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Perfektionist beugt sich Perfektionist

Kariem Husseins Karriere stagniert. Mit dem Trainerwechsel zu Laurent Meuwly will der WM-Hürdenfinalist diese neu lancieren. Diesen Freitag tritt er in Doha am Diamond-League-Meeting an.

Kariem Hussein will zurück auf das EM-Podest. Dafür startet er auf den 400 m so früh wie nie in die Saison. Foto: Urs Jaudas
Kariem Hussein will zurück auf das EM-Podest. Dafür startet er auf den 400 m so früh wie nie in die Saison. Foto: Urs Jaudas

Er hatte sich seinen Plan zurechtgelegt. Nach dem Abschluss seines Medizin­studiums im kommenden August wollte sich Kariem Hussein einer Trainingsgruppe in den USA oder Australien anschliessen. So sagte er das im Umfeld von Weltklasse Zürich, wo er eine zwiespältige Saison mit der Egalisierung seiner Bestzeit über 400 m Hürden bei letzter Gelegenheit noch rettete. An der WM in London war er zuvor weit unter seinen Möglichkeiten geblieben, mit viel Glück aber doch noch in den Final gerutscht und Achter geworden. Die Gründe für seine inkonstanten Leistungen während der ganzen Saison kannte er nicht. Aber immerhin: WM-Achter und Bestzeit.

Der Gedanke kam ihm erst später und hatte nicht mehr viel mit seinem ursprünglichen Plan zu tun. Als Hussein im Frühherbst in Kalifornien in den ­Ferien weilte, realisierte er plötzlich, «dass ich nicht mehr zu 100 Prozent hinter Flavio stehe», sagt der 29-Jährige und meint seinen Trainer. «Wenn bei mir ein solcher Gedanke aufkommt, dann muss ichs durchziehen.» Vorstellbar war ein solcher Schritt – die Trennung von ­Flavio Zberg – für kaum jemanden. Fast wie Zwillinge waren die beiden in den Leichtathletikstadien unterwegs.

Mit Lea Sprunger in der Gruppe

Zberg hatte aus dem einstigen Thurgauer Fussballer einen Filigrantechniker über den Hürden gemacht und ihn nach nur fünf Jahren spezifischen Trainings zu Gold an der Heim-EM 2014 geführt. «Nun aber spürte ich, dass ich neue Reize brauche, einen Wechsel», sagt Hussein ohne jede Kritik an Zberg, zu sehr waren und sind sie noch immer Freunde. Seinen Plan mit der ausländischen Trainingsgruppe schob er beiseite, solange er studierte, war er ohnehin an Zürich gebunden. Und er kontaktierte Laurent Meuwly, den Romand, der seine Trainingsbasis in Lausanne und mit Lea Sprunger bereits eine Weltklasse-Hürdenläuferin in seiner Gruppe hat.

Ein halbes Jahr ist die Zusammenarbeit nun alt, aber es war nicht so, dass Meuwly sofort zugesagt hätte. Er war überrascht von der Anfrage und wollte die Sache überdenken, er ist auch Cheftrainer Sprint und Hürden bei Swiss Athletics. Die Zusage knüpfte er dann an Bedingungen: Langfristigkeit und Teilnahme an allen Trainingslagern. Meuwly ist bekannt für eine harte Linie, für seine konsequente Haltung, sein Leistungsdenken, ein bisschen dabei sein gibt es bei ihm nicht. Unter anderem deswegen kam es vor zwei Jahren zum Bruch mit Mujinga Kambundji als Staffelläuferin. Die Leaderin wollte die Unterordnung und der Trainer den Kompromiss nicht. Dass er aber gerne mit Frauen arbeitet, daraus macht Meuwly kein Geheimnis. Er ist der Ansicht, die Schweizer Leichtathletinnen übertrumpften ihre männlichen Kollegen um Längen, weil sie viel zielgerichteter und leistungsorientierter trainierten.

Fokus auf der Sprinttechnik

Diese Eigenschaften dürfte er allerdings auch bei Hussein ausmachen. Dieser ist Perfektionist wie Meuwly – und er beugte sich ihm. So scheint Hussein ­gefunden zu haben, wonach er suchte. In den elf gemeinsamen Trainings­wochen vorab in Südafrika setzte Meuwly neue Reize und geriet der Athlet in ein völlig neues ­Umfeld. «Wir machen nicht komplett alles anders, wir arbeiten an Nuancen. Aber Laurent legt den Schwerpunkt mehr auf den Sprint, die Sprinttechnik, schneller starten, schneller auf Zug kommen», sagt er. Genau dies ist Lea Sprungers Stärke. Profitieren können beide voneinander, denn eine begnadete Technikerin war sie noch nie.

Der Start heute in Doha soll eine Standortbestimmung sein, so früh in der Saison ist Hussein die ganze Bahnrunde noch nie wettkampfmässig gelaufen. Schon gar nicht auf höchster Stufe. Fernziel ist das EM-Podest – und die Qualifikation für das Saisonfinale bei Weltklasse Zürich. Der Perfektionist will nicht wie vergangenes Jahr auf eine Wildcard angewiesen sein.

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