Zum Hauptinhalt springen

Töff-Krimi: Aegerter auf der Ölspur

Illegales Öl im Tank: Dominique Aegerters Team rätselt, wie es dazu kam. Spielt auch ein mysteriöser Helmklau eine Rolle?

Was bleibt, sind Bilder und Erinnerungen: Dominique Aegerter nach seinem Sieg in Misano, der ihm nun nachträglich aberkannt wurde.
Was bleibt, sind Bilder und Erinnerungen: Dominique Aegerter nach seinem Sieg in Misano, der ihm nun nachträglich aberkannt wurde.
Keystone

Die Erinnerungen bleiben, die Punkte sind weg. Für Töff-Profi Dominique Aegerter brach am Wochenende eine kleine Welt zusammen. Am Rande des GP von Japan erfuhr er, dass sein Fahrzeug beim Rennen Mitte September in Misano in der «technischen Dopingkontrolle» hängen geblieben ist – das Motorenöl entsprach nicht den Vorschriften, so die Begründung.

Für Aegerter bedeutet das: Disqualifikation. Sein souveräner Sieg im wilden Regenrennen von San Marino ist dahin, weg auch die 25 Punkte und der historische Schweizer Doppelsieg, mit dem zweitplatzierten Berner Tom Lüthi. Dieser stieg unerwartet zum Sieger am grünen Tisch auf.

«Ich will das alles noch nicht so ganz wahrhaben. Es ist unglaublich frustrierend», sagt Aegerter am Telefon. Am Wochenende fährt er auf Philip Island in Australien wieder um Punkte. Mit viel Wut im Bauch – und vielen Gedanken im Kopf.

Schraubenfett, Bremsreiniger – oder auch Benzin

Denn noch ist ungeklärt, wie das Öl in Aegerters Maschine verunreinigt werden konnte. In der Moto-2-Klasse fahren die Maschinen mit Einheitsausrüstung: Gleicher Motor, gleiches Benzin – und eben auch gleiches Öl. In Aegerters Team Kiefer Racing geht man von einem Missgeschick aus. Einen grossen Vorteil verschaffe man sich mit anderem Öl sowieso nicht, sagt Aegerter: «Damit macht man höchstens ein paar PS gut – viel zu wenig, um einen entscheidenden Vorteil herauszufahren.» Und: Der GP von Misano war ein Regenrennen, die Piloten beanspruchten die Motoren selten auf Höchstleistung. «Im Regen ist das fahrerische Können noch entscheidender als sonst.»

Was also ist mit dem Öl passiert, das sowohl nach dem Qualifying als auch nach dem Rennen kontrolliert wurde? Da das einheitliche Schmiermittel jeweils weit im Voraus an die Teams abgegeben wird, kann einiges damit passieren, bis es im Tank der Töffs landet. Monatelang wird das Öl aufbewahrt, auf den fast wöchentlichen Transfers zwischen den Strecken kann es mit Luft in Berührung kommen, beim Einfüllen mit einem verschmutzten Trichter, in der Maschine selber dann mit Schraubenfett, Bremsreiniger oder auch Benzin. «Ein Motorrad ist keine Quarantäne», sagt Aegerter.

Dass dem Oberaargauer an genau diesem Rennwochenende auch zwei Helme aus der Box gestohlen worden sind, ist einerseits ein kurioser Zufall. «Andererseits», sagt Aegerter, «ist mir so was noch nie passiert. Wir sind daran, alles abzuklären, und ziehen alle Szenarien in Betracht.»

Die Ölkontrollen sind ein Politikum

Die Ölproben als «Dopingkontrolle» sind in der Szene nicht ganz unumstritten. Bereits Mattia Pasini verlor wegen des gleichen Befunds seinen zweiten Platz beim Rennen in Barcelona. «Ich weiss nicht, ob es bei diesen Analysen in der Moto-2-WM mit richtigen Dingen zugeht. Du hast im Öl immer verschiedene Probleme», sagte Eskil Suter von Suter Racing – dem Hersteller der Maschine, mit der auch Aegerter fährt – dem Motorsportmagazin «Speedweek».

Obwohl alle das gleiche Motorenöl verwenden und damit nichts zu tun haben, arbeiten kurioserweise fast alle Fahrer mit einem individuellen Öl-Sponsor. «Das ist normal, beim Benzin oder etwa der Bekleidung ist das ja auch so», sagt Aegerter. «Dieser Sponsor finanziert nicht selten das halbe Team», sagt Suter, «ich wäre generell dafür, dass man das Öl freigeben sollte.»

Auf seine erst kürzlich getroffene Entscheidung, auch nächstes Jahr im Team Kiefer Racing mitzufahren, hat der Vorfall keinen Einfluss. «Ich stehe hinter meiner Equipe, keine Frage. Und ich bleibe dabei: Wir haben dieses Rennen gewonnen, wir waren besser als die anderen.» Aegerter ist ein emotionaler, authentischer Typ. Die Disqualifikation scheint ihn vor allem als ehrgeizigen Sportler aufzuwühlen. Im Gesamtklassement hat er durch den Verlust der 25 Punkte von Misano vier Plätze verloren, steht nun auf Rang 11. «Klar, die Erinnerungen, die Siegesfeier damals, das kann mir niemand nehmen. Aber so viele Punkte auf einmal weg – das schmerzt schon.»

Lüthi hat noch nicht profitiert

Chancen auf den WM-Titel hätte Aegerter auch ohne den Punktabzug keine mehr gehabt – aus Schweizer Sicht hat seine Disqualifikation sogar etwas Gutes. Der unverhoffte Sieger Lüthi hat seinen Rückstand auf WM-Leader Morbidelli etwas verringern können. Beim GP von Japan vergangenes Wochenende konnte er noch nicht davon profitieren – Lüthi wurde Elfter, Morbidelli Achter.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch