Van der Gardes letzte Chance

Der Holländer hatte früh Kontakte in die Formel 1 und konnte sich doch nie durchsetzen.

Bald wieder am Steuer? Giedo van der Garde. Foto: Julian Smith (Epa/Keystone)

Bald wieder am Steuer? Giedo van der Garde. Foto: Julian Smith (Epa/Keystone)

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Giedo van der Garde ist der Mann, der dem Schweizer Rennstall Sauber noch vor dem Formel-1-Saisonstart Schlag­zeilen beschert. Vor Gericht will er sich einen Startplatz für das Auftaktwochenende in Australien erkämpfen. Erst­instanzlich bekam er gestern recht.

Er klagt gegen seinen ehemaligen ­Arbeitgeber, den er allerdings gar nie als ehemalig sah. Schliesslich verfügt der letztjährige Testfahrer noch immer über einen Vertrag, der ihm einen Platz als Stammfahrer garantiert. Dass er sein Recht vor Gericht erkämpfen will, trübt die Beziehung zum Team seiner Meinung nach nicht. «Ich hatte und habe ein sehr gutes Verhältnis zum Team», versicherte er. Eine Aussage, die wohl kaum jemand der Gegenpartei bestätigen würde.

Der Zwist in Abu Dhabi

Van der Garde sprach, als wäre er nie weggewesen. Als wäre er beim Saison­finale in Abu Dhabi im November nicht überstürzt abgereist, weil ihm die Verantwortlichen von Sauber kurzerhand den Trainingseinsatz vom Freitag und die für die darauffolgende Woche geplanten Testfahrten gestrichen hatten. Als wäre er nicht aus dem Team geflogen, weil zwei jüngere Piloten mehr Geld boten. So sagte er gestern: «Ich freue mich darauf, zum Team zurückzukehren. Wir werden hart arbeiten, um am Wochenende das Beste herauszuholen.»

Dafür der erbitterte Kampf? Vor verschiedenen Gerichten? Um noch einmal einen Formel-1-Grand-Prix als Fahrer mitzuerleben? Denn nach Australien müsste ohnehin nochmals verhandelt werden. Und ein neues Team wird er nun auch kaum mehr finden.

Eine Saison für Caterham

Es sei für Van der Garde «der letzte Strohhalm, um in der Formel 1 zu bleiben», sagt etwa der ehemalige Pilot Marc Surer. Der Holländer ist 29-jährig. Eine Saison hat er bislang bestritten – 2013 für Caterham. Sonst aber war er in der Formel 1 vor allem eines: Testfahrer.

Dabei hatte er schon als 21-Jähriger die ersten Kontakte in die Königsklasse – das Engagement bei Super Aguri als Ersatzfahrer verlief allerdings bereits nicht ohne Nebengeräusche. Weil er noch vor dem Saisonstart 2007 bei Spyker anheuerte, wo er einer von vier Testpiloten wurde, kam es zum Rechtsstreit mit Super Aguri. Letztlich durfte er wechseln.

Seine Versuche, in der Formel 1 Fuss zu fassen, scheiterten allerdings Mal für Mal. Er schlug sich in der Formel Renault 3.5 durch, in der GP2-Serie und der asiatischen Ausgabe davon, ehe er 2012 das Angebot von Caterham erhielt und nach einer Saison als Ersatzfahrer das Stammcockpit bekam. Danach fand er mit ­seiner Mitgift als Testfahrer zu Sauber. Doch auf diese sind die Schweizer nun nicht mehr angewiesen.

Erstellt: 11.03.2015, 23:33 Uhr

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