Hintergrund

Cancellara ist reif für den Stunden-Weltrekord

Fabian Cancellara plant, im nächsten Jahr den Weltrekord für die längste Strecke in einer Stunde zu knacken – aber er ist nicht der einzige Radprofi, der dieses Vorhaben hat.

«Es braucht die Hochform von der Strasse und zwei Wochen Zeit für die spezifische Vorbereitung auf der Bahn»: Das Erfolgsrezept, um laut Fabian Cancellaras Teamchef Luca Guercilena den Rekord zu schlagen.

«Es braucht die Hochform von der Strasse und zwei Wochen Zeit für die spezifische Vorbereitung auf der Bahn»: Das Erfolgsrezept, um laut Fabian Cancellaras Teamchef Luca Guercilena den Rekord zu schlagen. Bild: Keystone

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Die Operation Stunden-Weltrekord läuft. In Interviews mit Cyclingnews.com und der «Gazzetta dello Sport» bestätigte Luca Guercilena, der Teamchef und Trainer von Fabian Cancellara, dass der 32-jährige Berner während des Trainingslagers im Süden Spaniens erste Tests auf der Betonrennbahn von Valencia durchgeführt hat. In der Mannschaft, die nicht mehr Radioshack Leopard, sondern Trek Factory Racing heisst und allein vom Fahrradhersteller getragen wird, ist Cancellara der wichtigste Fahrer. Der 42-jährige Vuelta-Sieger Chris Horner erhielt keinen Vertrag mehr und ist weiterhin auf der Suche nach einem neuen Team. Er bietet sich zum Dumpingpreis an: 750'000 Euro statt der 1,5 Millionen, die ein Grand-Tour-Sieger in seinen Augen wert ist.

Zwei Daten stehen für die Verbesserung des Weltrekordes von 49,700 Kilometern, den Ondrej Sosenka am 19. Juli 2005 in Moskau aufgestellt hat, zur Diskussion. Ende April oder Anfang August – zwei Wochen nach Ende der Classique-Saison im Frühling oder zwei Wochen nach Abschluss der Tour. «Es braucht die Hochform von der Strasse und zwei Wochen Zeit für die spezifische Vorbereitung auf der Bahn», sagt Guercilena.

Das seit dem Ende des letzten Jahrhunderts geltende neue Reglement, das die in den Neunzigerjahren mit aerodynamischen Hightechmaschinen erzielten Rekorde von Chris Boardman (56,375 km), Tony Rominger (55,291 km), Miguel Indurain (53,040 km) und Graeme Obree (52,713 km) zu Bestleistungen degradierte, lässt für den Stunden-Weltrekord nur noch klassische Bahnräder mit Dreiecksrahmen, gewöhnlichem Rennlenker und Speichenrädern zu. Das bedeutet, dass sich die Position im Vergleich zu den Zeitfahren verändert. Ausserdem erfordert die Bahn einen etwas anderen Tritt. Laut Guercilena entspricht eine Stundenleistung von 50 km auf der Bahn 52 Kilometern mit dem Zeitfahrvelo auf der (flachen) Strasse.

Mexiko statt Grenchen

Die ursprüngliche Idee, den Rekord auf der Heimbahn in Grenchen anzupassen, wurde fallen gelassen. Bei der Suche nach der schnellsten Bahn kam Guercilena auf Aguascalientes in Mexiko (mit dem Vorteil der Höhenlage von 1800 m ü. M.), wo der Franzose François Pervis kürzlich den Kilometer-Weltrekord pulverisierte, und Anadia in Portugal.

Guercilena ist überzeugt, dass Cancellara den Rekord in den Beinen hat, auch wenn für ihn die Zeitfahren in den letzten Jahren ein wenig in den Hintergrund gedrängt worden waren. Auf flachen Strecken, so hat sich zuletzt gezeigt, erzeugt er mit seinem Spartakus-Oberkörper mehr Luftwiderstand als Weltmeister Tony Martin und Bradley Wiggins. Ein Nachteil, der auch auf der Bahn ins Gewicht fällt.

Auch Wiggins und Martin wollen den Rekord

Cancellara wäre gut beraten, die Chance im nächsten Jahr zu packen, denn bereits haben auch Martin und Wiggins den Rekord im Hinterkopf. Martins grosses Ziel bleibt aber vorerst das Olympia-Zeitfahren von Rio, Wiggins will 2015 auf die Bahn zurückkehren. Und er könnte sich durchaus vorstellen, seine Karriere nicht nur mit einer dritten Goldmedaille mit dem Bahnvierer, sondern auch mit dem Stunden-Weltrekord zu krönen.

Erstellt: 27.12.2013, 13:39 Uhr

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