Verstappen und der Anflug von Vernunft

Der Holländer ist der Haudrauf der Königsklasse. Das könnte vorbei sein.

Max Verstappen ist geduldiger geworden. (Bild: Charles Coates/Getty Images)

Max Verstappen ist geduldiger geworden. (Bild: Charles Coates/Getty Images)

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Wenn die Nase mit dem gelben Spitz und der Nummer 33 im Rückspiegel auftaucht, dann beschleicht die Fahrer in der Formel 1 ein mulmiges Gefühl. Dann ist Max Verstappen im Anmarsch, ein junger Holländer, der sich in vier Jahren in der Königsklasse den Ruf schwer erarbeitet hat, ein Draufgänger zu sein, einer, der nicht zurückschreckt oder zurücksteckt: vor niemandem, gegen keinen.

Was hat dieser 21-jährige Haudrauf schon alles angestellt in diesen vier Saisons für Toro Rosso und Red Bull. Er hat Weltmeister abgeschossen, ausgebremst, angerempelt, für rote Köpfe und Fluchtiraden gesorgt, Rennen zerstört, von Gegnern, Teamkollegen, die eigenen. Und er hat zugelangt. Letztes Jahr in Brasilien wars, da nahm er sich nach dem Grand Prix Esteban Ocon vor, der ihn zuvor auf der Strecke mit einer Runde Rückstand hatte überholen wollen. Es misslang, beide Autos drehten sich. Verstappen hätte zum sechsten Mal gewonnen, er wurde Zweiter. Er hätte den Franzosen im Force India einfach ziehen lassen und entspannt zum Sieg fahren können. Doch so funktioniert Max Verstappen nicht, einer wie er lässt sich nicht einfach so überholen, auch nicht von einem bereits überrundeten Fahrer. Selbst wenn es klug gewesen wäre. Oder vielleicht gerade deshalb.

Rangelei mit dem «Idioten»

Es war auch an dieser einen von vielen unrühmlichen Szenen der andere schuld, dieser Ocon, der «schon immer ein Idiot» war. Also schubste er ihn, pöbelte ihn an, rangelte mit ihm, als er ihn beim Wiegen antraf. Der internationale Automobilverband FIA brummte ihm zwei Tage gemeinnützige Arbeit auf. Er verstand nicht weshalb und stellte erst einmal klar, dass er nichts tun werde, was ihn wie einen Trottel aussehen lasse. In diesem Moment Forderungen zu stellen: Es käme nicht vielen in den Sinn. Verstappen schon.

An diesem Wochenende dreht die Formel 1 ihre Runden in der Wüste von Bahrain. Verstappen hat seine Strafe abgesessen. Wobei Strafe ein grosses Wort ist für das, was er tun musste. In Marokko begleitete er die Stewards der Elektrorennserie Formel E. Er fand das «nicht einmal so schlecht». Und er ist jetzt geläutert – irgendwie zumindest.

Es wirkt tatsächlich, als habe Verstappen im Winter einen Prozess durchgemacht, den seine Kritiker nicht für möglich gehalten hätten: einen Reifeprozess. So ist er diese Woche auch nicht als Sündenbock nach Bahrain gereist, im Gegenteil: Er ist der Gefeierte seines Teams Red Bull und von Motorenpartner Honda. Den Japanern hat Verstappen zum Auftakt in Melbourne den ersten Podestplatz seit ihrer Rückkehr in die Formel 1 und 2008 besorgt.

Dritter ist er in Australien geworden hinter den beiden Mercedes von Bottas und Hamilton. Auf dem Weg zu seinem 23. Podestplatz liess er Vettel im Ferrari stehen. Es ging für einmal ohne Hast, er legte sich den roten Wagen zurecht und setzte im richtigen Moment zum Manöver an. Vielleicht kann das als Beleg herhalten für einen Wandel bei dem Mann, der die Szene heftig aufmischt, seit er 2015 als 17-Jähriger debütierte. Mit Spektakel auch über der Grenze des Erlaubten und mit einer einzigartigen Fanschar. Wo die Formel 1 auch ihre Rennen austrägt, immer baut sich auf den Tribünen eine orange Wand auf.

Alles zum Weltmeister

Verstappen hat den Zirkus belebt. Und er hat am Steuer Talent wie nur wenige. Sein Vater Jos, 107-facher Grand-Prix-Fahrer, hat ihn über Jahre mit harter Hand trainiert und seinem Sohn nur wenige Fehler zugestanden. Dieser bringt alles mit für einen künftigen Weltmeister, daran gibt es keine Zweifel. Nur eben: Er übertreibt es zu oft. Vettel dürfte nicht unglücklich gewesen sein, sah er in Australien die 33 nur kurz im Rückspiegel, ehe der Wagen an ihm vorbeibrauste. Etwas länger sah sie Hamilton, den Verstappen auf den letzten Runden jagte. Ein mulmiges Gefühl hatte der überragende Pilot der letzten Jahre aber nicht, sagte er, «ich hatte alles im Griff». Nur: Wer hat diesen Verstappen schon im Griff?

Vielleicht muss die Frage ja bald nicht mehr gestellt werden, war der souveräne Auftritt in Melbourne tatsächlich Vorbote für einen neuen Verstappen, der genau überlegt, was er tut. Helmut Marko, Berater bei Red Bull und der Mann, der Verstappen als Teenager verpflichtete, stellte jedenfalls schon bei den Testtagen vor der Saison eine Veränderung fest. «Es ist ein positiver Schritt, dass er enthusiastisch und konzentriert an diese Tests herangeht», sagte der Österreicher. «Früher hat er das als Pflicht gesehen und sich gelangweilt.» Und Marko kündigte an: «Wir haben mit ihm darüber gesprochen, geduldiger zu sein. Er wird es umsetzen.» Den ersten von 21 Schritten hat er in Melbourne getan. Am Sonntag soll in Bahrain der zweite folgen.

Erstellt: 30.03.2019, 15:19 Uhr

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