Ein Rendezvous mit der Radgeschichte

Fabian Cancellara und Tom Boonen, welche die Gegenwart der Kopfsteinklassiker geprägt haben, fahren bei der Flandern-Rundfahrt um mehr als nur um Tagessiege.

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Natürlich geht es primär darum, wer am Sonntag in Oudenaarde als Erster über die Ziellinie fährt. Für den Betreffenden wird es ein grosser Tag, der grösste gar? Wahrscheinlich schon. Nur drei Fahrer im Starterfeld kennen das ­Gefühl: Tom Boonen, dreifacher Flandern-Rundfahrt-Sieger; Fabian Cancellara, zwei­facher; Stijn Devolder, zweifacher.

Letzterer war einst Boonens Edelhelfer – und nutzte als solcher 2008 und 2009 die gebotene Freiheit, um zu siegen. Nun ist er Cancellaras Edelhelfer – und nach ­Jahren endlich wieder einmal gut in Form. Aber er ist nicht das Zentrum ­dieser ­Geschichte, der Gegenwart, wenn es um die Kopfsteinklassiker geht. Diese bestimmten in den vergangenen Jahren Boonen und Cancellara, sie zwei ganz ­alleine.

Der fünf Monate ältere Boonen gewann 2005 mit 25 erstmals die Flandern-Rundfahrt – und eine Woche später auch Paris–Roubaix. Cancellara liess sich zwar nicht lange bitten und schrieb sich im Folgejahr in Roubaix als Nächster in die Siegerliste ein.

Doch anders als Boonen brauchte der Berner anschliessend länger, um den ­Erfolg zu wiederholen. Dieses Defizit ist bis heute geblieben: Boonen nennt drei Siege bei der Flandern-Rundfahrt und ­deren vier bei Paris–Roubaix sein Eigen. Cancellara je einen weniger.

Legenden dieser Rennen sind sie ­bereits – davon zeugt auch Cancellaras Serie an Topplatzierungen. Jeder weitere Start ist für die beiden deshalb auch ein Rendezvous mit der Radgeschichte. Boonen kann sie schreiben, weil er mit Siegen in den beiden Rennen zum alleinigen Rekordhalter werden könnte. ­Cancellara schlösse mit einem Erfolg zu Boonen und Johan ­Museeuw (Flandern) auf respektive zu Boonen und Roger De Vlaeminck (Roubaix).

Doch am Freitagnachmittag, als sie ihre letzten öffentlichen Termine abhalten, wollen beide nichts davon wissen: von der Chance, weiter am eigenen Kapitel in den Radgeschichtsbüchern zu schreiben. «Ich sehe den möglichen vierten Sieg nicht als Druck. Ich empfinde es vielmehr als entspannend, zu wissen, dass ich das Rennen in der Vergangenheit schon ein paarmal gewonnen habe», sagt Boonen und fügt an: «Wenn ich nicht gewinne, ist das nicht mein Fehler. Ich habe alles gemacht, was ich konnte.» Dass die entspannte Haltung nicht die ganze Wahrheit ist, sagt er etwas später: «Diese Rennen werden schlimmer, je besser man sie kennt. Genauso ist es mit der Tatsache, zu wissen, dass es vielleicht die zweit- oder drittletzte Chance ist.»

Zwei Favoriten mit Zweifeln

Cancellara geht es nicht anders. Während Boonen sein Karrierenende noch offenlässt, dürfte der Trek-Captain nach seinem Dreijahresvertrag kaum weiterfahren. Auch ihm bleiben drei Chancen. Welche Differenz diese auf sein Palmarès haben werden – er mag nicht darüber ­sinnieren. «Am Ende ist es nur ein Radrennen. Und trotzdem: Es ist die Ronde van Vlaandern», sagt er und zeigt so seine Zerrissenheit. Hier der Fahrer, der genau weiss, wie wichtig es ist, sich nicht zu sehr auf das grosse Ziel zu versteifen. Da der Radsportkenner, dem so viel liegt an der Geschichte seines Sports.

Von der Bedeutung des möglichen dritten Sieges will er nichts gewusst ­haben, «das wäre ein schöner Neben­effekt», sagt er keck. Ansonsten gibt er sich ­ungewohnt zurückhaltend. Legt Zweifel ­offen, die ihn zu Wochenbeginn noch umtrieben, die ihm erst Teamchef Luca ­Guercilena ausreden konnte: Er haderte mit sich, weil er morgen für ­einmal ohne Saisonsieg startet.

Auch seinen Rivalen plagten zuletzt Sorgen. Boonens schwangere Freundin verlor vor kurzem das gemeinsame Baby, vor zehn Tagen verletzte er sich bei einem Sturz auch noch an der Hand, weshalb hinter seiner Form ein kleines Fragezeichen steht. Aber Cancellara stellt klar: «Er wird da sein. Ich erwarte einen grossen Kampf – aber nicht nur gegen ihn.»

Beiden ist klar: Das pure Duell, Boonen gegen Cancellara, wird allein in den Geschichtsbüchern stattfinden.

Erstellt: 04.04.2014, 18:20 Uhr

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