«Wenn ich keine Brände löschen kann, lege ich welche»

Am Wochenende beginnt die Formel-1-Saison – zum ersten Mal ohne Bernie Ecclestone als Geschäftsführer. Eine neue Rolle für den 86-Jährigen, der damit nicht klarkommt.

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1,59 Meter – er ist eigentlich ein kleiner Mann, dieser Bernie Ecclestone. Und doch war er gross. Knapp 45 Jahre lang war er Geschäftsführer der Formel 1. Während seiner Regentschaft erwirkte er eine Revolution nach der anderen. Er machte die Rennserie zu dem, was sie heute ist: die Königsklasse des Motorsports. Er war das wachsame Auge der Formel 1 – bei jedem Rennen omnipräsent. Bernie Ecclestone ist ein Milliardär, eine Legende, ein grosser Mann.

Doch an diesem Wochenende, dem ersten Formel-1-Rennen der Saison 2017, scheint der grosse Mann geschrumpft zu sein. Sogar noch schlimmer – er ist kaum mehr zu sehen. Zu viel Kritik kam in den letzten Jahren auf, zu viele Fans hat die Formel 1 verloren, zu stark wurde die Reputation beschädigt. Die Konklusion: Ecclestone wurde im Januar entmachtet, die Formula One Group, das Unternehmen des Briten, von Liberty Media übernommen. Neuer Geschäftsführer ist Chase Carey. Und Ecclestones Rolle?

Das Warten auf Aufgaben

In Melbourne sucht man neben der Strecke vergeblich nach dem 86-Jährigen. Zwar hat Ecclestone bereits in seinen Zeiten als Geschäftsführer ab und zu das erste Rennen der Saison ausgelassen. Nun hat er aber keinen Grund mehr, überhaupt an einem Rennwochenende dabei zu sein. Die Rolle des omnipräsenten Chefs, des wachsamen Auges, wurde ihm genommen. Und eine neue Funktion hat der Brite bisher nicht inne.

Das Angebot, Ehrenpräsident zu werden, hat Ecclestone bereits abgelehnt. «Das Letzte, was ich bin, ist ein Botschafter. Ich wäre ein ziemlich schlechter», sagte der Brite der «Mail on Sunday», angesprochen auf seine potenzielle Rolle. Er warte lieber darauf, dass Liberty Media ihm Aufgaben zuteilt. «Ich will hier nicht bleiben und nichts Positives für die Firma tun.» Und zieht eine Analogie: «Aber es ist ja noch früh. Es ist wie eine Ehe. Wenn man heiratet, hat man Hoffnungen.»

Es scheint aber auch, dass die noch junge Ehe zwischen dem führenden Unternehmen der Formel 1 und dem entmachteten Geschäftsführer bereits in der Krise ist. Ecclestone fühlt sich aussortiert: «Ich kann überhaupt nichts machen.» Sogar dem Personal sei gesagt worden, sie sollten nicht mit ihm reden. «Sie wollen die Bernie-Ära loswerden», begründet er das Verhalten. Und zielt gegen Casey, der jeden Grand Prix zu einem «Superbowl» machen will: «Ich bin ein Feuerwehrmann. Wenn ich keine Brände löschen kann, lege ich welche.»

Backgammon mit Vettel wird verschoben

Neben lamentieren und provozieren versucht der 86-Jährige aber auch weiterhin, aktiv zu bleiben: «Ich fühle mich beschäftigter als zu der Zeit, als ich noch gearbeitet habe.» Aufgrund seines gedrängten Terminplans musste er sogar ein Treffen mit Sebastian Vettel verschieben. «Mit wem soll ich denn spielen?», fragte der Deutsche. «Ich komme nicht wegen eines verdammten Backgammon-Spiels nach Australien», entgegnete Ecclestone. In Bahrain soll das Treffen nun nachgeholt werden.

So beschäftigt der Brite trotz allem zu sein scheint, viele gönnen Ecclestone nun Ruhe. Fia-Boss Jean Todt sagte: «Ich hoffe, dass Bernie jetzt sein Leben geniessen kann.» Er habe so viele Dinge, die er geniessen könne, «er sollte froh sein, dass sein Baby nun in guten Händen ist.»

Und doch scheint Ecclestone den Händen an seinem Baby noch nicht zu vertrauen. Er ist weiterhin aktiv, er ist immer noch im Hintergrund unterwegs. Doch er ist nicht mehr der allmächtige Chef, nicht mehr der grosse Mann. Er ist nur noch der Ex-Geschäftsführer, der Backgammon-Spieler, der seine Rolle sucht. Er ist wieder ein 86-jähriger, kleiner Brite, 1,59 Meter gross.

Erstellt: 24.03.2017, 17:08 Uhr

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