«Armstrong wurde bei der Tour de Suisse positiv getestet»

Aussagen von Tyler Hamilton und Recherchen einer US-Fernsehsendung erhärten den Verdacht, dass eine positive Dopingprobe des Amerikaners an der Tour de Suisse 2001 vertuscht wurde.

Wird von ehemaligen Teamkollegen belastet: Lance Armstrong an der Tour der Suisse 2001.

Wird von ehemaligen Teamkollegen belastet: Lance Armstrong an der Tour der Suisse 2001. Bild: Keystone

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Warum, so wurde Tyler Hamilton vom CBS-Reporter Scott Pelley gefragt, sei es möglich, dass sein langjähriger Teamkollege Lance Armstrong noch nie positiv getestet wurde. Das stimme nicht, antwortete Hamilton, der seit seiner Einvernahme durch Dopingfahnder Jeff Novitzky vor der Grand Jury ein geständiger Dopingsünder ist. «Ich weiss, dass er einen positiven Test hatte – auf Epo, bei der Tour de Suisse 2001.»

Es war die brisanteste Aussage im gross angekündigten, mit Spannung erwarteten Interview der CBS-Sendung «60 Minutes» mit dem Olympiasieger im Zeitfahren von 2004, das am Sonntagabend in den USA ausgestrahlt wurde. Wie die andern Anschuldigungen (systematisches Doping mit Epo und andern verbotenen Substanzen, Blutaustausch) gegen den siebenfachen Tour-de-France-Sieger, der von sich behauptet, nie gedopt zu haben, war auch dieser Vorwurf bereits im Vorfeld an die Öffentlichkeit gelangt. Floyd Landis, dessen Beichte vor einem Jahr Schlagzeilen machte, hatte auch davon gesprochen. Dummerweise hatte er dabei die Jahreszahlen verwechselt und von 2000 statt 2001 gesprochen. Weshalb sich der Vorwurf leicht widerlegen liess.

Der Brief aus Lausanne

Hamilton wurde konkreter. Wie er davon erfahren habe, wurde er gefragt. «Er hat es mir selber gesagt. Er war dabei völlig locker, sagte es nur so nebenbei und machte sich lustig darüber», antwortete er. Sie hätten danach darüber gesprochen und er sei zum Schluss gekommen: «Die Leute haben sich darum gekümmert. Ich kenne nicht alle Details, aber ich weiss, dass die Leute von Lance und die der andern Seite, vom Weltverband, einen Weg gefunden haben, um da rauszukommen.»

Untermauert wird diese Aussage durch die Recherche der «60 Minutes»-Reporter. Sie seien im Besitz eines Briefes des Dopinglabors von Lausanne an die amerikanische Anti-Doping-Agentur. Darin werde erklärt, dass Armstrongs Probe von der Tour de Suisse 2001 «verdächtig» und «übereinstimmend mit der Verwendung von Epo» gewesen sei. Sie hätten zudem erfahren, dass der Direktor des Labors bei einer Untersuchung des FBI eine eidesstattliche Erklärung mit schweren Anschuldigungen abgegeben haben soll. Darin halte Martial Saugy (der das Labor seit 1990 leitet, dessen Namen aber nicht erwähnt wird) fest, dass der Weltverband UCI ein Treffen mit Armstrong und dessen Teamchef Johan Bruyneel arrangiert habe, bei dem über das Testverfahren gesprochen worden sei und ein Vertreter der UCI zu verstehen gegeben habe, dass der Test nicht weiterverfolgt werde. Wenig später trafen 25 000 Dollar, dann weitere 100 000 von Armstrong bei der UCI ein.

Die Zuverlässigkeit der Quellen

Die Dementis nach Hamiltons Anschuldigungen liessen nicht auf sich warten. «Es hat niemals Vertuschungen gegeben», sagt Hein Verbruggen, der damalige UCI-Präsident. Der aktuelle Tour-de-Suisse-Direktor Rolf Huser erklärt, nichts zu wissen. Die UCI hat schon vor einem Jahr alles dementiert. Martial Saugy darf sich nicht äussern. Vor einem Jahr hatte er gegenüber der NZZ erklärt, im Archiv liesse sich keine positive Probe aus dem Jahr 2001 finden. Armstrongs Anwalt Mark Fabiani blieb sich treu und blies zum Gegenangriff. Er warf der CBS «fehlende journalistische Fairness» vor. Sie würden Sensationsgier über die Verantwortung stellen. Man habe «zweifelhafte Quellen» gewählt und Armstrongs 500 saubere Tests nicht berücksichtigt.

Als «zweifelhafte Quelle» liesse sich George Hincapie auch von Fabiani nicht bezeichnen. Laut CBS hat der BMC-Fahrer die Aussagen von Hamilton vor der Grand Jury bestätigt. Er war Armstrongs bester Freund und bei allen sieben Tour-Siegen des Texaners dabei. Er wollte der Sendung «60 Minutes» kein Interview geben. Er wolle nichts sagen, was mit laufenden Ermittlungen zu tun hat, und er habe nie mit CBS gesprochen. Armstrong twitterte: «Wir sind zuversichtlich, dass die Hincapie zugeschriebenen Äusserungen unzutreffend und die Berichte über seine Aussage nicht zuverlässig sind.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.05.2011, 08:52 Uhr

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