Die Unermüdliche

Nina Brenn ist die grosse Schweizer Multisportlerin, fünfmal hat sie den Gigathlon gewonnen. Und ist nun im Aargau wieder Favoritin.

«...und es geht doch», lautet Nina Brenns Motto – hier am Inferno-Triathlon im Berner Oberland. Foto: Rémy Steinegger (Swiss-Image)

«...und es geht doch», lautet Nina Brenns Motto – hier am Inferno-Triathlon im Berner Oberland. Foto: Rémy Steinegger (Swiss-Image)

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Sie ist effizient und gut organisiert. Das zeigt sich beim Termin für ein Treffen: 7.30 Uhr in einem Café beim Hauptbahnhof. Nicht von ihrem Wohnort Flims kommt sie, sondern direkt vom City-Hallenbad. «Ich bin jede Woche zweieinhalb Tage in Zürich und dabei beginnt mein Tageswerk jeweils mit ­einer Stunde Schwimmen», sagt Nina Brenn. Daran ändert auch eine unmittelbar bevor­stehende Herausforderung wie der Gi­gathlon mit seinen diesmal 406 Kilo­metern und 7100 Höhenmetern nichts.

Sie erscheint mit einem breiten Lachen, beschwingt, locker, bestellt sich einen Chai Latte mit «viel, viel Zucker». Sie erzählt vor der Arbeit völlig entspannt von ihrem Alltag und von ihren Ambitionen an diesem Wochenende. «Ich freue mich riesig, auch wenn mich keine supergeniale Strecke wie etwa 2011 im Wallis mit der Plaine Morte und dem Gornergrat erwartet», sagt sie. Spannung spürt sie dennoch: «Für mich geht es in eine weitgehend unbekannte Gegend im Mittelland und Jura.»

Nina Brenn und Gigathlon – die 36-jährige frühere Ironman-Triathletin scheint der Typ Mensch zu sein, der das Wesen, aber auch die Herausforderungen des Multisport­events ideal verkörpert: Laufen, Schwimmen, Velofahren, Inlineskaten, Biken – und alles mit möglichst viel Freude. Sie ist die Athletin, die reflektiert, Eindrücke aufsaugt, Naturschauspiele speichert und Revue passieren lässt. Und die sagt: «Es beflügelt mich, Leistungsgrenzen zu erreichen und zu überwinden. Es bereitet Spass, den Körper in solchen Extrem­situationen zu erleben.» Als Lebensmotto nennt sie: «. . . und es geht doch».

Für das Verbissene, Sture, das Ausdauer- und Extremsportlern vielfach nachgesagt wird, steht Nina Brenn nicht. Das hängt stark mit ihrer persönlichen Gewichtung zusammen: Familie, Beruf, Sport – in dieser Reihenfolge und immer. Zur bestaunten Multisportlerin wurde sie auch erst nach der Babypause durch ihren souveränen Sieg am viel beachteten Siebentagegigathlon 2007. Ehemann Jürg und Sohn Flurin (inzwischen 9) waren schon damals dabei. Die Aufgaben haben sich verändert, aufeinander abgestimmt sind die drei noch immer. Auch oder gerade nachdem die Familie 2012 von Zürich nach Flims gezogen ist. «Wir hatten uns dafür entschieden, Flurin in Flims und nicht in Zürich ein­zuschulen, in den Bergen, nicht in der Stadt», sagt sie.

«Ich höre auf meinen Körper»

Ihre berufliche Tätigkeit als Forstingenieurin hat Nina Brenn deswegen nicht aufgegeben. Wöchentlich lebt und arbeitet sie zweieinhalb Tage in Zürich. «Eine tolle Stelle, ein tolles Team und Trainingsmöglichkeiten, die jene im Vorderrheintal ideal ergänzen», schwärmt sie. Die vielen Möglichkeiten zum Schwimmen nennt sie wie auch das breite Angebot der Stadt und des Akademischen Sportverbands (ASVZ). «Ich geniesse Flims, die Berge und die Trails, geniesse aber ebenso Zürich mit meinem Trainingsumfeld und meinen Trainingskollegen.» Aus dem regelmässigen Pendeln generiert sie Energie.

Und mit Energie reist Nina Brenn am Freitag nach Aarau. Unbelastet, wie es scheint. Ganz ihrer Philosophie entsprechend antwortet sie auf die Frage nach ihrer Favoritenrolle: «Ich bestreite mein Rennen, höre in mich und suche den Dialog mit meinem Körper. Gelingt das, komme ich meinem persönlichen Optimum nahe.» Ihr Anspruch lautet «Immer besser werden». Und wie gut dieses Rezept in der Vergangenheit gewesen ist, zeigt sich in ihrem Palmarès: Sie hat schon mehrfach den Inferno-Triathlon aufs Schilthorn gewonnen, kürzlich den Swissman-Triathlon von der Insel Brissago auf die Kleine Scheidegg – und eben fünfmal seit 2007 den Gigathlon. Nur 2012 in Olten scheiterte sie, wegen eines Sturzes.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.07.2015, 23:12 Uhr

Gigathlon 2015

Rund um Aarau

4000 Gigathleten machen sich von Freitag bis Sonntag im Aargau am 14. solchen Multisport-Grossanlass auf die Spuren der alten Eidgenossen – der Kanton gedenkt in diesem Jahr der Eroberung seines Kantons­gebiets. 406 km mit 7100 Höhenmetern sind an den beiden Wettkampftagen und dem Prolog am Freitag in den Disziplinen Inline, Schwimmen, Laufen, Velo und Bike zu bewältigen. Gut 200 tun dies als Einzelathleten (Singles), der Rest ist als Couples (Mann/Frau) oder als Fünferteam unterwegs. Zentralort aller drei Tage ist Aarau. Hierhin kehren die Sportler nach ihren Touren zu Schlössern, Burgen, Klöstern, antiken Wasserläufen und Legionärspfaden zurück. Als Organisator tritt nach zehn Austragungen unter Swiss Olympic erstmals wieder ein Team um Gigathlon-Initiator Peter Wirz auf. (jgg)

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