Ein Steak, Ruhe und Glaube ans Team

Fabian Cancellara gibt sich vor der Flandern-Rundfahrt gelöst und zuversichtlich. Der Berner gehört wie in den letzten Jahren zu den Favoriten. Er weiss, dass es nicht immer reicht, der Beste zu sein.

Vor einem Jahr wurde Fabian Cancellara an der Flandern-Rundfahrt Dritter.

Vor einem Jahr wurde Fabian Cancellara an der Flandern-Rundfahrt Dritter. Bild: Keystone

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«Andere trainieren am Mittwoch über 200 Kilometer, und Sie veranstalten ein Barbecue?», fragt ein Journalist ungläubig nach. Fabian Cancellara hat im Teamhotel in der Nähe von Brügge genüsslich erzählt, wie er vor drei Tagen zu Hause in Ittigen den Grill zum ersten Mal in diesem Jahr angeworfen und sich ein Steak zubereitet hatte. «Ohne belgisches Bier und Wein natürlich», beruhigte Cancellara gestern den Mann, und selbstverständlich sei er davor auch noch auf dem Velo gesessen.

Doch hartes Training war nicht in erster Linie das, was der Berner in der vergangenen Woche am dringendsten benötigte. Nach seinen zwei Stürzen im E3-Preis von Harelbeke am letzten Freitag brauchte sein Körper Behandlungen und Ruhe, und Letztere fand er bei der Familie auf der Terrasse. Nun sind die kleineren Blessuren verheilt, und Cancellara ist bereit für die Flandern-Rundfahrt vom Sonntag (ab 13.15 Uhr auf SF2). Liest, hört oder spricht man über den belgischen Klassiker, scheint allen klar zu sein: Es gibt einen Zweikampf zwischen Cancellara, dem Sieger von 2010, und Tom Boonen, der sein Heimrennen 2005 sowie 2006 gewann.

Sieg ist nicht immer möglich

Cancellara will siegen, klar. Und der Druck ist für ihn kein Thema; dieser begleitet ihn seit Jahren bei Klassikern, Zeitfahren, Titelkämpfen. Der 31-Jährige kennt die Favoritenrolle, aber er weiss eben auch, dass es nicht immer reicht, der Beste zu sein. Gerade Belgien erinnert ihn an diese Tatsache. Vor einem Jahr war Cancellara als Vorjahres-Doublesieger als der Mann in die Flandern-Rundfahrt und Paris–Roubaix gegangen, den es zu schlagen galt. Die Gegner konzentrierten sich auf ihn – und fast nur auf ihn. Seine damaligen Teamkollegen konnten ihm zudem nicht die Unterstützung bieten, die er gebraucht hätte. Cancellara war der Stärkste, aber er hatte keine Chance, die Aussenseiter Nick Nuyens und Johan Vansummeren gewannen die beiden Eintagesrennen.

Cancellara hat gelernt, das zu akzeptieren. «Man darf sich nicht verrückt machen lassen wegen der Resultate», sagt er. «Wenn die Situation ist wie jetzt, kann ich gut damit umgehen.» Eine Situation wie jetzt, das bedeutet, dass er seine Stärken ausspielen und trotzdem nicht jedes Rennen gewinnen kann. Bei Mailand–Sanremo ging er zehn Kilometer vor Schluss bei einer Attacke mit, doch Simon Gerrans und Vincenzo Nibali an seinem Hinterrad konnte er weder abschütteln noch zu einer Mitarbeit zwingen. Der Berner wurde Zweiter und kann das Resultat nach der ersten Enttäuschung als gut einstufen. «Ich würde wieder dasselbe Risiko eingehen.»

Cancellara glaubt vor dem morgigen Rennen aber nicht nur an sich, sondern auch an sein Team. Ganz einfach war es für den Berner nicht, sich nach dem Zusammenschluss von RadioShack und Leopard Trek an ein neues Klassikerteam zu gewöhnen, «aber ich glaube, es ist stärker als letztes Jahr. Wenn sie sehen, wie ich arbeite, ist das eine Motivation für sie – und umgekehrt. Wir pushen uns gegenseitig.» Gut zu hören. Denn der momentan superstarke Tom Boonen etwa hat mit Sylvain Chavanel einen Helfer, der selber ein Siegkandidat ist. So findet Cancellara, dass Omega-Pharma–Quick Step mit diesen Voraussetzungen Verantwortung im Rennen übernehmen muss. Eine Ansicht, die Boonen übrigens schnell abschiebt: «Cancellara ist doch der grosse Favorit.» Nur: Was bedeutet das schon am Sonntag?

Erstellt: 31.03.2012, 10:13 Uhr

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