Ein Duft von Tour de France

Bei Lüttich–Bastogne–Lüttich beschnuppern sich am Sonntag die Favoriten für Juli erstmals richtig.

Favorit am Sonntag, Herausforderer im Juli: Valverde an der Flèche Wallonne, dahinter Lüttich-Titelverteidiger Martin.

Favorit am Sonntag, Herausforderer im Juli: Valverde an der Flèche Wallonne, dahinter Lüttich-Titelverteidiger Martin. Bild: Keystone

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Prognosen für die Kopfsteinklassiker sind ob der überschaubaren Zahl von Sieg­anwärtern jeweils relativ rasch gemacht. Da gibt es Cancellara, Boonen, dazu noch Sagan und Vanmarcke. Künftig vielleicht auch Paris–Roubaix-Sieger Terpstra. Fertig ist das Favoritenfeld. Mit dem Wechsel vom flämischen in den wallonischen Teil Belgiens zu den Ardennenklassikern vervielfacht sich die Zahl der Kandidaten. In den hügligeren Rennen sind es nicht mehr nur die Spezialisten, die sich etwas ausrechnen, sondern eigentlich ­generell alle Fahrer, deren Mienen sich erhellen, wenn es bergauf geht.

Kaum ein Rennen bietet eine grössere Breite an Sieganwärtern als Lüttich–­Bastogne–Lüttich, der letzte Klassiker des Frühjahrs. Die 100. Ausgabe von «La Doyenne» wartet denn auch mit einem äusserst attraktiven Teilnehmerfeld auf. Da wären die Classiques-Spezialisten wie Gold-Race-Sieger Philippe Gilbert, Weltmeister Rui Costa oder Vorjahressieger Dan Martin. Sie werden das Rennen allerdings nicht allein unter sich ausmachen. Denn neben den Spezia­listen haben sich auch praktisch alle ­bekannten Namen angekündigt, die bei den grossen Rundfahrten um den Sieg fahren. Meist ist deren Form noch nicht ganz so gut wie bei den Spezialisten. Das zeigt auch der Blick in die Siegerliste. Die Ausnahme, sprich ein Sieg eines Rundfahrers, gab es letztmals 2009, als Andy Schleck siegte.

Trotzdem veredeln die grossen Rundfahrten-Spezialisten das Teilnehmerfeld deutlich. Und verströmen den Duft der grossen Radsportereignisse des Sommers. Etwa Joaquim Rodriguez, der Tour-Dritte, der den Giro d’Italia gewinnen will. Und dann eine ganze Reihe von Fahrern, die ihren Saisonhöhepunkt für die Tour de France planen. Allen voran Tour-Sieger Christopher Froome, Giro-Sieger Vincenzo Nibali und der Tour-Achte Alejandro Valverde. Die drei ­gehören auch im Juli zu den ersten ­Anwärtern für die Plätze auf dem Podest in Paris.

Wie steht es um Froomes Form?

Überraschend hat die Frage nach der Reihenfolge auf dem Podium in den vergangenen Monaten etwas Spannung ­erhalten. Anfang Jahr hätte kaum ­jemand gewagt, gegen Titelverteidiger Froome zu wetten. Der Brite bestätigte seine Vormachtstellung bei der Tour of Oman im Februar, doch seither verlief seine Saison längst nicht so geschmeidig wie geplant. Erst musste der 28-Jährige wegen Rückenproblemen auf den Tirreno–Adriatico verzichten. Wenig später konnte er auch in Katalonien am Berg nicht immer mit den Besten mitfahren; geschweige denn sie dominieren. Was für ein Unterschied zum Vorjahr, als er einzig im Tirreno eine kleine Schwäche gezeigt und sich ansonsten Rennen für Rennen im Tragen des Leadertrikots ­geübt hatte. Dass selbst beim auf Perfektion getrimmten Team Sky nicht immer alles nach Plan läuft, zeigt auch die Tatsache, dass Froomes Adjutant Richie Porte nun doch nicht den Giro d’Italia auf eigene Rechnung fahren darf, sondern erneut Froome an der Tour helfen muss. Wo der Chef in seinem verzögerten Aufbau genau steht, wird sich am Sonntag zeigen – und dann nächste ­Woche, wenn er als Titelverteidiger zur Tour de Romandie antritt.

Keine Fragen um den Formstand lässt dagegen Valverde offen, der am Mittwoch in der Flèche Wallonne siegte. Der Spanier ist 2014 in bemerkenswerter Verfassung. Er gewann zwei kleinere Rundfahrten in Spanien, insgesamt steht er bei acht Saisonsiegen. Klappt sein Formaufbau für Juli ebenso gut, wird Alberto Contador nicht der einzige Spanier sein, auf den Froome achten muss.

Vorerst geht es Valverde aber darum, in Lüttich von seiner Topform zu profitieren. Es winkt der dritte Sieg. Primär dürfte er Vorjahressieger Dan Martin und Gold-Race-Sieger Philippe Gilbert fürchten. Mit Froome und den anderen beschäftigt er sich dann im Juli.

Erstellt: 24.04.2014, 22:08 Uhr

100. Lüttich-Bastogne-Lüttich

Die Favoriten
***** Valverde (Sp)
**** Martin (Irl), Gilbert (Be)
*** Rodriguez (Sp), Kwiatkowski (Pol), Mollema (Ho)
** Froome (Gb), Nibali (It), Costa (Por), Gerrans (Au)
* Vanendert (Be), Kreuziger (Tsch),
Voeckler (Fr), Albasini (Sz), Frank (Sz)

Die Schweizer
Albasini (Orica), Frank, Hollenstein, Lang, Reichenbach (alle IAM).

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