Die roten Teufel in Fahrt

Stefan Küng/Théry Schir halten sich auch nach dem zweiten Tag der Sixday-Nights in den Top 5. Den finalen Schlusspunkt setzte mit dem Glockenschlag um Mitternacht aber Silvan Dillier.

Attraktion im Hallenstadion: Die Schweizer Stefan Küng (r.) und Thery Schir.

Attraktion im Hallenstadion: Die Schweizer Stefan Küng (r.) und Thery Schir. Bild: Keystone

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Ihre Trikots sind auffällig, da rot. Und weil Stefan Küng/Théry Schir ihre Runden auf der eingebauten 200-m-Holzbahn in Oerlikon wild, unerschrocken, manchmal allerdings auch etwas zu ungestüm drehen, passt der Übername: die roten Teufel. Damit lassen die beiden 20-Jährigen, die eine neue Generation verkörpern, im Oval frühere Zeiten aufleben. Etwa jene von Jean Roth und Walter Bucher. Und genau wie die Altmeister tragen die Emporkömmlinge die Startnummer 8, die übrigens einst auch Urs Freuler gehörte, dem heutigen Organisator.

Es gibt zwar mit Jasper de Buyst noch einen jüngeren Fahrer im Feld der Profis. Acht Tage nach Küng ist der Belgier geboren, damals am 24. November 1993. Mit Landsmann und Vorjahressieger Keny de Ketele hat der Lehrling jedoch einen erfahrenen Mentor an seiner Seite. Gemeinsam führen sie bei Halbzeit die Gesamtwertung weiterhin an. Küng/Schir, die beide zusammen im Nachwuchs schon zweimal Europameister geworden sind, stellen indes die jüngste Paarung. Nachdem sie an der letztjährigen Austragung die Amateur-Konkurrenz dominiert hatten, wollen sie sich nun bei den Profis beweisen. Und Schonfrist wird ihnen dort keine gewährt. Denn der Ostschweizer Küng weiss: «Als Debütant muss man sich zuerst Respekt verschaffen, und die Arrivierten machen einen dabei das Leben gehörig schwer.»

Lehrgeld bezahlt

In der gestrigen Auftaktwertung waren es aber Küng/Schir, die die gesamte Konkurrenz zunächst düpieren konnten. Sie gewannen die Américaine über 100 Runden mit der Zugabe eines Rundenvorsprungs und verblüfften die rund 3000 Zuschauer mit einer stupenden Leistung. Auch die finale Américaine über die doppelte Distanz von 40 km lief für das junge Gespann zunächst vielversprechend an, die beiden zeigten sich aktiv und aufmerksam. Allerdings mussten sie auch Lehrgeld zahlen, etwa als drei Versuche auf einen Rundengewinn fehlschlugen und sie dabei zu viel Energie verpufften. Am Schluss klassierten sich Küng/Schir als Neunte und rutschten in der Gesamtwertung wieder um einen Platz an Position 5 ab. Die Top 5 sind für sie jedoch ein realistisches Ziel, vor allem wenn sie im Endspurt noch den von Bahn-Nationaltrainer Daniel Gisiger prophezeiten Vorteil ausspielen können: «Sie haben fünf harte Trainingswochen in Neuseeland und Neukaledonien hinter sich und erfreuen sich einer glänzenden konditionellen Verfassung.»

Genugtuung für Marvulli

Bereits bei seinem dritten Zürcher Sixdays-Auftritt ist Silvan Dillier angelangt und dabei gilt er an der Seite von Wunschpartner Iljo Keisse als Hoffnungsträger des einheimischen Publikums. In einem packenden Finale und dank Schweizer Präzisionsarbeit sicherte sich der 23-jährige Aargauer den Sieg in der letzten Prüfung des gestrigen Tages. Im Gesamtklassement bleiben dabei die zwei in Lauerstellung hinter De Ketele/De Buyst.

Der bereits am Auftakttag zurückgebundene Franco Marvulli folgt bei seiner Abschiedsvorstellung vom Bahnsport zusammen mit Tristan Marguet an 8. Stelle. Immerhin konnte der Seebacher im ersten Lauf des Dernyrennens ein Erfolgserlebnis verbuchen und im Windschatten des unverwüstlichen Schrittmachers René Aebi auf der zweitletzten Runde den entscheidenden Angriff lancieren. Zudem verbuchte er einen Sieg im Teamzeitfahren. Der Routinier glaubt dennoch nicht mehr an seinen fünften Triumph: «Ich habe ja nie gesagt, ich werde gewinnen, sondern nur, dass ich Spass haben will.» Und den habe er, vor allem wegen der mitreissenden Fans.

Erstellt: 29.11.2013, 04:46 Uhr

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