent wehrten. «Es war etwas traurig. Nach über 60 Jahren fand wieder einmal ein Rundstreckenrennen in der Schweiz statt, da hätten wir doch freundlich und mit offenen Armen empfangen werden sollen.»

Nun regt sich auch in Bern Widerstand, vor Mortaras nächstem Heimrennen. Wobei: Was heisst beim Mister international schon Heimrennen?

Erstellt: 21.06.2019, 23:22 Uhr

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