Für Olympia die Berge höher bauen

In vier Jahren ist China olympischer Gastgeber. Das Land unternimmt viel, um eine Wintersportnation zu werden.

Nach den Spieln ist vor den Spielen: IOK-Chef Thomas Bach übergibt die Olympiafahne an Pekings Bürgermeister 
Chen Jining.

Nach den Spieln ist vor den Spielen: IOK-Chef Thomas Bach übergibt die Olympiafahne an Pekings Bürgermeister Chen Jining. Bild: Keystone

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In China gibt es 6600 Schneekanonen und 236 Sessellifte. Die beiden Zahlen verraten: Es gibt in diesem grossen Land mit 1,4 Milliarden Einwohnern nur mässig viele Skigebiete. Und diese leiden unter Schneearmut. Die Folge: China und der Skisport, das ist momentan das gleiche wie die Schweiz und Shorttrack. Keine grosse Liebe, nicht einmal eine Li­aison, eher mühsame Zweckbeziehung.

Doch die beiden müssen noch ein Weilchen miteinander ausharren, in vier Jahren ist Peking Gastgeber der Winterspiele. Es droht der Wintersportwelt also noch einmal ähnliches wie gerade in Pyeongchang. Braune Berge, leere Skitribünen, Stimmung wie an den FIS-Rennen, weil die Einheimischen nichts mit der Sportart anfangen können.

«Das ist ein Witz», sagte Ramon Zenhäusern nach seinem Slalomsilber über die Zielraumatmosphäre. Ähnliches muss sich der chinesische Staatschef Xi Jinping über die Skikultur seines Landes gedacht haben. Also hat er seinen Landsleuten Ziele aufgedrückt. Und bei ihm sind das nicht einfach Ziele: Es sind ­Befehle. 240 neue Skigebiete sollen bis 2022 erschlossen werden. 300 Millionen Chinesen sollen bis dann regelmässig auf Pisten und Eis dem Wintersport ­frönen – heute sind es 5 Millionen.

Skifahren als Schulfach

Jinpings Befehl ist ambitiös. Eine Studie zeigt: Nur 2 Prozent der Chinesen stehen nach ihrem ersten Ski-Erlebnis ein zweites Mal auf Ski. Also hat die ­Regierung mancherorts den Kindern das Skifahren als Schulfach aufgezwungen, Gratis­skipässe sollen zudem den Menschen den Schnee näherbringen.

Nur: Mit ein bisschen Begeisterung für den Schnee gibt es noch keine ­Medaillen. Schliesslich soll Olympia zum Schaufenster chinesischer Superiorität werden: China muss erfolgreich sein. An den Sommerspielen in Peking 2008 holte das Land 100 Medaillen, davon

48 goldene – niemand war erfolgreicher. Im Wintersport gab es seit 1980 genau 13 Goldmedaillen, eine davon an diesen Spielen. Wenn Medaillen gewonnen wurden, dann meist auf dem Eis. Nicht aber auf Schnee. Also hat die Regierung Massnahmen beschlossen und funktioniert reihenweise Sportler um. Roll­schuh­läufer werden zu Eiskunstläufern, Radfahrer zu Langläufern, Turner zu Snowboardern. Aus der Sommersport- soll eine Wintersportnation werden. Ob das klappt? Höchst fraglich.

Curling im Schwimmbad

Bezüglich der Infrastruktur sind die Chinesen im Plan. Sechs der zwölf Austragungsstätten bestehen bereits. In Peking werden viele Stadien der Sommerspiele 2008 übernommen. Die Eröffnungsfeier findet im Leichtathletikstadion statt. Im einstigen olympischen Schwimmbad wird Wasser zu Eis, hier soll 2022 Curling gespielt werden.

Die Organisatoren betonen, dass sie Synergien nutzen, um Kosten zu sparen. Die Worte können aber nicht davon ­ablenken, dass die Welt einmal mehr olympischen Gigantismus erleben wird. China will der Welt zeigen, wie toll es Häuser und Autobahnen bauen kann, wie toll es als Gastgeber ist. Das kostet Milliarden. Dass die Transportwege lang sind, dass die Luftverschmutzung hoch ist, dass es ohne viel Wasser und Schneekanonen nicht geht, wird ausgeklammert. Und dass die Gegend der Ski- und Snowboardwettkämpfe unter alarmierender Trockenheit leidet.

Teuer werden auch die komplett neu zu bauenden Anlagen für die alpinen Rennen. Dort scheint es ein Problem zu geben. Die Berge sind zu wenig hoch für eine Abfahrt. Also überlegt man sich, die Königsdisziplin in zwei Läufen auszutragen: Olympia am Idiotenhang. Eine Alternative gäbe es: die Berge höher bauen. Zuzutrauen wäre es den Chinesen.

Erstellt: 25.02.2018, 19:52 Uhr

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