Zum Hauptinhalt springen

München mit Kaiser, Königin und Prinzessin

Bevor die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees heute um 15.35 Uhr zum ersten Wahlgang schreiten, erhalten die drei Bewerber für die Winterspiele 2018 eine letzte Präsentationschance.

Der Kaiser solls wieder einmal richten. Fussball-Ikone Franz Beckenbauer, Weltmeister als Spieler und als Trainer, ist gestern als Überraschungsgast in Durban eingetroffen, wo heute die Olympischen Winterspiele 2018 vergeben werden. Nachdem Beckenbauer schon die WM 2006 nach Deutschland geholt hat, will er nun seinen Beitrag leisten, dass München den Zuschlag für die Olympischen Spiele 2018 erhält. Die deutsche Bewerbung tritt um 08.45 Uhr als erste zur Abschlusspräsentation an, der krasse Aussenseiter Annecy (Fr) folgt um 10.25 Uhr, Pyeongchang (SKor) macht um 12.05 Uhr den Abschluss.

Neben Kaiser Franz wird auch Ski-Königin Maria Höfl-Riesch ihren Auftritt haben. Das Gesicht der Münchner Kandidatur gehört aber einer ehemaligen Eis-Prinzessin. Katarina Witt hat Skeptiker, die ihr die heikle Aufgabe nicht zutrauten, Lügen gestraft und "München 2018" wieder auf Kurs gebracht. Seit Geschäftsführer Willy Bogner im September 2010 aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat und Witt die Hauptrolle übernahm, hat München im Vergleich zu Favorit Pyeongchang laufend Boden gutgemacht. "Es ist die herausforderndste Kür meiner Karriere, nur die Goldmedaille zählt", sagte Witt. In einem dreitägigen "Trainingslager" haben sich Witt und ihre Mitstreiter für den heutigen Vortrag den letzten Schliff geholt.

Auf eine Eiskunstläuferin setzt auch Pyeongchang. Kim Yu-Na, die Olympiasiegerin von Vancouver, besitzt allerdings bei weitem nicht die Strahlkraft von Katarina Witt. Die heute 45-Jährige ist auch 23 Jahre nach dem Gewinn ihrer zweiten olympischen Goldmedaille noch ein Star von Weltformat. Da können es die Münchner auch verschmerzen, dass statt der deutlich bekannteren Kanzlerin Angela Merkel "nur" Bundespräsident Christian Wulff nach Südafrika gereist ist. Südkoreas Präsident Lee Myung Bak weilt schon seit Sonntag in Durban. Dessen französischer Amtskollege Nicolas Sarkozy überlässt die (Neben-)Bühne derweil dem Premierminister François Fillon.

Nach den Abschlusspräsentationen schreiten die olympischen Würdenträger um 15.35 zur Tat. Im ersten Wahlgang werden voraussichtlich 96 der 110 IOC-Mitglieder eine Stimme abgeben. Erreicht kein Kandidat das absolute Mehr (voraussichtlich 49), scheidet jener mit den wenigsten Stimmen aus. Es dürfte sich um Annecy handeln. Sechs Wahlberechtigte, darunter der langjährige FIFA-Präsident Joao Havelange (95), bleiben der 123. Session fern. Die je zwei IOC-Mitglieder aus den Kandidatur-Ländern Südkorea, Deutschland und Frankreich können erst nach dem allfälligen Out "ihrer" Bewerbung mitentscheiden.

Neben IOC-Präsident Jacques Rogge wird sich auch Denis Oswald der Stimme enthalten. Der Neuenburger verzichtet, weil er als Präsident des Internationalen Ruder-Verbandes einen Sponsoring-Vertrag mit Samsung, dem südkoreanischen Weltkonzern hinter der Kandidatur Pyenogchangs, abgeschlossen hat. Mit den Weltverbandspräsidenten Sepp Blatter (Fussball), Gian-Franco Kasper (Ski) und René Fasel (Eishockey) sowie Patrick Baumann (Generalsekretär des Internationalen Basketball-Verbandes) sind vier weitere Schweizer stimmberechtigt. Kein Land ist im mächtigsten Sportgremium zahlenmässig so stark vertreten.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch