Auf unheiliger Mission

Alberto Contador will heuer den Giro d’Italia und die Tour de France gewinnen. Ob das sauber möglich ist?

Der erfolgreichste aktive Radprofi: Alberto Contador. Foto: Vincent Kalut (EQ Images)

Der erfolgreichste aktive Radprofi: Alberto Contador. Foto: Vincent Kalut (EQ Images)

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Alberto Contador lächelt sein bübisches Lächeln, er könnte problemlos ein ­Neoprofi sein, der mit grossen Augen den Giro d’Italia für sich entdecken will. Der Madrilene scheint die jahrelange Askese spurlos überstanden zu haben, sein ­Gesicht ist so jungenhaft wie eh, jedenfalls deutet nichts darauf hin, dass ­dieser Mann bereits 32 ist und mit diesem Giro seine 13. Grand Tour bestreitet.

Die Hälfte dieser Rennen hat er ­gewonnen, sogar eines mehr, doch der Giro-Sieg 2011 wurde ihm aberkannt, weil er während jener Zeit eine ­Dopingsperre hätte absitzen müssen.

Kein anderer aktiver Radprofi hat nur ansatzweise so ein Palmarès. Insofern erscheint es nur logisch, dass sich Contador neue Ziele suchte: Er wagt sich heuer an das Double, will den Giro und die Tour de France gewinnen.

Hinault als Einziger unbefleckt

Das ist kein Ding der Unmöglichkeit, sieben Fahrern ist das in der Radgeschichte insgesamt 12 Mal gelungen. Und trotzdem hat diese Herausforderung einen unschönen Beigeschmack: Bernard Hi­nault (Doubles 1982, 85) war als Einziger der sieben Fahrer nie des Dopings überführt oder angeschuldigt worden.

Die anderen? Fausto Coppi (1949, 52) fuhr zu einer Zeit, als Hilfsmittel üblich waren. Jacques Anquetil (1964) wurde wohl als Stilist gerühmt, konnte aber auch so formvollendet pedalieren, weil er meisterhaft zu dopen wusste. Eddy Merckx (1970, 72, 74) wurde wegen Dopings von einem Giro ausgeschlossen, wurde weitere Male in seiner Karriere ­positiv getestet. Stephen Roche (1987) wurde nie erwischt, arbeitete aber eng mit dem Epo-erfahrenen Arzt Francesco Conconi. Gleiches galt für ­Miguel Indurain (1992, 93). Als Letztem gelang das Double Marco Pantani 1998. Ein Jahr später wurde er wegen unregelmässiger Blutwerte vom Giro ausgeschlossen.

Auf diesen Aspekt mag Contador am Abend vor dem Giro-Start nicht ­ein­gehen. Er zählt dafür mehrere andere Gründe für die Herausforderung auf: So reize ihn nun – anders als in der Vergangenheit – die Tour als alleiniges Ziel nicht mehr. Das dürfte auch sehr direkt mit ­seinem Teamchef zusammenhängen: Oleg Tinkow wollte im Winter ­Contador und seine grössten Gegner Chris Froome, Vincenzo Nibali und Nairo Quintana dazu bewegen, alle drei Grands Tours zu ­bestreiten, indem er dem Quartett im Fall einer gemein­samen Teilnahme an allen drei Rennen eine Million Euro versprach. Keiner der Fahrer ging darauf ein – wohl auch aus dem oben ausgeführten historischen Grund.

Das Hintertürchen des Chefs

Nun soll Alberto Contador für seinen Chef ­beweisen, dass zumindest zwei Siege möglich sind – und wer weiss, wie er sich im August vor der Vuelta in der Heimat entschiede, sollten die ­ersten zwei Rundfahrten ein Erfolg gewesen sein.

Wobei Tinkow seinem Star bereits vor dem Teamzeitfahren zum Start heute in Sanremo ein Hintertürchen geöffnet hat. Beim Giro, wo die Konkurrenz ­kleiner ist – und Contador entsprechend der klare Favorit –, ist für den Russen nur der Sieg gut genug. Bei der Tour könnte er sich wegen der Konkurrenz von Froome und Nibali auch mit einem zweiten Platz zufriedengeben, liess der stets wortreiche Selfmade-Millionär kürzlich verlauten.

Dass sein gut bezahlter Star zumindest beim ersten seiner Saisonziele reüssiert, ist sehr realistisch. Keiner seiner ärgsten Konkurrenten hat je eine Grand Tour gewonnen. Zudem werden sie ­vergebens auf einen defensiv, sprich kraftsparend, agierenden Contador ­hoffen. «Ich muss und will attackieren», sagt dieser. «Gross kalkulieren kannst du in so einem Rennen nicht. Ich konzentriere mich 100 Prozent auf den Giro. Dann schauen wir weiter.»

Erstellt: 09.05.2015, 00:23 Uhr

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