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«Solche Entscheidungen töten die Formel 1»

Mit viel Pomp wollte die Formel 1 die Amerikaner im Sturm erobern. Stattdessen stand die Strafe gegen Max Verstappen im Vordergrund.

Das umstrittene Manöver von Verstappen im Video. (Video: Tamedia/SRF/Sky)

Es hätte das grosse Statement sein sollen. Die Formel 1 wollte sich am Grossen Preis der USA im besten Licht präsentieren, um in Übersee die Beliebtheit zu steigern. Dafür war alles angerichtet, dafür wurden Popstars wie Justin Timberlake und Stevie Wonder, Ex-Präsidenten wie Bill Clinton und Olympiasieger wie Usain Bolt eingeflogen. Denn die Serie hat in den USA bisher einen schweren Stand.

Das Rennen verlief ganz nach dem Gusto der Organisatoren, es war von Spektakel geprägt. Am Ende machten sie sich aber selbst einen Strich durch die Rechnung: Max Verstappen wurde für ein angeblich regelwidriges Überholmanöver bestraft und eines Podestplatzes beraubt. Und plötzlich wandelte sich Begeisterung in Wut.

Zu wenig Spannung, zu wenig Show

Die Formel 1 und die USA – Liebesbeziehung war das bisher keine. «Amerika ist wichtig für uns, aber Amerika braucht uns nicht», formuliert McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh die Situation. Die Königsklasse ist in den USA wenig verankert, viel beliebter sind die Nascar- und Indycar-Serien. Kein Wunder: Im Nascar kam es in dieser Saison zu 36'000 Überholmanövern – das sind 1200 pro Rennen.

Die Formel 1 dagegen bietet weniger Spannung, Action und Showelemente. Es hilft nicht, dass die USA seit Jahren keinen Spitzenfahrer mehr hervorbringen konnten. Den letzten Weltmeistertitel gewann Mario Andretti 1978. Den Grossen Preis der USA gibt es zwar seit 1958, der Austragungsort wurde aber bereits achtmal gewechselt.

Seit 2012 findet er in Austin, Texas, statt. In diesem Jahr versuchten die Organisatoren mit allen Mitteln, dem Rennen auf dem Circuit of the Americas mehr Glamour und Show zu verleihen. Roter Teppich für die Fahrer, Cheerleader, Fallschirmspringer mit US-Flagge, Konzerte – amerikanischer geht es kaum.

Nach der ganzen Show fand ja eigentlich auch noch das Rennen statt. Dieses bot ebenfalls Spektakel.

«Die schlimmste Entscheidung, die ich je gesehen habe»

Lewis Hamilton konnte sich zwar den Weltmeistertitel nicht sichern. Er wurde nach dem Start von Sebastian Vettel düpiert, holte sich dann aber die Spitzenposition zurück und gewann das Rennen. Die umstrittenste Szene fand aber drei Kurven vor Schluss statt. Red-Bull-Fahrer Verstappen, von Rang 16 gestartet, lieferte sich mit Kimi Räikkönen ein Duell um Rang 3. Und tatsächlich: Verstappen konnte den Routinier überholen und schnappte sich den letzten Podestplatz – das glaubte er zumindest. Bis ihm vor laufender Kamera mitgeteilt wurde, dass er beim Überholen die Strecke verlassen habe und deshalb eine 5-Sekunden-Strafe erhalte.

Verstappen, seine Fangemeinde, aber auch die Gegner waren ausser sich. «Das ist die schlimmste Entscheidung, die ich je gesehen habe. Das kann man der Aussenwelt nicht verkaufen. Jeder greift sich an den Kopf!», war Niki Laudas (Vorsitzender des Aufsichtsrats von Mercedes) Kommentar. Auch Verstappens Vater war mit der Entscheidung nicht einverstanden.

Regeltechnisch war Verstappens Strafe gerechtfertigt, weil er mit allen vier Rädern die Strecke verliess. Die Kommentare zeigten aber, dass das Showelement höher gewichtet werden sollte – gerade in den USA. Dies war auch die Meinung des ehemaligen Fahrers Timo Glock: «Man muss die Show und was er da gemacht hat, im Vordergrund stehen lassen und nicht wegen zweier, dreier Millimeter hin- und herdiskutieren.»

Obwohl die beiden Glamourpiloten, Hamilton und Verstappen, das Glamourrennen prägten, dominierten am Ende negative Schlagzeilen. Es war das kontroverse Ende, welches den ganzen Effort, die Formel 1 den Amerikanern besser zu verkaufen, überschattete. Zum Abschluss goss Verstappen noch mehr Öl ins Feuer: «Solche Entscheidungen töten die Formel 1. Es ist idiotisch. Ich hoffe, dass die Leute wegen solcher Situationen in der nächsten Saison nicht mehr kommen.»

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