Gold bereits vor Augen

Die Schweizer Halfpipe-Fahrer überzeugen, doch von der Spitze sind sie zu weit entfernt. Ihr Blick gilt dem Morgen.

Pat Burgener wird Fünfter in einem unverschämt hochkarätigen Halfpipe-Final.

Pat Burgener wird Fünfter in einem unverschämt hochkarätigen Halfpipe-Final. Bild: Keystone

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Kurz vor sieben Uhr morgens stehen Pat Burgener und Jan Scherrer auf und machen zusammen eine halbe Stunde Yoga, dann gehen sie auseinander. Der Halfpipe-Final schleicht schon Stunden vor dem Wettkampf in ihre Körper. Die Nervosität des anderen ist für beide eine zu viel, die eigene reicht.

Jeder frühstückt für sich, jeder will ohne den anderen auf den Schnee. Fünf Stunden und drei Halfpipe-Läufe später lachen beide, sie wissen: Wir haben das gemacht, was wir können. Das mag etwas bieder klingen, doch für die Beiden hat diese Erkenntnis viel. Sie wissen nun, sie sind am Tag X bereit, sie bringen ihre über Jahre erlernten Tricks – und stehen sie.

Druckablass und «ein, zwei Ausgänge»

Das Resultat: Fünfter (Burgener) und Neunter (Scherrer) in einem unverschämt hochkarätigen Halfpipe-Final. Die Fahrer zeigen eine faszinierende Mischung aus Kunst und Akrobatik, eingepackt in einer vollen Arena. «Die Atmosphäre war fantastisch. Von oben sah es aus wie ein Fussballstadion», sagt Scherrer. «Geil, einfach nur geil», sagt Pat Burgener, hinter ihm lärmen die Schweizer Snowboard-Frauen: «Patrick, mach einen Trick.» Burgener hat zuvor alles, was er hat, rein- und dann weggeworfen. Nach seinem dritten und besten Lauf landet sein Helm in der Menge, das Brett fliegt davon.

Burgener zappelphilippt herum und trifft dann auch noch auf IOK-Präsident Thomas Bach. «Er ist der Boss des Ganzen hier. Er sieht uns wie seine Kinder. Es ist egal, wer er ist, Hauptsache er hat die gleiche Passion zum Sport wie wir.» Burgener spricht in wilden Fragmenten, der Moment hat ihn. Ein Moment auch, in dem der über vier lange Monate aufgebaute Druck entweicht. «Ein, zwei Ausgänge werde ich mir nun schon geben.»

Fünfter also. Hinter den drei Übergrössen White, Hirano und James. Burgener wusste vor dem Wettkampf, wenn keiner dieser Leute stürzt, wird es sehr eng für ihn. Dass der Amerikaner Ferguson noch vor ihm landete, versteht er nicht: «Unglaublich, dass die Judges so entschieden.» Der Frust darüber ist sogleich wieder weg. Burgener, der eigentlich nach Korea aufhören wollte, denkt bereits an das Morgen. In Peking 2022 will er ganz vorne sein – und: «Ich will Gold an der WM gewinnen und Gold an den X-Games.»

Das Phantom Podladtchikov

Nur, in seiner Trickkiste fehlt es an Schwierigkeit, darum ist heute auch der Weg auf das Podest blockiert. Kann er das Defizit aufholen? Burgener reisst die Augen auf: «Sicher! Vor vier Jahren war ich nirgends, bin nicht einmal Halfpipe gefahren. Und wo stehe ich jetzt?»

Burgener ist heute der Beste vom Rest. Nationaltrainer Pepe Regazzi sagt, der 23-Jährige habe alles, um in vier Jahren vorne dabei zu sein. Der Trainer hofft, dass sich sein Sport bis dann etwas von seinem akrobatischen Fokus entfernt und wieder etwas kreativer wird: Heisst, nicht noch schwerere Tricks, sondern mehr Abwechslung und Style. Dinge, die vor allem dem Freigeist Burgener liegen. Seine grösste Gabe ist sein Style.

Bleibt an diesem Tag die Frage, was heute Iouri Podladtchikov, der grosse Abwesende, gemacht hätte. In Anbetracht seiner Tricks und seiner monatelangen Verletzungspause sagt Nationaltrainer Regazzi: «Rang 3 wäre sicher realistisch gewesen.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.02.2018, 07:51 Uhr

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