Finnischer Triumph, Colognas Leidenszeit

Iivo Niskanen gewinnt die 50 Kilometer der Langläufer. Dario Cologna als Neunter verpasst die Medaillen klar.

Chancenlos: Dario Cologna verpasst die Medaille im Marathon klar. (Video: SRF/Tamedia)
Video: Keystone

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Dario Cologna bleibt bei Winterspielen in der Königsdisziplin ohne Medaille. Der Münstertaler vermochte beim Triumph des Finnen Iivo Niskanen über 50 km klassisch nicht in den Kampf um die Medaillen einzugreifen und wurde Neunter.

Dass es für Cologna nicht für einen Podestplatz reichen würde, hatte sich schon früh angedeutet. Bereits vor Halbzeit hatte der 31-Jährige Mühe bekundet, den Anschluss an die Spitze zu wahren. Zwischenzeitlich sah es zwar kurz danach aus, als würde der viermalige Olympiasieger die Lücke schliessen können, auf der zweiten Streckenhälfte büsste der Schweizer jedoch zusehends an Terrain ein. Nach 27 km lag er bereits eine halbe Minute hinter dem Bronze-Platz zurück, innerhalb von 3 km wuchs der Rückstand gar um eine weitere Minute an.

Die Enttäuschung hält sich Grenzen

Cologna hatte sich vor dem Rennen selbst nicht als Topfavorit bezeichnet. Dass er derart früh aus der Medaillen-Entscheidung fiel, überraschte jedoch. Auch sein dritter Olympia-Auftritt über 50 km endete nach Platz 9 somit mit einer Enttäuschung, nachdem er sowohl 2010 als auch 2014 aussichtsreich im Medaillen-Kampf zu Fall gekommen war. Am Ende fehlten ihm 4:21 Minuten zu Gold und mehr als anderthalb Minuten zu Rang 3. Cologna zeigte sich vor der Kamera von SRF allerdings nicht niedergeschlagen. «Es geht nicht immer auf. Ich habe nach dem Wechsel zu viel Zeit und den Anschluss verloren. Es geht in Sachen Enttäuschung. Ich bin stolz auf meine Goldmedaille und meine Leistung hier», meinte der Bündner.

Die Olympischen Spiele in Südkorea wird Cologna gleichwohl in bester Erinnerung behalten, hat er doch über 15 km Skating mit einer überragenden Vorstellung seine vierte Olympia-Goldmedaille gewonnen. Einzig der Norweger Björn Dählie wurde häufiger als der Schweizer Einzel-Olympiasieger im Langlauf (sechsmal). Im Interview sagte der Bündner in Sachen Peking 2022, dass es zu früh sei, um eine Entscheidung zu fällen, ob er nochmals an Olympia starten werde oder nicht. Er werde aber auf jeden Fall an der nächsten WM in Seefeld starten.

Ein Rennen der Sonderklasse

Niskanen wurde seiner Favoritenrolle über 50 km klassisch vollauf gerecht und zeigte einen Auftritt der Sonderklasse. Der Finne führte das Rennen von Beginn weg an, schlug eine unglaubliche hohe Geschwindigkeit an und schüttelte so einen Konkurrenten nach dem anderen ab. Bei Halbzeit lag er noch gemeinsam mit dem Kasachen Alexej Poltoranin an der Spitze, dieser musste jedoch bald abreissen und sich von Alexander Bolschunow aus Russland ein- und überholen lassen.

Bolschunow schloss schliesslich gar zu Niskanen auf, verzichtete bei der letzten Gelegenheit auf einen Skiwechsel und übernahm so mit ein paar Sekunden Vorsprung die Führung. Der Finne liess sich jedoch nicht beirren und schloss die Lücke rasch. Im Finish verfügte er dann sowohl über die besseren Ski als auch über mehr Energiereserven.

Erneut an einem Grossanlass top

Während Niskanen im Weltcup verhältnismässig selten in Erscheinung tritt (erst zwei Siege und drei weitere Podestplätze), scheint der 26-Jährige für Grossanlässe wie gemacht zu sein. In Pyeongchang gewann er bereits sein zweites Olympia-Gold nach jenem vor vier Jahren im Teamsprint zusammen mit Sami Jauhojärvi. Seinen bis zu diesen Winterspielen grössten Erfolg hatte Niskanen vor einem Jahr bei den Heim-Weltmeisterschaften in Lahti gefeiert, als er über 15 km klassisch Weltmeister wurde.

Bolschunow verlässt Südkorea gleich mit vier Medaillen im Gepäck. Silber hatte er bereits mit der Staffel und im Teamsprint gewonnen, hinzu kommt Bronze im Einzel-Sprint. Am letzten Silvester ist der Aufsteiger der Saison aus Sibirien erst 21-jährig geworden – ihm gehört zweifelsohne die Zukunft.

Erstmals an diesen Spielen endete ein Langlauf-Wettkampf ohne einen Norweger auf dem Podest. Bester über 50 km wurde Martin Johnsrud Sundby - als Fünfter hinter dem drittplatzierten Andrej Larkow aus Russland sowie dem kanadischen Weltmeister Alex Harvey (4.).

Langlauf. Männer. 50 km klassisch:
1. Iivo Niskanen (FIN) 2:08:22,1.
2. Alexander Bolschunow (OAR) 18,7.
3. Andrej Larkow (OAR) 2:37,5.

4. Alex Harvey (CAN) 2:43,6. 5. Martin Johnsrud Sundby (NOR) 2:43,7. 6. Hans Christer Holund (NOR) 2:50,1. 7. Daniel Rickardsson (SWE) 3:50,4. 8. Martin Jaks (CZE) 4:10,5. 9. Dario Cologna (SUI) 4:21,1. 10. Emil Iversen (NOR) 4:36,9. Ferner: 15. Alexej Poltoranin (KAZ) 5:15,0. 31. Candide Pralong (SUI) 10:19,4. 45. Ueli Schnider (SUI) 14:55,2. - 60 klassiert.
(fal/sda)

Erstellt: 24.02.2018, 09:12 Uhr

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