Der Schweizer Jugendstil

15 Olympiamedaillen sind eine reife Leistung, doch noch erfreulicher ist, dass die meisten von jungen Athleten errungen wurden – Swiss Olympic ist gerüstet für die Zukunft.

Fünffacher Goldjubel im alpinen Team-Event: Ramon Zenhäusern, Denise Feierabend, Wendy Holdener, Daniel Yule und Luca Aerni (v.l.n.r.).

Fünffacher Goldjubel im alpinen Team-Event: Ramon Zenhäusern, Denise Feierabend, Wendy Holdener, Daniel Yule und Luca Aerni (v.l.n.r.). Bild: AFP

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Im niederschlagsarmen Pyeongchang regnete es für die Schweizer gestern Gold. Gleich sechsfach flogen die begehrten Medaillen vom Himmel. Nevin Galmarini baumelte eine um den Hals, nachdem er im ­Final des Snowboard-Riesenslaloms den Einheimischen Lee Sang-ho bezwungen hatte. Die Skifahrer standen nach dem Team-Event zu fünft auf dem obersten Treppchen. Zwar zählt nur eine für die Wertung, ein schönes Schluss-Bouquet für die alpinen Skifahrer war das aber allemal. Sieben Medaillen haben sie zu den insgesamt 15 beigetragen, welche die Schweizer Delegation vor dem letzten Wettkampftag gewonnen hat.

Die Spiele in Südkorea sind damit ihre erfolgreichsten – erst einmal hatte die Schweiz so viele Medaillen geholt, 1988 in Calgary. Fünf goldene waren es damals, so viele wie diesmal. Nun aber gab es sechs statt fünf silberne. In den letzten 30 Jahren sind viele Bewerbe dazugekommen, hat sich die Anzahl Wettkämpfe von 46 auf 102 erhöht. Nur ist auch die Konkurrenz viel härter geworden. Es darf deshalb von sehr erfolgreichen Spielen gesprochen werden.

«Elf plus», elf Medaillen oder mehr, hatte die ambitionierte ­Vorgabe von Missionschef Ralph Stöckli gelautet. Anfangs schien es, als sei sie zu ambitioniert. Die Spiele in Pyeongchang begannen harzig für die Schweizer. Im Biathlon gelang kein Coup, Simon Ammann sprang nicht, wie sich das die Optimisten vorgestellt hatten, Trumpf Dario Cologna stach bei seinem ersten Einsatz nicht, die Abfahrt mit Beat Feuz wurde verschoben, in der Kombination der alpinen Skifahrer enttäuschten alle. Die Ungeduld wuchs. Erst das unterhaltsam zankende Mixed-Curling-Paar Jenny Perret und Martin Rios erlöste das Team mit seiner Silbermedaille. Und dann wurden es gar Festspiele.

Die erstaunlichsten Storys schrieben die Jungen

Das, weil Cologna über 15 km doch noch stach, Feuz mit Bronze in der Abfahrt die Pflicht erfüllte und im Super-G befreit zu Silber fuhr. Weil Galmarini bei seiner Goldfahrt ­seine Routine ausspielte. Sie alle sind 31. Ob sie in vier Jahren in ­Peking nochmals dabei sind, ist ungewiss. Doch das braucht Swiss Olympic nicht zu beunruhigen. Denn die grössten Geschichten schrieben die Jungen.

Wendy Holdener, 24, führte nach Silber im Slalom und Bronze in der Kombination die Schweiz zu Gold im Team-Wettbewerb. Der zweite, zwei Meter grosse Pfeiler, war ­Ramon Zenhäusern. Der 25-jährige Walliser düpierte im Slalom den Grossteil der Weltelite mit seinen Schwüngen zu Silber und verblüffte seine einstigen Trainer, die ihm wegen seiner Grösse von einer Karriere als Skifahrer abgeraten hatten. Noch nie war er zuvor im Weltcup auf dem Slalompodest gestanden. Michelle Gisin, 24, zeigte in der Kombination ihren besten Slalomlauf des Winters, bewies beim Goldlauf erstaunliche Reife.

Die Schweizer Curling-Crew spielte die Kanadier in der Partie um Bronze aus, 27 sind die Genfer im Durchschnitt. Ski-Künstlerin Mathilde Gremaud, gerade 18, hat den Grossteil ihrer Zukunft als Spitzenathletin ebenso noch vor sich wie Sarah Hoefflin, die sie im Slopestyle als Einzige überflügelte. Die Goldgewinnerin aus Genf ist zwar bereits 27, in dieser Sportart aber noch nicht lange dabei. Und dass im Skicross immer mit den Schweizern zu rechnen ist, bewiesen Marc Bischofberger, 27, und Fanny Smith, 25, mit Silber und Bronze. Pyeongchang waren Festspiele für die Schweizer, Peking 2022 kann kommen.

Erstellt: 24.02.2018, 21:18 Uhr

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