Der 12-Jährige, der für die Formel 1 trainiert

Junge Burschen rackern für ihren Traum, ein grosser Rennfahrer zu werden. Talent allein reicht dafür nicht.

Rasantes Kinderzimmer: Der 12-jährige Pirmin Zimmerli hat bislang jede Klasse dominiert, in der er gefahren ist. (Fotos: Urs Jaudas)

Rasantes Kinderzimmer: Der 12-jährige Pirmin Zimmerli hat bislang jede Klasse dominiert, in der er gefahren ist. (Fotos: Urs Jaudas)

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Der Schauplatz wirkt inoffiziell. Wie ein Event im Untergrund. In einem Indus­triegebiet des deutschen Grenzstädtchens Waldshut treffen sich an diesem Samstag die besten Kartfahrer der Schweiz. In einer alten, unscheinbaren Lagerhalle. Im dunklen Entree lachen Männer in roten Rennanzügen von der Wand. Etwas weiter vorne sitzen Eltern im einfach möblierten Bistro und blicken durch die Glasfassade auf die Rennstrecke. Zwischendurch huschen Blicke auf den Beamer am anderen Ende des Raumes, wo die Zwischenzeiten eingeblendet werden.

In der Halle heulen die Motoren und quietschen die Reifen. Es ist kalt und kahl. Einzig die Werbebanner eines ­Tattoostudios, einer Kickboxschule und eines unbekannten Partymusikerduos zieren die Wände. Im schummrigen Licht absolvieren die Junioren gerade ihr Qualifying. Eine Mutter spricht in Anlehnung an die Formel-1-Legende Michael Schumacher von den «kleinen Schumis». Es ist der letzte Renntag der Swiss Karting League. Heute werden die Pokale verteilt.

Nicht wenige glauben, dass jener für den Gesamtsieg bei den Jüngsten an Pirmin Zimmerli gehen wird.

Das Siegen gewöhnt

Der 12-Jährige ist vielleicht das grösste Talent im Fahrerfeld. Bis heute hat er in jeder Rennserie triumphiert, in der er gestartet ist. Auch in diesem Jahr liegt er in der Gesamtwertung vorne. Sein Pol­ster beträgt jedoch nur einen Punkt. Der Sieg ist deshalb Pflicht. Das Qualifying läuft aber nicht nach Wunsch. Zimmerli startet von Position 5 aus.

Im Rennen verpasst er gleich den ­Anschluss an die Spitze. Vater Markus, Mitorganisator der Swiss Karting League, leidet am Streckenrand mit. Auch weil es auf dem engen Kurs wenig Überholmöglichkeiten gibt, wird Zimmerli am Ende Sechster. Betrübt bleibt er nach dem Rennen in seinem Kart sitzen. Er verliert den Gesamtsieg an einen 16-Jährigen. Tränen fliessen unter dem Helm.

Zimmerli und der bittersüsse 2. Platz.

Weil an diesem Samstag auch einige der besten Jungpiloten aus dem süddeutschen Raum als Gastfahrer in Zimmerlis Kategorie starteten, wird der Preisverleiher später allen Respekt zollen, die sich in die «Waldshuter Höhle» gewagt haben. Zimmerli interessiert das wenig. Niederlagen ist er nicht ­gewohnt. Denn seit er vor zweieinhalb Jahren ­begann, Kartrennen zu fahren, verblüffte er zumeist.

Und nicht selten düpiert er Ältere. «Technisch sauberes Fahren ist im Indoor-Kartsport entscheidender als die Kraft oder das Körpergewicht», erklärt sein Vater. Damit alle Fahrer ähnliche Voraussetzungen haben, werden die ­Gewichtsunterschiede der Piloten mit Zusatzgewichten ausgeglichen. Weil die Rennen nicht in eigenen Karts, sondern in jenen der Kartanlage gefahren werden, müssen sich die jungen Rennfahrer ständig anpassen. «Immer wieder das Gefühl für den Kart zu finden, ist ­anspruchsvoll», sagt Pirmin Zimmerli. «Dass er immer wieder neue Lösungen finden muss, ist gut für seine Entwicklung», sagt der Vater.

Doch für einmal triumphiert ein anderer: Der 16-jährige Sebastian Häfeli.

Der Blondschopf aus dem Berner Oberland hat einen grossen Traum: «Einmal ein grosser Formel-1-Fahrer werden.» Das sagen an diesem Nachmittag einige. Indoor-Erfolge, wie sie Zimmerli schon haufenweise einfuhr, helfen fürs Bekanntwerden. Der Status ist schon in jungen Jahren entscheidend. Das wissen die Zimmerlis. Sie wissen aber auch, dass regelmässige Auftritte an den Outdoor-Events zusätzlich helfen würden.

Beim Kartfahren unter freiem Himmel ist jedoch nicht nur ein kraftvolleres und aggressiveres Fahrverhalten ­gefragt, sondern auch einiges an finanziellen Mitteln. Man braucht einen eigenen Kart, muss viel und oft lange reisen. Zimmerli hat zwar einen privaten Sponsor, doch dessen Unterstützung ist begrenzt. Dass er auch mit Outdoor-Karts für ­Furore sorgen kann, hat der 12-Jährige an vereinzelten Rennen schon ­bewiesen.

Doch der Jungpilot ist eben auch ein Beispiel dafür, dass Talent allein in dieser Szene nicht reicht. Geld regiert die Motorsportwelt. Deshalb sagt er: «Ich hoffe auf weitere Sponsoren.» Dann verlässt der Knabe die Anlage. In seinen Händen hält er einen Pokal, den er für den 2. Rang im Gesamtklassement erhielt. Er wird ihn ganz hinten in seiner Sammlung aufstellen.


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Erstellt: 26.11.2017, 21:25 Uhr

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