Bergauf mit den Österreichern

Die Nachbarn sind wieder wer im Rad. Doch in ihrer Heimat nimmt man davon noch nicht so richtig Notiz.

Tempojagd Richtung Ziel in Gansingen: In der 3. Etappe der Tour de Suisse wurden alle Ausreisser gestellt. Foto: Arthur Vichot (Imago)

Tempojagd Richtung Ziel in Gansingen: In der 3. Etappe der Tour de Suisse wurden alle Ausreisser gestellt. Foto: Arthur Vichot (Imago)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nach drei Jahren gibt es keinen Grund mehr, über Österreich die Nase zu rümpfen. Als Infront-Ringier auf die Saison 2015 die Organisation der Tour de Suisse übernahm, schloss sie als eine ihrer ersten Handlungen einen Vertrag mit Sölden ab. Einerseits weil die ­Tiroler als Etappenort gutes Geld boten. Andererseits als Augenöffner für die Schweizer Bergdestinationen, die sich nicht um die Landesrundfahrt geschert hatten. Dreimal fand die Königsetappe hinauf zum Rettenbachgletscher statt, dreimal stiess sie auf sehr wenig Interesse.

Für Stefan Denifl allerdings waren diese Etappen jeweils ein Höhepunkt. 2015 fehlten dem Tiroler knapp zwei ­Kilometer zum Coup.

Die Söldener, so muss man aus heutiger Sicht sagen, waren in ihrem Engagement etwas zu visionär: Die einheimischen Fahrer haben erst jüngst eine enorme Entwicklung durchgemacht, mittlerweile gibt es Österreicher, die tatsächlich bei einer solchen Bergetappe um den Sieg mitfahren könnten.

An der Tour de Suisse sind fünf Österreicher am Start, bergauf muss man vor allem Denifl und Patrick Konrad erwähnen. Der Niederösterreicher Konrad hat bemerkenswerte Wochen hinter sich. Unermüdlich kletterte er am Giro drei Wochen lang mit den grossen Tenören mit, erreichte Rom als Gesamtsiebter. «Ich wurde nicht knapp Zehnter, sondern fuhr vorne rein», hält er fest. Reicht es nun in der Schweiz noch einmal für einen Exploit? Er winkt nicht ab, sagt aber: «Die Beine sind schon noch schwer. Ich muss nun im Kopf frisch bleiben.» Nach der Rundfahrt folgt eine verdiente Pause.

Freie Fahrt nur ohne Sagan

«Wenn ich mich mal voll auf die Tour de Suisse vorbereitet hätte, wäre Sölden jeweils schon etwas gewesen», sagt Konrad noch. Tat er aber nicht – ganz so frei ist er in seiner Wahl des Saisonprogramms nicht. Konrad fährt für Bora-Hansgrohe, das deutsche Team um Peter Sagan. Und steht der Weltmeister im Aufgebot – wie stets an der Tour de Suisse –, stellen sich alle Kollegen in seine Dienste.

Beim deutschen Worldtour-Team sind gleich vier Österreicher unter Vertrag. Ihren grössten Erfolg lieferte voriges Jahr Lukas Pöstlberger am Giro. Auf der ersten Etappe düpierte er die Sprinter und schnappte sich die Maglia rosa.

Die Erfolge kommen zehn Jahre nach jenem Skandal, der den österreichischen Radsport erschütterte: Bernhard Kohl hatte an der Tour de France das Trikot des besten Bergfahrers gewonnen, wurde dann aber des Dopings überführt.

«Die richtigen Radlfans blieben uns auch nach Kohl treu. Aber in den Medien hiess es schon: Das sind alles Doper», sagt Denifl. Vergangenes Jahr, nach seinem Etappensieg an der Vuelta, spürte er aber eine Veränderung: «Daheim in Innsbruck wurde ich plötzlich überall angesprochen.» Die Leute hatten ihn auf Eurosport gesehen – der ORF überträgt keine Rennen. «Rad boomt als Breitensport. Jetzt müssen wir es schaffen, dass die Hobbyfahrer sich auch für uns Profis interessieren», sagt Konrad.

Und im Herbst die Heim-WM

Vielleicht kommt die endgültige Trendwende im Herbst? In Denifls Heimatstadt findet die Rad-WM statt, geplant ist ein geradezu brutaler Parcours mit Höhenmetern en masse. Genau das Richtige für die neue Generation einheimischer Fahrer. «Das ist schon so. Es ging bei der Streckenwahl aber wohl vor allem darum, dass die Welt Tirol mit Bergen verbindet», sagt Denifl. Trotzdem: Das Heimspiel ist für ihn eine grosse Motivation.

Das gilt auch für Patrick Konrad. Richtig befassen will er sich mit seinem zweiten Saisonhöhepunkt aber erst nach seiner Pause. «Dann überlege ich mir, wie ich dafür in Form komme.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.06.2018, 14:02 Uhr

Artikel zum Thema

Ein Däne düpiert die Sprinter, Küng bleibt Leader

Mit dem überraschenden Sieg von Christopher Juul-Jensen, einem Teamkollegen Michael Albasinis, geht in Gstaad die 4. Etappe der Tour de Suisse zu Ende. Stefan Küng verteidigt sein Leadertrikot erfolgreich. Mehr...

Backen rot, Trikot gelb

Stefan Küng verteidigt beim Heimspiel sein Leadertrikot an der Tour de Suisse, muss dafür aber investieren. Mehr...

Hohe Bilder

Stefan Denifl.

Patrick Konrad.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Geldblog Teilzeitarbeit wird zur Vorsorgefalle

Mamablog Tigerhai-Mama am Beckenrand

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Baum fällt: Eine Frau geht an einem Baum vorbei, der während eines Sturms in Kiew umgeknickt ist. (16. August 2018)
(Bild: Valentyn Ogirenko) Mehr...