Klotens Ersatzgoalie soll Kanada zu Olympia-Gold hexen

In der National League hat er noch keine Sekunde gespielt, nun ist er die grosse Hoffnung für das Mutterland des Eishockeys: Der Kanadier Kevin Poulin könnte eines der schönsten Kapitel dieser Spiele schreiben.

In Südkorea alles fest im Griff: Klotens Ersatzgoalie Kevin Poulin.

In Südkorea alles fest im Griff: Klotens Ersatzgoalie Kevin Poulin. Bild: Keystone

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From Zero to Hero: Schnell kann es an den Olympischen Spielen gehen und so war es auch bei Kevin Poulin. Als Kanadas Goalie Nummer 2 ins Turnier gestartet, hatte er in der Vorrunde gegen Südkorea gespielt und beim 4:0 einen logischen Shutout abgeholt. Für den Rest des Turniers schien aber sein Platz auf der Ersatzbank.

Bis zur 25. Minute des Viertelfinals gegen Finnland: Ben Scrivens, die klare Nummer 1, schied beim Stande von 0:0 mit Verdacht auf Gehirnerschütterung aus, Poulin wurde kalt zwischen die Pfosten beordert und stand sofort seinen Mann. Und dies bis zum Spielende: 15 Pucks stoppte er auf dem Weg zum 1:0, den Siegtreffer erzielte SC-Bern-Verteidiger Maxim Noreau (41.)


Der klassische Journeyman

So wenig wie dieses Mal hat die kanadische Bevölkerung seit 1994 nie mehr über ein Eishockey-Aufgebot gewusst, bei den letzten fünf Spielen waren immer die NHL-Superstars dabei. Auf der Suche nach neuen Helden ist seit Mittwoch für das eishockeyverrückte Land auch Kevin Poulin ein Begriff. Lange hatte der Mann aus der Provinz Québec keine Spuren hinterlassen, in fünf verschiedenen Spielzeiten für die New York Islanders totalisierte er nur gerade 52 NHL-Spiele, ansonsten war er mehrheitlich in der AHL tätig. Er entsprach dem Bild des klassischen «Journeyman», eines Spielers, der nirgends sesshaft wird und schon gar nirgends nachhaltige Spuren hinterlässt.

Hätte jemand vor eineinhalb Jahren Poulin diese Entwicklung prognostiziert, dieser hätte ihn für verrückt erklärt. Er begann die Saison 2016/17 bei den Laval Predators in der Ligue Nord-Américaine de Hockey – viel tiefer kann man als Profi nicht mehr fallen. Bald darauf wechselte er nach Kasachstan in die KHL, auf die neue Saison hin zu Medvescak Zagreb. Der kroatische Spitzenclub kehrte aus der KHL in die österreichische Liga zurück. Für den Spengler-Cup wurde er ins Team Canada berufen, wo verfügbare Goalies knapp waren.

Mit einem starken Turnier in der Altjahreswoche empfahl er sich: Für weitere Einsätze im Nationalteam sowie für eine bessere Liga. Am 14. Januar wechselte er darum in die National League zum EHC Kloten – wo eine im Training erlittene Verletzung prompt seine Olympia-Nomination gefährdete. Das Okay der kanadischen Ärzte kam erst kurz vor Turnierbeginn.


Unglaubliche Bilanz mit dem Team Canada

Sobald er in dieser Saison das Jersey der «Ahornblätter» überstreifte, war Poulin nicht mehr zu stoppen. Er gewann 7 von 8 Partien, liess im Schnitt nur 0,88 Gegentore zu und parierte 96,6 Prozent aller Schüsse. «Er hat unsere Hoffnungen erfüllt, er war sofort da, als es zählte.»

Während sich die mit der Schweizer Nationalmannschaft gescheiterten Vincent Praplan und Denis Hollenstein sowie die übrigen Kadermitglieder des EHC Kloten auf die fast bedeutungslosen restlichen Spiele der Regular Season vorbereiten, wird sich Kevin Poulins Rückkehr verzögern. Er will in Südkorea noch zwei weitere Kapitel schreiben, am Freitag zunächst gegen die überraschenden Deutschen (13.10 MEZ).

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.02.2018, 21:26 Uhr

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