Saubers Ort der Hoffnung

In Singapur tritt das Sauber-Team mit aerodynamischen Neuerungen an, die wegweisend sind für die Zukunft.

Sorgt Sauber beim Nachtrennen von Singapur für einen Lichtblick? Foto: Wong Maye-E (Keystone)

Sorgt Sauber beim Nachtrennen von Singapur für einen Lichtblick? Foto: Wong Maye-E (Keystone)

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«Jetzt geht es aufwärts!» Mit diesen ­Worten verabschiedete sich Monisha Kaltenborn vor zwei Wochen aus Monza. Ihr Sauber-Team hatte gerade erstmals seit langer Zeit wieder aus eigener Kraft um Punkte gekämpft. Während Felipe Nasr in der ersten Runde mit einem ­Reifenschaden an die Box musste und 13. wurde, fuhr Marcus Ericsson als ­Neunter zum dritten Mal in ­Serie in die Top 10. Es ist ein Ansatz von Konstanz – wenngleich auf bescheidenem Niveau.

Und jetzt, ja jetzt soll alles noch viel besser werden. In – oder ab – Singapur soll der Rennstall wieder mit den ­entrückten Mittelfeldteams Force India, Lotus und Toro Rosso mithalten können. Und dafür sorgen, dass der Saisonstart in Australien nicht als alleiniger ­Höhepunkt im Sauber-Jahr 2015 dasteht. Dieser 5. Rang von Felipe Nasr und Platz 8 von Ericsson, die in der Summe neben einem 8., zwei 9. und drei 10. Plätzen herausragen.

Die Chefin des Sauber-Teams hat den asiatischen Inselstaat aus einem Grund zum Ort der Hoffnung ausgerufen: Der C34 wird aerodynamisch verändert an den Start gehen. Die Nase ist kürzer, der Frontflügel neu, die Heckpartie über­arbeitet. Es sind die grössten Neuerungen am Auto in dieser Saison – und werden das auch bleiben. Sie sind auch als Investition in die Zukunft gedacht: «Es ging uns vor allem auch um die Entwicklung des nächstjährigen Autos. Darum haben wir uns Zeit gelassen und sehr viel Arbeit hineingesteckt», sagt Kaltenborn. Und wenn es schiefgeht? Wenn das Team auch jetzt noch vornehmlich auf viel Hilfe der Gegner angewiesen ist, um in die Punkte zu fahren? «Das glaube ich nicht», kommentiert die Österreicherin knapp.

Getan, was möglich war

Sie ist überzeugt, dass das Konzept passt. Dass so der neue Ferrari-Antrieb besser zur Geltung kommt, der für Spa-Francorchamps eingebaut worden war, aber erst auf der nächsten Hoch­geschwindigkeitsstrecke in Monza ­andeutete, was er leisten kann. «Es ­gehören immer zwei Seiten dazu – der Motor und das Chassis», sagt Kaltenborn. Sie bezeichnet den Rückstand des Ferrari-Antriebs gegenüber dem von Mercedes zwar noch immer als «recht gross», spricht aber doch von einem grossen Schritt bei der Scuderia im ­Vergleich zum Vorjahr.

Das Sauber-Team hat das getan, was möglich war. Allein die finanzielle Lage hat es nicht zugelassen, das Auto stetig weiterzuentwickeln, wie das andere Rennställe tun. So bleibt Kaltenborn gar nichts anderes übrig, als zuversichtlich zu sein. Als zu hoffen, dass es jetzt eben «aufwärts» geht – ändern können die Schweizer am jetzigen Produkt kaum mehr etwas.

Nasr, vom Kollegen überflügelt

Das wissen auch die Fahrer. Die in den letzten Wochen und Monaten ebenfalls nicht müde wurden, zu betonen, wie wichtig dieses Update für sie sein würde. Gerade für Nasr, der immer wieder mit den Tücken des C34 zu kämpfen hatte. In Singapur sagt er nun: «Es ist wichtig, dass uns das Update bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.»

Nasr war der gefeierte Shootingstar des Saisonstarts. Dass Sauber ­danach aber nur noch selten konkurrenzfähig war, und er jüngst auch noch regelmässig von seinem Teamkollegen überflügelt wurde, dürfte seiner Stimmung zu­gesetzt haben. «Ich hatte in den letzten Rennen Pech», sagt der 23-Jährige dazu. Nur war er eben auch in fünf der letzten sechs Qualifyings lang­samer als Ericsson, während er zu ­Beginn des Jahres noch fünf von sechs Duellen für sich ­entschieden hatte.

Der 25-jährige Schwede, der im Gegensatz zum Brasilianer bereits 2014 in der Formel 1 für Caterham fuhr, versucht zu erklären: «Am Anfang habe ich vor ­allem gegen den Teamkollegen gekämpft und dabei mich selber etwas aus den ­Augen verloren. Daran habe ich mental gearbeitet. Ich schaue jetzt nicht mehr so sehr auf ihn.»

Dafür soll der Blick auf die Gegner wieder offen sein. Jetzt, mit dem modifizierten Sauber C34.

Erstellt: 17.09.2015, 23:48 Uhr

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