Abruptes Ende des Glücks in Gelb

Tour-Leader Fabian Cancellara brechen wie schon im April bei einem Massensturz zwei Lendenwirbel-Fortsätze. Er fällt lange aus.

«Zurück im Pech»: Fabian Cancellara stürzt, verliert das Leadertrikot, bricht die Tour ab und verpasst wohl auch sein letztes Karriereziel, den WM-Titel. Foto: Eric Gaillard (Reuters)

«Zurück im Pech»: Fabian Cancellara stürzt, verliert das Leadertrikot, bricht die Tour ab und verpasst wohl auch sein letztes Karriereziel, den WM-Titel. Foto: Eric Gaillard (Reuters)

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Am späten Montagabend bestätigten die Ärzte, was Fabian Cancellara wohl schon gespürt hatte: Er hat im Bereich des unteren Rückens einen Bruch zweier Fortsätze der Lendenwirbel erlitten. Der 34-Jährige kennt das Gefühl nur zu gut, es ist die gleiche Verletzung, die er sich schon im April zugezogen hatte. Damals waren die Lendenwirbel L3 und L4 rechts betroffen, nun L2 und L3 links.

Damals wie gestern war der Berner machtlos, konnte den Sturz nicht ­vermeiden, weil im Peloton bei hohem Tempo (es war von 80 Stundenkilometern die Rede) eine ganze Reihe von Fahrern zu Boden gegangen war. Cancellara fuhr etwas weiter hinten, sah deshalb die Stürze und versuchte noch, selber einen zu vermeiden, indem er auf den grasbewachsenen Abhang am Strassenrand zuhielt. Doch der Trek-Fahrer ­touchierte einen vor ihm Gestürzten, machte einen Überschlag über den Lenker und landete heftig auf dem Rücken.

«Zurück im Pech»

Im Gegensatz zum Sturz am E3 Harelbeke im April fuhr er dieses Mal noch ins Ziel, was wohl auch damit zu tun hatte, dass er das gelbe Leadertrikot trug, zum 29. Mal an der Tour de France. «Wir hatten im Team diese Saison viele Stürze und Verletzungen. Nun hatten wir mit meinem Leadertrikot endlich einmal 24 tolle Stunden. Aber jetzt sind wir zurück im Pech», liess sich Cancellara zitieren.

Er wird logischerweise heute nicht zur Pavé-Etappe starten, sondern so bald als möglich heimreisen und mit der Rehabilitation beginnen. Die physischen Schmerzen werden wohl bald abklingen, ganz im Gegensatz zu den psychischen. Denn die neuerliche Verletzung dürfte einen letzten Angriff auf sein grosses verbliebenes Karriereziel, den Strassen-WM-Titel, verunmöglichen. Geht man von den neun Wochen Rennpause aus, die er nach dem Sturz im April einlegte, könnte er erst drei Wochen vor dem WM-­Rennen in Richmond, Virginia, wieder eingreifen – womit definitiv zu wenig Zeit bliebe, um sich für so eine Prüfung in Topform zu fahren. In Cancellaras ­Abschiedssaison 2016 findet die WM in Katar statt, auf einem Parcours, auf dem sich der Berner keine Chancen ausrechnen darf.

Er war nicht das einzige Opfer, vier Fahrer gaben nach dem Massensturz auf der Stelle auf. Mit dem Gesamtdritten Tom Dumoulin und Simon Gerrans erlitten zwei mit bekannten Namen einen Schlüsselbeinbruch. Viele weitere kamen verwundet im Ziel an. Ob des Ausmasses und der Schwere der Stürze entschied sich Tour-Direktor Christian Prudhomme zu einer aussergewöhnlichen Massnahme: Er neutralisierte das Rennen, stoppte das Feld während rund 20 Minuten. Es war erst das fünfte Mal, dass an der Tour de France dieses Mittel ­ergriffen wurde, letztmals 1998.

Froome: Zweiter und Leader

Als es im Finale dann um den Etappensieg und den dritten Gesamtleader dieser Tour ging, wurde der grosse Sturz für einen Moment ausgeblendet. Auch da blieben die Überraschungen nicht aus. So musste der letztjährige Gesamtdritte Thibaut Pinot schon an der vorletzten Steigung die Konkurrenz ziehen lassen, der Franzose verlor 1:33 Minuten.

Noch vor Pinot wurde IAM-Captain Mathias Frank distanziert, er büsste fast zwei Minuten ein. Auch die ganz grossen Namen hatten ihre Mühe, allen voran ­Alberto Contador, der 18 Sekunden auf Etappensieger Joaquim Rodríguez einbüsste. Das wäre für Contador zu verschmerzen gewesen, sein Landsmann gilt nicht als sein grösster Konkurrent. Sehr wohl aber Chris Froome, der mit dem Flèche-Wallonne-Sieger von 2012 mithielt, Zweiter wurde und von Cancellara das Trikot übernahm. «Ob ich der Stärkste bin? Es ist noch zu früh, das zu sagen, es ist ja bisher schon so viel passiert», sagte der Brite, der nicht erwartet hatte, so früh schon das Leadertrikot zu übernehmen, erstmals wieder seit seinem Gesamtsieg 2013.

Erstellt: 06.07.2015, 23:05 Uhr

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