Die Suche nach dem guten Gefühl

Fabian Cancellara hofft, beim heutigen Prolog der Tour de Suisse in Lugano, sein Selbstvetrauen wieder zu finden. Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtet live ab 15 Uhr.

Ungewissheit: Ein Erfolserlebnis käme Fabian Cancellara nicht ungelegen.

Ungewissheit: Ein Erfolserlebnis käme Fabian Cancellara nicht ungelegen. Bild: Keystone

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Die Siegerehrung mit Fabian Cancellara im gelben Leadertrikot zum Auftakt der Tour de Suisse ist schon fast Tradition. Seit der Prolog 2009 wieder eingeführt wurde, hat sich der Berner stets durchgesetzt. Den Hattrick hat er also bereits erzielt, heute Nachmittag könnte er auch das Triple auf der 7,3 km langen Strecke in Lugano realisieren (2009 wurde der Prolog im Fürstentum Liechtenstein gefahren). Anders als in den vergangenen Jahren ist der Sieg jedoch keine Selbstverständlichkeit; es ist kein vor Selbstvertrauen strotzender Cancellara, der um 16.56 Uhr starten wird.

Der Schlüsselbeinbruch in der Flandern-Rundfahrt hat Spuren hinterlassen. Nicht nur in Form der Operationsnarbe, sondern auch in Cancellaras Kopf. Ihm fehlt wegen des Sturzes das Erfolgsgefühl. Am Donnerstag stieg er beim GP des Kantons Aargau nach 14 von 15 Runden aus, müde gefahren in der schwülen Hitze. Der Applaus der Besucher der Gartenwirtschaft im Restaurant neben dem Zielbereich, wo er sich anschliessend duschte, mochte wohl ein Lächeln auf das Gesicht des 31-Jährigen zaubern. Aber das ist nicht der Applaus, für den er in der vergangenen Woche arbeitete, für den er in den Zeitfahrtrainings unter Anleitung von Interimsnationaltrainer Luca Guercilena litt.

Körper bereit, Kopf noch nicht

Cancellara ist auf der Suche nach dem Gleichgewicht zwischen Beinen und Kopf, zwischen Kraft und Selbstbewusstsein. Denn die Zahlen, die das Leistungsmessgerät seines Velos zeigt, sie sind nicht so schlecht; den körperlichen Rückstand nach dem Sturz hat er weitgehend aufgeholt. «Aber der Kopf ist noch weit weg von 100 Prozent. Und der entscheidet», sagt Cancellara. Und dann auch: «Ein Erfolgserlebnis brächte mich jetzt weiter, das wäre ein Sprung vorwärts.»

Wo sollte er dieses suchen, wenn nicht heute beim Prolog, den er so gut wie auswendig kennt? Wie sehr er den Erfolg mit allen Mitteln zu suchen gewillt ist, zeigt Folgendes: Schon unter der Woche hatte er den Wetterbericht studiert – und festgestellt, dass es heute gegen Abend regnen könnte. In anderen Jahren hätte er diese Tatsache ignoriert, sich mit seiner Rolle als Aushängeschild und Verkaufsargument des Rennens abgefunden. Als solches startet er ganz am Schluss, um die Spannung zu erhalten – für die Zuschauer an der Strecke und vor den TV-Geräten. Nun sagt er: «Das Fernsehen ist mir egal. Und ich bin nicht zum Goodwill der Sponsoren hier. Entscheidend ist allein, dass es für mich stimmt.» Letztlich startet er nun doch am Ende mit den Favoriten – weil das Wetter halten sollte.

Kein Egoist

Dabei ist Egoismus nicht etwas, was sich der Radio-Shack-Teamleader vorwerfen lassen muss. Nur zur Wahrung der grossen Ziele denkt er für einmal wirklich nur an sich: «Klar war in den Vorjahren die Tour de Suisse als Päckli wichtig für mich. Aber jetzt habe ich einen anderen Fokus: den 28. Juli, den 1. August», das olympische Strassenrennen und das Zeitfahren. Den beiden Rennen ordnet er alles unter. Sie lieferten auch die Argumente, sollte es doch nicht klappen mit dem Sieg fürs Selbstvertrauen an der Tour de Suisse, die er klar als Vorbereitungsrennen einstuft.

«Darum gehe ich gelassener an den Start. Ob es gut rauskommt oder nicht, ist egal», sagt er. Es sind Aussagen, um den Druck nicht allzu gross werden zu lassen. Das ändert wenig an der Tatsache: Nichts gibt mehr Selbstvertrauen als ein gelbes Trikot, sei es heute – oder in vier Wochen beim Prolog der Tour de France.

Wer weiss das besser als Cancellara?

Erstellt: 09.06.2012, 12:43 Uhr

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