Cologna will mit dem Klassiker Frieden schliessen

Auf keiner Distanz kämpft der vierfache Olympiasieger so unglücklich wie über 50 Kilometer. Das will er morgen ändern.

Dario Cologna hat über 15 km Skating zum dritten Mal Gold geholt, nun will er endlich auch über 50 km klassisch eine olympische Medaille. (Video: SRF/Tamedia)

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Eigentlich sollte hier eine Liebes­geschichte folgen. Stattdessen ist es die Geschichte einer unerwiderten Liebe. Dario Cologna und das Rennen über 50 Kilometer – im Zeitalter von Facebook lautet ihr Beziehungsstatus «Es ist kompliziert». Zurück zum Beginn: Das Rennen über 50 Kilometer ist die Königsdistanz im Langlauf, ausgetragen nur an ­Titelkämpfen und zum Saisonende beim Weltcupfinale. Wer sollte für diese Aufgabe prädestinierter sein als einer, der seinen Sport seit einem Jahrzehnt prägt? Der dann stark ist, wenn Kraft und ­Ausdauer gefordert sind und nicht nur schnelle Arme auf der Zielgeraden? Eigentlich wäre der 50er eine Angelegenheit für Dario Cologna.

Doch der 31-Jährige wartet bis heute auf einen Sieg auf internationaler Stufe. In zwölf Versuchen scheiterte er auf alle erdenklichen Arten.

Besonders unglücklich kämpfte er bislang ausgerechnet an Olympischen Spielen. 2010 lief er in Vancouver ein nahezu perfektes Rennen. Im Finale war er gegen den Endspurt von Petter Northug machtlos. Aber eine Medaille, die schien für ihn bereitzuliegen – bis er in der allerletzten Kurve vor der Zielgeraden ausglitt. Noch frustrierender lief es in Sotschi. Auf der Strecke, die wie für ihn massgeschneidert war, hielt er sich nach zwei Siegen in den Einzelrennen lange zurück. Nur um im Finale ins Straucheln und zu Fall zu kommen. Wieder waren die Medaillen weg, die Russen jubelten gleich dreifach. Cologna war sich bewusst, welch grosse Chance er vergeben hatte. «Ohne meinen Sturz wären nur zwei Russen auf dem Podest gestanden», sagte er später.

Nie Glück am Holmenkollen

Die zweite Kategorie, es ist die grösste, sind jene Rennen, bei denen Cologna physisch oder wegen schlechtem Material geschlagen war. So verpasste er fünf Chancen, zwei Rennen gab er auf. Beide Male geschah dies am Holmenkollen, dem Hausberg der Osloer. Ausgerechnet da, an dieser mythischen Stelle des ­nordischen Skisports.

Dort erfuhr Cologna auch seine knappsten Niederlagen. 2015 musste die Jury den Zielfilm herbeiziehen, um Sjur Roethe zum Sieger zu küren – der Norweger hatte seine Zehen einen Hauch vor dem von hinten auflaufenden Cologna über die Ziellinie gestreckt. 2012 dasselbe Bild, wieder war im Duell auf der Zielgeraden ein Norweger stärker, Eldar Roenning.

Bleibt schliesslich das WM-Rennen 2013 in Val di Fiemme, das in dieser ­Aufzählung eine besondere Stellung einnimmt. Cologna wurde auch hier Zweiter, hinter dem Solisten Johan Olsson. Es war der Rennverlauf, der diesen 50er besonders macht. Olsson hatte schon früh angegriffen, Cologna nach 30 Kilometern alleine zu ihm aufgeschlossen. Die beiden wären wohl zusammen durchgekommen, wenn Cologna nicht in einer ­Abfahrt gestürzt wäre. So zog Olsson das Rennen alleine durch.

Mit Niskanen weglaufen?

Warum das speziell ist? Das Szenario könnte sich am Samstag gut wieder­holen. Erneut wird in der klassischen Technik gelaufen. In dieser gibt derzeit der Finne Iivo Niskanen den Ton an. Im Skiathlon liess er seine Konkurrenten mit einer horrenden Pace leiden.

Cologna auch? Dem dürfte Niskanens Vorstellung Freude bereitet haben. Nach dem Teamsprint am Mittwochabend gab er einige seiner Gedanken preis, der 50er dreht längst in seinem Kopf. «Ich ­erwarte, dass es schon früh ein schnelles Rennen werden wird. Zwar nicht wie im Skiathlon vom ersten Meter weg, aber nach 20 oder 30 Kilometern wird es eine Selektion geben», sagte er und nannte Niskanen als grossen Favoriten, der nicht bis ganz zum Schluss warten werde.

Nebenan standen die finnischen Journalisten, sie hatten von alledem natürlich nichts mitgekriegt und fragten: ­Würden Sie mit Niskanen weglaufen? Cologna musste schmunzeln ob der Dopplung und sagte: «Natürlich wäre es toll, mit ihm wegzulaufen.»

Vorher sagte er noch, er sei nicht der ganz grosse Favorit. Was ihm nur recht sein kann. Auch er weiss es: Favoriten haben es im 50er besonders schwer.


Das Rennen startet am Samstagmorgen um 6 Uhr Schweizer Zeit. Die ersten Athleten werden – gemäss den Siegerzeiten der letzten 50ern – kurz nach 8 Uhr ins Ziel kommen.

Erstellt: 23.02.2018, 17:28 Uhr

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