Vettel siegt trotz Aufholjagd von Hamilton

In einem turbulenten Rennen setzt sich der Deutsche gegen den Mercedes-Piloten durch. Mit seinem 51. GP-Sieg baut er seine WM-Führung aus.

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Schon der Start sorgte in Silverstone für viel Aufregung. Vettel, der im Qualifying 44 Tausendstelsekunden langsamer war als Hamilton im Mercedes mit der Nummer 44, schoss gleich in Führung. Dahinter krachte es zwischen Kimi Räikkönen und Hamilton. Der Weltmeister drehte sich und fiel auf Position 18 zurück, der Finne kassierte eine 10-Sekunden-Strafe.

«Absicht und ein taktisches Manöver von Ferrari, um uns zu schwächen», schimpften einige Mercedes-Verantwortliche. «Es war zwar mein Fehler, aber ein normaler Zwischenfall, wie er beim Start immer passieren kann», konterte der in Baar ZG wohnhafte Räikkönen.

Hamilton startete nach seiner 76. Pole-Position eine tolle Aufholjagd und profitierte auch von zwei Safety-Car-Phasen, die durch den Unfall von Marcus Ericsson (Alfa Romeo Sauber) und den Crash zwischen Romain Grosjean (Haas-Ferrari) und Carlos Sainz (Renault) ausgelöst worden waren. Am Ende gab es für den 33-jährigen Briten den 124. Podestplatz, aber nicht den Rekord, sechsmal in Silverstone gewinnen zu können. Da bleibt er gleichauf mit Jim Clarke und Alain Prost. Auch Ayrton Sennas Bestmarke von fünf Siegen hintereinander auf der gleichen Strecke erreichte er nicht. Der 1994 tödlich verunfallte Brasilianer schaffte dies in Monaco zwischen 1989 und 1993.

Durch die Safety-Car-Phasen konnte Hamilton seinen Rückstand auf die Spitze von 23 auf unter eine Sekunde reduzieren. Doch an Vettel kam er nicht vorbei. Lange leistete Teamkollege Valtteri Bottas Schützenhilfe, der Vettel bis zur 46. Runde in Schach halten konnte. Doch dann bauten seine Reifen stark ab und der Finne musste sich am Ende mit Rang vier begnügen.

Vettel biss sich mit Schmerzpflaster durch

Mit seinem vierten Sieg im zehnten von 21 Saisonrennen baute Vettel seine Führung in der Gesamtwertung aus. Er reist in zwei Wochen mit einem Vorsprung von acht Punkten (171:163) auf Hamilton zu seinem Heimrennen auf dem Hockenheimring. Für den Wahl-Thurgauer war es der 51. GP-Triumph, damit schloss er zu Alain Prost auf. Mehr Siege haben nur Michael Schumacher (91) und Hamilton (65) auf dem Konto. Für Ferrari war es der erste Triumph auf der Insel seit 2011 (Fernando Alonso). Seither hatte immer Mercedes gewonnen.

Bemerkenswert an der Leistung des 31-jährigen Deutschen: Er stand das Rennen mit grossen Schmerzen durch. Nach dem dritten Training am Samstag klagte Vettel über Nackenschmerzen und verbrachte die Pause bis zum Qualifying praktisch nur beim Physiotherapeuten. Das Rennen bestritt er dann mit einem grossen Schmerzpflaster am Nacken. «Wenn das Adrenalin fliesst, vergisst du alle Beschwerden», sagte ein glücklicher Vettel. «Ein Superstart, ein Superrennen, ein Hammerergebnis, auch wenn der Safety Car noch einmal Pfeffer ins Spiel gebracht hat.»

Sauber verschenkt WM-Punkte

Für das Hinwiler Sauber-Team war der GP von Grossbritannien ein Rennen zum Vergessen. Supertalent Charles Leclerc, der in den vergangenen sechs Rennen fünfmal in den Top Ten klassiert war, lag als Achter erneut souverän auf einem Punkterang. Doch beim Boxenstopp in der 19. Runde schlampten die Mechaniker aus dem Zürcher Oberland: Gleich nach dem Rausfahren wurde dem 20-jährigen Monegassen per Funk befohlen, das Auto abzustellen. Die Rennkommissäre leiteten eine Untersuchung ein und dürften das Team noch in irgendeiner Form bestrafen.

Auch Marcus Ericsson durfte von WM-Punkten träumen. Doch dem Schweden wurde nach 33 Runden ein technisches Problem zum Verhängnis. Nach der DRS-Zone auf der Startzielgeraden blieb der Heckflügel offen - Ericsson donnerte bei über Tempo 300 km/h in die Streckenbegrenzung. Für Sauber war dies der erste Doppel-Ausfall seit Monaco 2017.

Silverstone (GBR). Grand Prix von Grossbritannien: 1. Sebastian Vettel (GER), Ferrari, 1:27:29,784 (209,972 km/h). 2. Lewis Hamilton (GBR), Mercedes, 2,264 Sekunden zurück. 3. Kimi Räikkönen (FIN), Ferrari, 3,652. 4. Valtteri Bottas (FIN), Mercedes, 8,883. 5. Daniel Ricciardo (AUS), Red Bull-Renault, 9,500. 6. Nico Hülkenberg (GER), Renault, 28,220. 7. Esteban Ocon (FRA), Force India-Mercedes, 29,930. 8. Fernando Alonso (ESP), McLaren-Renault, 31,115. 9. Kevin Magnussen (DEN), Haas-Ferrari, 33,188. 10. Pierre Gasly (FRA), Toro Rosso-Honda, 34,129. 11. Sergio Perez (MEX), Force India-Mercedes, 34,708. 12. Stoffel Vandoorne (BEL), McLaren-Renault, 35,774. 13. Lance Stroll (CAN), Williams-Mercedes, 38,106. 14. Sergej Sirotkin (RUS), Williams-Mercedes, 48,113. 15. sechs Runden zurück (nicht im Ziel): Max Verstappen (NED), Red Bull-Renault. - 20 Fahrer gestartet, 15 klassiert.

WM-Stand (10/21). Fahrer: 1. Vettel 171. 2. Hamilton 163. 3. Räikkönen 116. 4. Ricciardo 106. 5. Bottas 104. 6. Verstappen 93. 7. Hülkenberg 42. 8. Alonso 40. 9. Magnussen 39. 10. Sainz 28. 11. Ocon 25. 12. Perez 23. 13. Gasly 19. 14. Leclerc 13. 15. Grosjean 12. 16. Vandoorne 8. 17. Stroll 4. 17. Ericsson 3. 18. Hartley 1. - Teams: 1. Ferrari 287. 2. Mercedes 267. 3. Red Bull-Renault 199. 4. Renault 70. 5. Haas-Ferrari 51. 6. Force India-Mercedes 48. 7. McLaren-Renault 48. 8. Toro Rosso-Honda 20. 9. Alfa Romeo Sauber-Ferrari 16. 10. Williams 4.

Nächstes Rennen: Grand Prix von Deutschland am 22. Juli in Hockenheim.
(SDA)

Erstellt: 08.07.2018, 14:54 Uhr

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